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Marx an der Spitze der Bischofskonferenz
"Ein Schwergewicht"

Die Wahl Reinhard Marx' zum Vorsitzenden der Bischofskonferenz zeige, dass man ihm am ehesten zutraue, die unterschiedlichen Strömungen zu repräsentieren und Konflikte zu überbrücken, sagte Ludwig Ring-Eifel, Chefredakteur der Katholischen Nachrichtenagentur KNA, im DLF. Der Münchner Kardinal sei mit seinem sehr guten Draht nach Rom ein Schwergewicht.

Ludwig Ring-Eifel im Gespräch mit Jasper Barenberg | 13.03.2014
    Kardinal Reinhard Marx lächelt, vor ihm ein Mikrofon, hinter ihm auf einem Gebäude der Schriftzug "Bischöfliches Priesterseminar Borromäum"
    Reinhard Kardinal Marx nach seiner Wahl zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (dpa / Rolf Vennenbernd)
    Silvia Engels: "Es ist noch zu früh für Reinhard Marx." So hatten jedenfalls viele Beobachter geurteilt, als das letzte Mal ein neuer Vorsitzender für die Bischofskonferenz der Katholiken gesucht worden war. Es wurde dann am Ende bekanntlich Robert Zollitsch. Dieses Mal meinten viele, dass es jetzt wiederum schon ein wenig zu spät für den Erzbischof von München und Freising sein könnte. Ist die gestrige Wahl von Kardinal Reinhard Marx also eine Überraschung?
    - Das hat mein Kollege Jasper Barenberg Ludwig Ring-Eifel gefragt. Er ist Chefredakteur der Katholischen Nachrichtenagentur KNA.
    Ludwig Ring-Eifel: Natürlich war es eine Überraschung insofern, weil viele gesagt haben, der hat jetzt schon so viele Ämter, der hat den Job in München als Erzbischof, der ist bei der EU-Kommission, bei der COMECE ist er Leitender Bischof. Er ist in Rom in zwei wichtigen Kommissionen. Also er kann jetzt nicht noch einen anspruchsvollen Job übernehmen. Das war eine Rechnung, die viele aufgemacht hatten. Aber dann hat er offenbar im Kreise der Bischöfe gesagt, dass er bereit ist, doch einen dieser Posten abzugeben, mindestens einen dieser Posten abzugeben, sodass dann doch die Ämterkonzentration nicht mehr so enorm ist, wie sie bisher aussieht.
    Jasper Barenberg: Er wurde ja erst im vierten Anlauf gewählt, hat selber gesagt, das sei ein ehrliches Ergebnis insofern. Wie groß ist die Skepsis unter den Bischöfen, die aus diesem Ergebnis spricht?
    Ring-Eifel: Ich glaube nicht, dass aus diesem Ergebnis eine Skepsis spricht, sondern es war eher so, dass es andere Kandidaten gab, die auch sehr stark waren. Es war sicher der Osnabrücker Bischof Bode ziemlich stark und auch hier der Münsteraner Bischof Genn. Die hatten auch viele Stimmen und dann hat es eben mehrere Wahlgänge gedauert, bis sich das so rausgemendelt hat, dass doch am Ende Marx die meisten hatte. Aber das ist keine Skepsis gegen ihn, sondern zeigt nur, wie stark doch auch die anderen Stimmen bekommen haben.
    Barenberg: Oder zeigt es auch ein Maß an Zerstrittenheit unter den Bischöfen über den künftigen Kurs, den die Kirche in Deutschland nehmen sollte?
    Ring-Eifel: Es zeigt sicher, dass es da unterschiedliche Flügel und Strömungen gibt. Und es zeigt auch, dass die Mehrheit ganz offensichtlich Kardinal Marx am ehesten zutraut, dass er die unterschiedlichen Strömungen repräsentieren kann und dass er auch diese Konflikte in seiner Person überbrücken kann.
    Barenberg: Das hat also den Ausschlag gegeben nach Ihrer Ansicht, dass er tatsächlich ein Schwergewicht ist, der tatsächlich Brücken schlagen kann zwischen den verschiedenen Strömungen?
    Ring-Eifel: Genau so würde ich es sagen. Marx ist derjenige, der einfach durch die Autorität seines Amtes als Kardinal in München und als Kardinal mit sehr gutem Draht nach Rom ein Schwergewicht ist. Und der eben auch zwischen Konservativen und Fortschrittlicheren vermitteln kann. Er ist ja kein Mann jetzt, der einem bestimmten Flügel zugeordnet werden könnte.
    Barenberg: Er wird immer als jovial, als zupackend beschrieben, als sehr selbstbewusst, als konservativ, aber offen. Welche weiteren persönlichen Eigenschaften möglicherweise würden Sie ihm zuschreiben?
    Ring-Eifel: Er ist sehr durchsetzungsfähig. Er kann Situationen ziemlich schnell erfassen und kann dann auch ziemlich schnell Entscheidungen treffen. Und er kann vor allen Dingen sehr gut kommunizieren. Er kann die Dinge, die er macht, in einer Sprache rüberbringen, die auch für Menschen verständlich ist, die jetzt nicht in diesem Kirchen-Milieu zuhause sind. Ich würde schon sagen, dass er auch Visionen, also klare Ziele hat. Nur er bringt die auf eine sehr geerdete Art zum Ausdruck. Er ist keiner, der da hochtrabend daherredet. Aber er hat schon ganz klare Ziele.
    Barenberg: Die Katholische Kirche wird ja immer als eine Kirche in der Krise beschrieben. Da fallen dann eine ganze Reihe von Stichworten: Alles, was rund um das Bistum Limburg geschehen ist in den vergangenen Wochen und Monaten, die Umfrage zur Sexualmoral, die gezeigt hat, wie wenig die Gläubigen noch ihren Bischöfen folgen mögen, der Missbrauchsskandal ist immer noch ein großes Thema, der Mitgliederschwund in der Kirche. Was muss denn ganz oben auf der Tagesordnung jetzt stehen, wenn Sie es wählen könnten?
    Ring-Eifel: Ich glaube, dass von selber auf der Tagesordnung jetzt erst mal das Thema Limburg steht. Das kann sich der neue Vorsitzende auch gar nicht auswählen. Das ist einfach da, weil eben dieser Prüfbericht jetzt vorliegt und weil dort jetzt endlich eine Entscheidung auch fallen muss. Und da hat er auch ganz gute Karten, weil er einen sehr guten Draht nach Rom hat und in Rom wird die Entscheidung fallen.
    Barenberg: ... , was wiederum zeigt – darüber haben wir ja schon kurz gesprochen -, wie wichtig offenbar den Bischöfen auch war, einen Mann zu wählen, der jetzt schon enge Verbindungen zum Papst hat. Er ist nicht nur in seinem Beratergremium von acht Kardinälen, sondern er ist auch Koordinator eines neu geschaffenen Wirtschaftsrates. Wie wichtig wird das für die nächsten Jahre sein, dass es diese enge Verbindung jetzt schon zum Vatikan, zur Kurie gibt?
    Ring-Eifel: Das ist eine Verbindung, die kann man gar nicht hoch genug einschätzen, weil ja der gesamte Schwung, also alles Positive, was im Moment für die Kirche kommt, kommt ja aus Rom, in der Gestalt von Papst Franziskus, der seit einem Jahr wirklich sehr positive Resonanz bei den Gläubigen, aber auch weit darüber hinaus findet. Der ist die entscheidende Figur und deswegen muss auch ein Vorsitzender einer Deutschen Bischofskonferenz einen sehr engen Draht zu diesem Papst haben. Und den hat Marx glücklicherweise und das ist ein Pfund, mit dem er wuchern kann.
    Barenberg: Der Chefredakteur der Katholischen Nachrichtenagentur KNA im Gespräch mit dem Deutschlandfunk. Vielen Dank, Ludwig Ring-Eifel.
    Ring-Eifel: Gerne.
    Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk/Deutschlandradio Kultur macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.