Im Zeltlager in Lüdenscheid schien die Weltrevolution bereits geglückt. Doch bis Solingen ist sie nicht gekommen. So erinnert sich Richard David Precht an seine Kindheit. Die war fest verankert im Alternativ-Kosmos seiner Eltern in den 68er Jahren und später in der DKP mit Sommerlager, den Rauschebärten von Marx und Engels und dem Spitzbubenlächeln von Lenin.
In der naiven kindlichen Verklärung wird die DDR tatsächlich zum riesigen Garten Eden der Werktätigen. Nur deswegen gibt es eine hohe Mauer drum herum. Alles böse kommt aus Amerika, vor allem die sausüße Coca-Cola und der geschmacksfreie Hotdog. Dagegen ist der französische Asterix ein Revoluzzer gegen die römisch-amerikanische imperialistische Allmacht.
So ist das alles in der Kinderseele angekommen, die Autor Richard David Precht in diesem kurzweiligen, heiteren aber auch klugen Film über die Träume der 60er Jahre und ihre spätere ironische Aufarbeitung beschreibt. Er hat ihn zusammen mit dem Kölner Dokumentarfilmregisseur André Schäfer gemacht. Manch ein Gesprächspartner muss lachen, wenn er an den Dogmatismus und die Selbstüberschätzung der Zeiten denkt, als man unter dem Pflaster noch den Strand vermutete. Hinter dem naiven Erzählton, der manchmal an die kluge Schlichtheit der "Sendung mit der Maus" erinnert, verbirgt sich doch auch eine blitzgescheite vielschichtige Zeitanalyse, die man heiter genießen und dann doch ernst hinterfragen kann. Lenin war doch auch in Lüdenscheid die Spaßbremse.
Vom heiteren selbstironischen Tonfall eines guten glossierenden Text profitiert der Film ganz entschieden, der visuell Privatfilme der Familie mit bekannten Archivbildern kombiniert: Bilder der Solinger Provinz, aus Vietnam, Berlin, vom besagten DKP-Zeltlager in Lüdenscheid und schließlich vom Mauerfall und dem Erwachsenwerden vervollkommnen dieses Potpourri der kollektiven Erinnerungen an das magische Jahr 68 und die wilden 70er. Precht wirft allerdings vielleicht zu vieles in einen Topf. Verständlich, angesichts des sehr persönlichen Ansatzes seines Films. Die ganze Leichtigkeit dieses Films speist sich aus diesem teils vergnügten, manchmal ratlosen und gelegentlich bitteren Blick zurück auf eine Kindheit als Ausnahmezustand.
Manchmal macht die ironische Erzählung auch kurz den Blick frei auf die Bitterkeit, mit der die gestohlene Kindheit beklagt werden könnte. Insofern gehört der hier geschilderte Sonderweg der überzeugten DKP-isten dann doch wieder zu 68. Wer kann schon jung sein inmitten des exzessiven Jugendkults der Eltern. Wer kann sich finden, wenn er die Eltern nicht wenigstens einmal als Feind erlebt. Die nette 68er-Elterngeneration tritt nicht ab, sondern verschwindet im individuellen Lebenschaos: aus, vorbei.
Wenigsten der reale Sozialismus der DDR verabschiedete sich 1989 aus den Annalen der Geschichte. Mit deren Abgesang endet konsequent auch dieser kleine dokumentarische Essayfilm, der zu den intelligentesten und unterhaltsamsten Beiträgen zum Jahresthema 68 gehört.
In der naiven kindlichen Verklärung wird die DDR tatsächlich zum riesigen Garten Eden der Werktätigen. Nur deswegen gibt es eine hohe Mauer drum herum. Alles böse kommt aus Amerika, vor allem die sausüße Coca-Cola und der geschmacksfreie Hotdog. Dagegen ist der französische Asterix ein Revoluzzer gegen die römisch-amerikanische imperialistische Allmacht.
So ist das alles in der Kinderseele angekommen, die Autor Richard David Precht in diesem kurzweiligen, heiteren aber auch klugen Film über die Träume der 60er Jahre und ihre spätere ironische Aufarbeitung beschreibt. Er hat ihn zusammen mit dem Kölner Dokumentarfilmregisseur André Schäfer gemacht. Manch ein Gesprächspartner muss lachen, wenn er an den Dogmatismus und die Selbstüberschätzung der Zeiten denkt, als man unter dem Pflaster noch den Strand vermutete. Hinter dem naiven Erzählton, der manchmal an die kluge Schlichtheit der "Sendung mit der Maus" erinnert, verbirgt sich doch auch eine blitzgescheite vielschichtige Zeitanalyse, die man heiter genießen und dann doch ernst hinterfragen kann. Lenin war doch auch in Lüdenscheid die Spaßbremse.
Vom heiteren selbstironischen Tonfall eines guten glossierenden Text profitiert der Film ganz entschieden, der visuell Privatfilme der Familie mit bekannten Archivbildern kombiniert: Bilder der Solinger Provinz, aus Vietnam, Berlin, vom besagten DKP-Zeltlager in Lüdenscheid und schließlich vom Mauerfall und dem Erwachsenwerden vervollkommnen dieses Potpourri der kollektiven Erinnerungen an das magische Jahr 68 und die wilden 70er. Precht wirft allerdings vielleicht zu vieles in einen Topf. Verständlich, angesichts des sehr persönlichen Ansatzes seines Films. Die ganze Leichtigkeit dieses Films speist sich aus diesem teils vergnügten, manchmal ratlosen und gelegentlich bitteren Blick zurück auf eine Kindheit als Ausnahmezustand.
Manchmal macht die ironische Erzählung auch kurz den Blick frei auf die Bitterkeit, mit der die gestohlene Kindheit beklagt werden könnte. Insofern gehört der hier geschilderte Sonderweg der überzeugten DKP-isten dann doch wieder zu 68. Wer kann schon jung sein inmitten des exzessiven Jugendkults der Eltern. Wer kann sich finden, wenn er die Eltern nicht wenigstens einmal als Feind erlebt. Die nette 68er-Elterngeneration tritt nicht ab, sondern verschwindet im individuellen Lebenschaos: aus, vorbei.
Wenigsten der reale Sozialismus der DDR verabschiedete sich 1989 aus den Annalen der Geschichte. Mit deren Abgesang endet konsequent auch dieser kleine dokumentarische Essayfilm, der zu den intelligentesten und unterhaltsamsten Beiträgen zum Jahresthema 68 gehört.