Montag, 04. Juli 2022

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Meinungsforscher zu Martin Schulz
"Ein hochinteressanter Kandidat"

Die Entscheidung der SPD für Martin Schulz als Kanzlerkandidat sei aus demoskopischer Sicht richtig, sagte der Meinungsforscher Richard Hilmer (*) im DLF. Schulz stehe nicht für die Große Koalition und könne, da er nicht Teil davon sei, Bundeskanzlerin Angela Merkel angreifen.

Richard Hilmer im Gespräch mit Doris Simon | 24.01.2017

Martin Schulz
Der designierte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz bei seiner Vorstellung in Berlin. (dpa / Gregor Fischer)
Bei der Frage, wen die Wähler bei einer Direktwahl zum Bundeskanzler wählen würden, agiert Schulz Hilmer zufolge auf Augenhöhe mit Merkel. Sie habe ihm gegenüber keinen erkennbaren Bonus. Schulz wirke in Gruppen, die für die SPD wichtig seien, zum Beispiel enttäuschte SPD-Wähler, die Richtung CDU abgewandert seien.
Hilmer nannte im Deutschlandfunk zwei Vorteile Schulz': Er sei vorbehaltlich anderer Entscheidungen nicht in die Kabinettsdisziplin eingebunden und könne daher von außen agieren. Das war für den damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier im Jahr 2009 schwierig gewesen. Außerdem sei Schulz nicht belastet von fast 20 Jahren Mitarbeit in Regierungen, an denen die SPD beteiligt war. Er könne deswegen eine programmatische Erneuerung seiner Partei verkörpern.
Der Meinungsforscher (*) verwies auf Schulz' Erfahrung als Präsident des EU-Parlaments. Dort habe er weitaus größere Koalitionen schmieden müssen und habe bewiesen, dass er auch mit Grünen und Linken zusammenarbeiten könne. Er sei bei Weitem nicht so festgelegt.
Das komplette Interview können Sie mindestens sechs Monate nachhören.
(*) In einer ursprünglichen Version wurde Herr Hilmer als Chef des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap bezeichnet. Dort ist er aber nicht mehr tätig.