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StartseiteUmwelt und VerbraucherMethoden gegen Kartoffelfäule und Pilze im Getreide27.09.2006

Methoden gegen Kartoffelfäule und Pilze im Getreide

Deutsche Pflanzenschutztagung in Götttingen

Die Kartoffelkraut- oder - Knollenfäule gilt als ärgster Feind der Kartoffel. Jahr für Jahr fallen dem Pilz weltweit rund 20 Prozent der Ernte zum Opfer. Der Pilzbefall sorgt aber auch bei anderen Pflanzen, wie Getreide zum Beispiel, immer wieder für negative Schlagzeilen. Wie sich Pflanzenkrankheiten bekämpfen lassen, das ist das Thema der Deutschen Pflanzenschutztagung, die derzeit in Göttingen stattfindet und - nach Angaben des Veranstalters - die größte agrarwissenschaftliche Fachtagung im deutschsprachigen Raum ist.

Von Elke Drewes

Getreide ist anfällig für Schädlinge. (AP)
Getreide ist anfällig für Schädlinge. (AP)

Besonders schädlich ist ein Schimmelpilz, der den Weizen befällt. Er kann die Leber schädigen und nicht nur das, sagt Andreas von Tiedemann von der Abteilung Pflanzenpathologie und Pflanzenschutz der Agrarwissenschaftlichen Fakultät der Uni Göttingen. Er erforscht Schimmelpilzgifte.

" Wir haben Probleme im Weizen schon lange, aber erst jetzt erkannt, dass diese Pilzgifte eine östrogene Wirkung haben, also eine hormonelle Wirkung, auf die Fruchtbarkeit von Mensch und Tier."

Für Pilzgifte in Getreideprodukten wie Spaghetti und Brot gibt es schon seit längerem Grenzwerte. Diese Grenzwerte liegen im Millionstel -Gramm Bereich. Seit dem ersten Juni dieses Jahres gelten auch Grenzwerte für Getreide.

" Wenn die nicht eingehalten werden, dann produziert der Landwirt Sondermüll und muss ihn entsorgen."

Der Landwirt muss also seine Ernte vor Pilzbefall schützen. Am häufigsten eingestzt werden chemische Pflanzenschutzmittel. Jedoch zeigen Studien, dass einige dieser chemischen Pflanzenschutzmittel eine hormonähnliche Wirkung haben. Das heißt, im Tierversuch vergrößerte sich bei Ratten die Gebärmutter, die Männchen wurden unfruchtbar. Aber aus Sicht des Pflanzenpathologen sind die meisten der zugelassenen Mittel ungefährlich.

" Weit über 90 Prozent sind nicht mehr giftig, keiner Giftklasse zugeordnet. Sie essen ja auch nicht Haushaltsreiniger zum Frühstück. Wenn sie sachgemäß eingesetzt werden, sind sie völlig unbedenklich."

Allerdings gibt es ein Problem: Der häufige Einsatz von Pflanzenschutzmitteln führt zu Resistenzen. Das heißt, die Wirkung gegen Pilze im Weizen oder gegen die Kartoffelfäule schwindet.

" Hier kann nur eine langfristige Resistenz der Kartoffel gegen den Pilz helfen."

Eine Möglichkeit, pilzresistente Kartoffeln zu entwickeln, bietet die Gentechnik. Reinhard Nehls von der Planta GmbH, einer Tochter der KWS Gruppe in Einbeck, entwickelt im Labor sowohl pilzresistente Kartoffeln als auch Weizen und Zuckerrüben, die gegen Pilzbefall geschützt sein sollen. Mithilfe der Gentechnik soll der Abwehrmechanismus der Pflanzen so geschärft werden, dass er den Pilz als Krankheitsauslöser erkennt und bekämpft.

" Wir nutzen dazu die natürlichen Abwehrkräfte, die Pflanzen haben. Pflanzen sind in der Lage praktisch alle Mikroorganismen abzuwehren. Der Unterschied liegt darin, dass eine Pflanze einen Krankheiterreger nicht erkennt und deshalb seine Abwehrmechanismen nicht anwerfen kann."

In 3 Jahren will Nehls den Prototyp einer pilzresistenten Kartoffel entwickelt haben. Aber dann beginnt erst die eigentliche Züchtungsarbeit. Bis die pilzresistente Gentech- Kartoffel durch das Bundessortenamt zugelassen wird, kann es noch 10 bis 15 Jahre dauern. Ökolandwirte wollen pilzresistente Sorten allein auf herkömmliche Weise züchten. Auch beim Pflanzenschutz setzt der Ökoanbau auf Wirkstoffe aus der Natur. Die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft testet solche Verfahren des biologischen Pflanzenschutzes. Marga Jahn von der Biologischen Bundesanstalt.

" Gerade der Weizensteinbrand hat sich wieder so aufgeschaukelt im Ökoanbau. Ein biologisches Verfahren namens Tillecur, ein Gelbsenfmehl, ist ein gut geeignetes Mittel gegen Weizensteinbrand. Auch Mikroorganismen aus den USA werden getestet. Wir sind guter Hoffnung, dass eine Anwendung bald möglich ist. Einiges ist erfolgversprechend."

Mikroskopisch feine Fadenwürmer gegen Insektenfraß im Gemüsefeld oder Bakterien, die Pflanzenwurzeln stärken gegen Pilzbefall . Ralf- Udo Ehlers von der Uni Kiel entwickelt solche biologischen Pflanzenschutzmittel.

" Ohne Nebenwirkung gibt es nichts. Wir haben immer mit einer gewissen Nebenwirkung zu kämpfen. Aber die biologischen Substanzen aus der Natur sind einfacher biologisch abbaubar. Und dadurch haben wir eine geringere Umweltbelastung."

Die Biologische Bundesanstalt für Land und Forstwirtschaft hat jetzt eine Liste mit biologischen Pflanzenstärkungsmitteln ins Internet gestellt. Diese Mittel sind alle vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit überprüft und bei sachgemäßer Anwendung für unbedenklich erklärt worden.

Kontaktadresse:

Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA)

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