Südamerika
Mindestens 164 Tote nach Erdbeben in Venezuela - sehr viel höhere Opferzahlen befürchtet

Nach den schweren Erdbeben in Venezuela wird mit zahlreichen Todesopfern gerechnet. Mindestens 164 Menschen sind ums Leben gekommen. Mehr als 970 weitere seien verletzt worden, sagte die geschäftsführende Präsidentin Rodríguez. Sie rief den Notstand aus.

    Zu sehen sind Einsatzkräfte, die sich in den Trümmern eines eingstürzten Gebäudes dem Unglücksort nähern.
    Rettungsarbeiten nach schweren Erdstößen in Caracas (AFP / MANAURE QUINTERO)
    Aus dem besonders betroffenen Bundesstaat La Guaira gebe es noch keine Opferzahlen, so Rodríguez. Dort liegt zudem der Flughafen der Hauptstadt, der geschlossen wurde. Das Epizentrum lag etwa 160 Kilometer westlich von Caracas. Die US-Erdbebenwarte gab die Stärke der Erschütterungen mit 7,2 und 7,5 an. Einer Modellrechnung der Behörde zufolge könnte die Zahl der Toten in die Tausende gehen.
    Das Beben war auch in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá zu spüren, die rund 1.000 Kilometer Luftlinie vom Epizentrum entfernt liegt.
    Einsatzkräfte suchten nach möglicherweise verschütteten Menschen. Die Regierung rief inzwischen den Notstand aus. Der Schulunterricht werde ausgesetzt, der Zugverkehr unterbrochen und der Betrieb am Flughafen eingestellt. 

    Rodríguez: "Wir rufen unsere Bevölkerung dazu auf, Ruhe zu bewahren"

    Interimspräsidentin Rodríguez rief den Notstand aus und teilte mit, Metro- und Erdgasdienste in Caracas seien eingestellt worden. Außerdem forderte sie die Bevölkerung auf, Schäden über eine Regierungs-App zu melden.
    Zudem habe man einen der wichtigsten Flughafen des Landes, den internationalen Flughafen Simón Bolívar, wegen schwerer Beschädigungen schließen müssen. Alle Beschäftigten im Gesundheitswesen des Landes seien aufgefordert, sich in den Krankenhäusern zu melden, um verletzte Menschen zu versorgen. Das Bildungsministerium teilte am späten Mittwoch mit, dass einige Schulen als Notunterkünfte und Spendenzentren genutzt werden sollen.

    Bundeswehr bietet Hilfe an

    Zahlreiche Staaten boten schnelle Hilfe an, darunter El Salvador, die Dominikanische Republik, Brasilien und die USA. Das US-Außenministerium richtete nach eigenen Angaben einen Krisenstab ein, um in Absprache mit der venezolanischen Regierung Such- und Rettungsmannschaften sowie humanitäre und medizinische Hilfe zu schicken. 
    Die Bundeswehr hat angeboten, Unterstützung zu entsenden. Man könne bis zu sechs Transportflugzeuge vom Typ A400M bereitstellen, um Personal und Hilfsgüter etwa des Technischen Hilfswerks ⁠und ⁠des Deutschen Roten ⁠Kreuzes zu befördern, teilt ⁠das Verteidigungsministerium mit. "Die Nachricht ⁠von den vielen ‌Tausenden Toten in Venezuela hat mich tief erschüttert", erklärt Verteidigungsminister ​Pistorius. "Jetzt gilt es, schnell Hilfe zu leisten."
    Von der EU finanzierte Partnerorganisationen sind bereits vor Ort im Einsatz. Zusätzlich sei das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus aktiviert worden, teilte die EU-Kommissarin für Krisenmanagement, Lahbib, mit. Das Programm liefert Satellitenaufnahmen und unterstützt so die Rettungskräfte.
    US-Außenminister Rubio erklärte, die Vereinigten Staaten würden umgehend Suchtrupps, Rettungsteams und medizinische Güter entsenden. Auch Brasilien, Mexiko, Panama und Katar boten Hilfe an.
    Diese Nachricht wurde am 25.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.