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Mobiles Betriebssystem
Google und das Android-Monopol

Der Code des quelloffenen mobilen Betriebssystems Android darf nach Belieben verändert werden - theoretisch. Offenbar schränkt Google die Modifizierbarkeit in der Praxis durch strenge Verträge stark ein. Und dennoch gibt es sie, die "anderen" Android-Varianten.

Von Achim Killer | 25.07.2015

    Ein Jugendlicher betrachtet Inhalte auf seinem Smartphone.
    80 Millionen Smartphones mit alternativen Android-Versionen sollen im 4. Quartal 2014 verkauft worden sein, die meisten davon in China. (picture alliance / dpa / Tobias Hase)
    Jeder Android-Anwender bringt Google Werbe-Dollars ein. Lange Zeit war es unerklärlich, wie der Konzern es schafft, andere Unternehmen auszusperren, die auch gerne mitverdient hätten. Microsoft und Yahoo etwa hatten Smartphone- und Tablet-Herstellern viel Geld geboten, damit ihre Internet-Suche werksseitig voreingestellt wird. Vergeblich. Dann, im letzten Jahr, veröffentlichte der Harvard-Professor Ben Edelman die geheimen Verträge zwischen Google und den Geräte-Produzenten.
    "Es gab Gerüchte, dass Google es nicht erlauben würde. Aber man wusste es nicht. Und es war nicht beweisbar, bis Oracle Google wegen Urheberrechtsverletzungen bei Java verklagte. Bei dieser Gelegenheit wurden viele dieser Verträge bekannt. Und wenn man an der richtigen Stelle suchte, konnte man erfahren, welche Beschränkungen Google Hardware-Herstellern und Telekommunikationsunternehmen auferlegte."
    Die Suchmaschine des Konzerns muss nach diesen Verträgen voreingestellt sein, sonst darf das Betriebssystem nicht Android heißen. Denn die Software wird zwar im Rahmen des Android Open Source Projects entwickelt. Aber Google gehören die Namensrechte. Außerdem müssen proprietäre Apps, die wichtig fürs Werbegeschäft sind, vorinstalliert sein wie Gmail, Maps und der App-Shop Google Play, und zwar alle. Etwa nur den eigentlich unabdingbaren App-Shop zu nehmen, ließen die von Edelman veröffentlichten Verträge nicht zu. Deshalb stammen die großen alternativen Android-Varianten auch von Konzernen mit eigenen Shops. Und sie heißen anders, Fire-OS, die Version des amerikanischen Internet-Händlers Amazon, und Aliyun, die des chinesischen Alibaba. Aber einige kleinere Alternativen gibt es denn doch noch, Replicant beispielsweise, eine Android-Variante, bei der nur Open-Source-Apps vorinstalliert sind, und CyanogenMod, Software, die ein bereits installiertes Android nachträglich modifiziert.
    Personalisierung von Android
    "Die bemerkenswerteste Implementierung des Android Open Source Projects ist heute CyanogenMod, das über Android installiert wird. Es ermöglicht es, das Gerät zu personalisieren. Es verbessert die Bedienbarkeit von Android, soll es aber nicht ersetzen. Es erhöht die Leistung und die Kontrollmöglichkeiten", so Jeff Orr vom Marktforschungsunternehmen ABIResearch.
    80 Millionen Smartphones mit alternativen Android-Versionen sind nach Angaben von ABIResearch im 4. Quartal 2014 verkauft worden, die meisten davon in China. Zum Vergleich: Auf 200 Millionen lief Googles Android. Die Entwickler von CyanogenMod haben sich nach anfänglichen Streitereien mit Google geeinigt: Sie liefern ihre Software ohne die Apps des Konzerns aus. Die Anwender nehmen stattdessen die, die auf ihren Android-Geräten vom Hersteller vorinstalliert sind. Und: Seit kurzem gibt es auch ein vollständiges Betriebssystem Namens Cyanogen OS, vertrieben von der gleichnamigen Firma.
    Chinesische und indische Hersteller installieren es statt Android. Ausgeliefert werden die Geräte dann mit Apps von Microsoft. Der Konzern ist eine strategische Partnerschaft mit der Firma Cyanogen eingegangen und schafft es so doch noch, auf einem Markt präsent zu sein, auf dem er mit seinem eigenen Betriebssystem, mit Windows, weitgehend verschwunden ist. Ermöglicht wurde dies durch den offenen Quellcode von Android, vor allem aber durch ehemalige Hacker, die ins Geschäft mit Android eingestiegen sind.