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Modellauto-Affäre
Haderthauer beugt sich dem öffentlichen Druck

Seit Monaten hatte die bayerische Opposition wegen der sogenannten Modellauto-Affäre den Rücktritt von Christine Haderthauer als Staatskanzleiministerin gefordert. Lange hatte sich die CSU-Politikerin gewehrt - doch der Druck scheint jetzt zu groß geworden zu sein.

Von Susanne Lettenbauer | 02.09.2014

Die Leiterin der bayerischen Staatskanzlei Christine Haderthauer (CSU) kommt am 17.03.2014 zur CSU-Vorstandssitzung in die Parteizentrale in München (Bayern).
Christine Haderthauer zählt in der CSU zu den möglichen Nachfolgekandidaten von CSU-Chef Seehofer. ( Rene Ruprecht/dpa)
Kurzfristiger hätte die Ankündigung nicht kommen können. Eine halbe Stunde nachdem die Bayerische Staatskanzlei veröffentlicht hatte, dass Christine Haderthauer eine Erklärung abgeben wolle, trat die Staatskanzleichefin vor die Presse:
"Meine Damen und Herren, ich hatte heute ein sehr freundschaftliches Gespräch mit dem Ministerpräsidenten. Ich habe ihm gedankt für seine Unterstützung und das Vertrauen, dass er mir immer entgegen gebracht hat. Dennoch habe ich ihm meinen Entschluss mitgeteilt, mit sofortiger Wirkung von meinem Amt als Leiterin der Staatskanzlei und Staatssekretärin für Bundesangelegenheiten und Sonderaufgaben zurückzutreten."
Noch im Juli seien sie und die CSU der Meinung gewesen, so Haderthauer, dass ein Rücktritt vom Staatsamt allein wegen der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens nicht gerechtfertigt sei. Daran habe sich auch nichts geändert, so die Ministerin: "Damals wie heute bin auch überzeugt, dass ich die juristischen Vorwürfe vollständig ausräumen kann."
Dieser Meinung scheint Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer aber nicht mehr zu sein. Bis zur ersten Kabinettssitzung nach der Sommerpause kommenden Dienstag, den 9. September wollte er Klarheit zu den Vorwürfen bekommen. Die hat Haderthauer nun wohl nicht liefern können. Immer wieder hatte sich Horst Seehofer hinter seine Ministerin gestellt. Zuletzt noch bei der Kabinettssitzung im Juli in Nürnberg, wo schon die Bürger lautstark gegen Haderthauer protestierten. Dieser Rückhalt vom Ministerpräsidenten ist jetzt Geschichte.
Doch es gibt noch weitere Gründe: In dieser Woche laufen nach der Sommerpause der Münchner Staatsanwaltschaft deren Ermittlungen gegen Haderthauer wegen der Modellbauaffäre auf Hochtouren an. Außerdem hatte die bayerische SPD am vergangenen Freitag auch noch zwei Rechts-Gutachten vorgelegt hat, die beweisen, dass Christine Haderthauer noch bis 2011 Gesellschafterin der Modellbaufirma gewesen sei. Unter diesem Druck sei politische Arbeit nicht mehr denkbar, so Haderthauer:
"Nach den Erfahrungen mit der öffentlichen Berichterstattung in den letzten Wochen muss ich aber befürchten, dass das Amt und die damit verbundenen politischen Themen komplett überlagert würden. Das empfinde ich nicht nur persönlich als unbefriedigend, sondern dass entspricht auch nicht meinem Amtsverständnis."
Die Reaktion aus der CSU: Der Generalsekretär Thomas Kreutzer dankt der Ministerin aus seinem Urlaubsort für ihre jahrelange erfolgreiche Tätigkeit im Bayerischen Kabinett. Die CSU-Fraktion zolle Frau Haderthauer Respekt für die Entscheidung.
Für die bayerische Opposition kommt der Rücktritt viel zu spät. SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher erklärt den Schritt als längst überfällig. Am Untersuchungsausschuss wolle man festhalten: "Denn es müssen alle Details vollumfänglich aufgeklärt werden. Dabei geht es um die Forensik in Bayern im Allgemeinen, aber auch um die Frage, ob die Staatskanzlei von Frau Haderthauer für private Zwecke instrumentalisiert und missbraucht wurde."
Das Kapitel Haderthauer scheint damit für Bayern noch nicht abgeschlossen zu sein.