Freitag, 27. Januar 2023

Das Ensemble Aventure und die lateinamerikanische Avantgarde
Los cadadías

Das Engagement für die zeitgenössische Musik aus Lateinamerika ist für das Freiburger Ensemble Aventure europaweit zum Alleinstellungsmerkmal geworden. Sein Drei-Generationen-Programm korrespondiert mit dekolonialistischer Theorie.

Am Mikrofon: Frank Kämpfer | 28.11.2022

Detailansicht eines Fagottes, das vor einem Notenständer gespielt wird, auf dem gleichzeitig die Stimme eines modernen Werkes wie ein philosophischer Aufsatz liegen.
Beim Forum neuer Musik: Partituren, Instrumentalspiel und philosophisches Denken sind auch in diesem Jahrgang vereint. (Thomas Kujawinski / Deutschlandradio)
Unstrittig verbindet sich der Aufbruch einer eigenständigen Avantgarde in Südamerika mit Graciela Paraskevaídis und Coriún Aharonián. Beide stammen aus europäischen Einwandererfamilien und kamen 1940 an verschiedenen Ufern des Río de la Plata zur Welt.
Als Mitbegründer der Cursos Latinoamericanos de Música Contemporánea plädierten sie für eine ästhetische Loslösung von europäischen Mustern und einen strikten sozialkritischen Anspruch in ihrer Musik.

Auf Augenhöhe

Dass ihre Namen und Werke hierzulande bekannt sind, verdankt sich vieljähriger Zusammenarbeit und Freundschaft mit Wolfgang Rüdiger und dem Freiburger Ensemble Aventure, dem er künstlerisch vorsteht. In einem Drei-Generationen-Programm resümiert Aventure dieses Engagement, das sich auch in einer im Deutschlandfunk produzierten CD-Reihe beim Label Wergo dokumentiert.
Blick hinter der Schlagwerkerin, die eine Saite auf einem tischartigen Instrument streicht, zum Dirigenten, den weitere Musiker beim Spiel umgeben.
Das Ensemble Aventure bei den Aufnahmen zum Forum 2022 im Deutschlandfunk Kammermusiksaal. (Thomas Kujawinski / Deutschlandradio)
Im Rahmen der Sendung gibt der Wiener Soziologe Jens Kastner zudem Einblick in lateinamerikanische dekolonialistische Theorien von Enrique Dussel, Aníbal Quijano und Rita Segato.
Aufnahmen im Deutschlandfunk Kammermusiksaal, Köln

Coriún Aharonián
(1940–2017)           
„Los Cadadías“

Natalia Solomonoff (*1968)                 
“Quema”

Vladimir Guicheff Bogacz (*1986)
„encuentros casuales“

Graciela Paraskevaídis (1940–2017)               
„sendas“

Rodolfo Acosta (*1970)
„Octaedro“

Maximiliano Soto Mayorga (*1991)     
„Cyanotypie“                                        
Uraufführung, Kompositionsauftrag des Deutschlandfunks, finanziert von der Ernst von Siemens Musikstiftung
                                                                                  
Ensemble Aventure
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Förderer und Partner:
Kunststiftung Nordrhein-Westfalen
Ernst von Siemens Musikstiftung