Seine neueste Einspielung mit Kammermusik von Johann Sebastian Bach enthält ganz unterschiedliche Kompositionen und neben Sonaten für Traversflöte oder Viola da gamba auch noch drei Solostücke, darunter auch das Praeludium c-moll BWV 921 im improvisierenden Stil aus dem Jahr 1708, das sich in dem wertvollen Manuskript des Andreas-Bach-Buchs findet. Lorenzo Ghielmi spielt in dieser Aufnahme ein klangschönes Cembalo von William Dowd nach einem Instrument von François Blanchet von 1730.
Die Kammermusik von Johann Sebastian Bach war wohl wesentlich umfangreicher als das, was sich erhalten hat. Viele dieser Werke verloren sich nach Bachs Tod oder überlebten nur noch als Transkriptionen für andere Instrumente. Eines der bekanntesten Beispiele dafür sind die Konzerte für Cembalo und Streicher, die ursprünglich für Violine und Solo-Oboe bestimmt waren. Es gab aber auch falsche Zuschreibungen, wie zum Beispiel bei der g-moll Sonate für Flöte und obligates Cembalo Werkverzeichnis 1020, die nicht vom Vater, sondern vom Sohn Carl Philipp Emanuel Bach stammt, was allein anhand der modernen Schreibweise nachweisbar ist. Carl Philipp Emanuel hatte ein besonderes Faible für die Traversflöte, wirkte er doch viele Jahre am Hofe des Flöte spielenden Friedrich des Großen und war dort auch Kollege des berühmten Johann Joachim Quantz.
Hier aus dieser g-moll Sonate der 2.Satz mit Jan de Witte, einem Kuijken-Schüler und Meister auf der historischen Querflöte. Neben seiner Konzerttätigkeit lehrt de Witte am Conservatoire National de Musique in Paris und am Königlichen Konservatorium in Brüssel.
Sein eigenes Ensemble Il Gardellino, mit dem er die Welt bereist, besteht nun schon seit zehn Jahren. Lorenzo Ghielmi spielt hier auf dem Nachbau eines Silbermann-Pianofortes von Andrea Restelli. Gottfried Silbermann baute eine ganze Reihe von einem Pantaleon ähnlichen Instrumenten für den Virtuosen Pantaleon Hebenstreit, nach dem diese Instrumente benannt waren. Nach einem Rechtsstreit wurde Silbermann dann jedoch der Bau dieser Instrumente verboten, nachdem sich Hebenstreit dafür eine Art Patent erwirkt hatte. Doch Silbermann rächte sich und umging dieses Monopol, in dem er ein solches Register in sein Fortepiano einbaute, wodurch er den frühen Instrumenten dieser Gattung sehr charakteristische Effekte verlieh.
Neben dem Querflötisten Jan de Witte wirken in Lorenzo Ghielmis Aufnahme mit Bach-Sonaten noch die Geigerin Isabella Bison und sein jüngerer Bruder Vittorio mit.
Vittorio Ghielmi, Schüler von Wieland Kuijken, Roberto Gini und Christophe Coin, und auch Ex-Mitglied von Il Giardino Armonico ist ein überaus virtuoser, stilistisch versierter Solist, der es vermag, die farbigsten Klangbilder entstehen zu lassen. Auch er konzertiert im Duo mit seinem Bruder oder mit dem Lautenisten Luca Pianca sowie verschiedenen Alte-Musik-Formationen weltweit. Seine musikologischen Forschungen gelten zum großen Teil auch dem bislang unbekannten Repertoire für sein Instrument, die Viola da gamba und ihre Familie. Vittorio und Lorenzo Ghielmi spielen hier atemberaubend den Schlusssatz der Sonate für Viola da gamba und obligates Cembalo Werkverzeichnis 1028 von Johann Sebastian Bach.
Vor dieser abwechselungsreichen CD mit kammermusikalischen Werken von Johann Sebastian Bach hatte sich Lorenzo Ghielmi den populären Orgelkonzerten op.4 von Georg Friedrich Händel gewidmet. Auf dieser, ebenfalls jüngst bei Passacaille erschienen Aufnahme, ist auch das Konzert für Laute und Harfe in einer sehr virtuosen Fassung enthalten, gespielt von den kongenialen Partnern Margret Höll und Luca Pianca. Händel, ein Meister im Kopieren eigener Werke, hat dieses Konzert später als Orgelkonzert veröffentlicht und auch den ersten Satz, transponiert, in eine anderes Orgelkonzert übertragen.
Die populärem Orgelkonzerte von Georg Friedrich Händel unter der Opuszählung 4 stehen im Mittelpunkt der neuesten Einspielung von Lorenzo Ghielmi und seinem Ensemble La Divina Armonia. Diese Werke standen nicht in einem sakralen Kontext sondern waren ursprünglich als Zwischenaktsmusiken für Händels große Oratoriumsaufführungen konzipiert, bei denen der Komponist selbst wild zu improvisieren pflegte. Sie erfreuten sich bald großer Beliebtheit und wurden dann offiziell mit ins Programm genommen.
Gedruckt wurden sie erstmals 1738 bei John Walsh und zusammen mit den posthum veröffentlichten Orgelkonzerten op.7 besaßen sie lange Zeit Vorbildcharakter Ihr leichter, italienischer Charakter und die originellen Melodie-Strukturen machten sie zusammen mit den Concerti grossi op.3 und op.6 zu den beliebtesten Instrumentalwerken Händels.
Titel: Bach: Chamber Music
Ausführende: Ensemble "La Divina Armonia"
Lorenzo Ghielmi
Jan de Winne
Isabella Bison
Vittorio Ghielmi
Label: LC 10925 Passacaille 942
Vertrieb: note1
Titel: Handel: Organ Concertos op.IV
Ausführende: Lorenzo Ghielmi
Ensemble "La Divina Armonia"
Label: LC 10925 Passacaille 044
Vertrieb: note1