Jemen
Nach Huthi-Angriffen auf Saudi-Arabien wächst Sorge vor neuer Eskalation

Die Sorge vor einer neuen Eskalation im Jemen wächst: Nach Angriffen der Huthi-Miliz auf saudische Ölanlagen haben die Vereinten Nationen und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz beide Seiten zur Deeskalation aufgerufen. Zuletzt hatten sich die Kämpfe zwischen den Huthi und den jemenitischen Regierungstruppen deutlich verschärft.

    Ein Huthi-Anhänger skandiert Slogans, während er eine Raketennachbildung während einer Anti-US- und Anti-Israel-Kundgebung nach israelischen Luftangriffen in Sanaa trägt.
    Die Huthi-Miliz kontrolliert weite Teile des Nordjemen und steht erneut im Konflikt mit Saudi-Arabien (Archivbild). (Osamah Abdulrahman / AP / dpa )
    UNO-Generalsekretär Guterres verurteilte die grenzüberschreitenden Angriffe auf mehrere Ziele im Süden Saudi-Arabiens. Diese hätten nicht nur Energieanlagen getroffen, sondern auch Zivilisten gefährdet. Nach saudischen Angaben wurden mehr als 70 Menschen verletzt. Auch IKRK-Präsidentin Spoljaric warnte vor den Folgen einer weiteren Eskalation. Millionen Menschen im Jemen und in der Region litten bereits unter einer der schwersten humanitären Krisen der Welt. Neue Kämpfe würden die Lage weiter verschärfen.

    Angriffe und Gegenangriffe

    Die vom Iran unterstützten Huthi bekannten sich zu den Angriffen mit Drohnen und Raketen. Sie bezeichneten diese als Vergeltung für saudische Militärschläge im Jemen. Saudi-Arabien kündigte Gegenmaßnahmen an. Nach Angaben der Huthi flog die saudische Luftwaffe inzwischen mehr als 30 Luftangriffe auf Ziele in den Provinzen Marib, Al-Dschauf, Tais und Hodeida.

    Mehr als 500 Tote binnen weniger Tage

    Seit rund einem Monat nehmen die Kämpfe im Jemen wieder deutlich zu. Nach Angaben beider Konfliktparteien wurden in den vergangenen Tagen mehr als 500 Menschen getötet. Der jemenitische Analyst Baraa Shiban, der nach der Machtübernahme der Huthi ins Exil ging und heute von London aus zu Jemen und der Golfregion forscht, warnt vor einer weiteren Eskalation. Demnach sei der Jemen einem offenen Krieg so nahe wie nicht mehr seit der von den Vereinten Nationen vermittelten Waffenruhe von 2022. Mit den jüngsten Gefechten gilt diese Feuerpause faktisch als hinfällig.

    Konflikt mit regionaler Dimension

    Die aktuelle Gewalt hat auch eine regionale Dimension. Die vom Iran unterstützten Huthi hatten Ende Juli eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien angekündigt. Seither griffen sie nach eigenen Angaben saudische Öltanker im Roten Meer sowie Ölanlagen im Königreich an. Zudem erklärten sie, saudische Öltanker dürften die Meerenge Bab al-Mandab nicht mehr passieren. Die Meerenge verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und gehört zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten für den Handel zwischen Europa und Asien. Experten sehen darin nicht nur einen Machtkampf um die Kontrolle des Jemen, sondern auch einen Teil der größeren Auseinandersetzung zwischen Iran und seinen regionalen Gegnern.
    Der Konflikt eskalierte 2015, nachdem die Huthi die Kontrolle über die jemenitische Hauptstadt Sanaa übernommen hatten. Daraufhin unterstützte Saudi-Arabien gemeinsam mit Verbündeten die international anerkannte Regierung des Jemen im Kampf gegen die Miliz.

    Weitere Informationen:

    Huthi-Miliz greift Saudi-Arabien an - warum der Krieg in Jemen wieder aufflammt
    Diese Nachricht wurde am 09.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.