Dienstag, 07. Dezember 2021

Neue Schweizer Meldestelle gegen Ethikverstöße"Im Sinne des Sports braucht es eine unabhängige Meldestelle"

Die neu geschaffene Schweizer Meldestelle "Swiss Sport Integrity" soll Betroffenen die Möglichkeit geben, Missstände und Ethikverstöße bei einer unabhängigen Institution zu melden. Im Dlf erklärte Ernst König, Direktor von Antidoping Schweiz, warum die Institution auf Druck der Politik entstand und als Abteilung unter dem Dach von Antidoping-Schweiz installiert wird.

Ernst König im Gespräch mit Astrid Rawohl | 02.10.2021

Ernst König, Direktor von Antidoping Schweiz
Ernst König, Direktor von Antidoping Schweiz (dpa/picture alliance/Keystone/Peter Schneider)
Die neue Schweizer Meldestelle "Swiss Sport Integrity" nimmt am 1. Januar 2022 ihre Arbeit auf. Nach Missbrauchsvorwürfen von Turnerinnen gegen Trainer im Schweizerischen Turnverband war die Gründung der Meldestelle auch aus der Politik forciert worden. Daraufhin habe man gesagt, "es braucht eine unabhängige Stelle, wo Athletinnen und Athleten diese Vorkommnisse melden können", sagte Ernst König, Direktor von Antidoping-Schweiz, im Dlf. Bisher war das Nationale Olympische Komitee der Schweiz erste Anlaufstelle für Meldungen zu Missständen im Sport. Die neue nationale Meldestelle "Swiss Sport Integrety" wird nun als Abteilung unter dem Dach von Antidoping Schweiz etabliert.
Meldestelle und Anti-Doping-Agentur arbeiten zusammen
Der Hauptgrund dafür sei, dass die grundsätzlichen Anforderungen an die Organisationen identisch seien, so König. "Das heißt, die Anforderungen an die Unabhängigkeit einer Anti-Doping-Agentur sind genau die gleichen, wie die Anforderungen an eine unabhängige Meldestelle für Missbräuche. (…) Deshalb sind wir wahrscheinlich am prädestiniertesten dafür, diese zusätzliche Aufgabe zu übernehmen."
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Keine Einschränkungen bei der Anti-Doping-Arbeit
Die bisherige Anti-Doping-Arbeit soll dadurch aber in keinster Weise beeinträchtigt werden, betont König. Die Ressourcen dafür bleiben gleich. Es sei deshalb vorgesehen, das Budget um gut eine Million Franken für die Ethikmeldestelle zu erweitern. Das Budget der Anti-Doping-Agentur der Schweiz liegt aktuell bei rund fünf Millionen Franken.
Ende November muss das Sportparlament dem Ethik-Statut, das künftig für alle Sportverbände und die angeschlossenen Sportlerinnen und Sportler gilt, noch zustimmen. König geht aber nicht davon aus, dass es noch fundamentale Änderungen geben wird.
Andere Nationale Olympische Komitees zeigen Interesse
Das Ethik-Statut gilt für Athletinnen und Athleten und Betreuungspersonen, die Mitglied in einem Verband von Swiss Olympic sind, dem Sport-Dachverband in der Schweiz. Internationale Verbände, von denen viele wie die FIFA, die UEFA oder das IOC, in der Schweiz ansässig sind, seien dem allerdings nicht unterstellt. Das Ziel sei aber gewesen, die Gültigkeit so breit wie möglich auszudehnen. Nach der Gründung der neuen Meldestelle hätten nun bereits mehrere Nationale Olympische Komitees Interesse an dem Projekt gezeigt.
Wie der Rücklauf bei der neuen Meldestelle sein wird, sei noch ungewiss, sagte König. Da mit der neuen Meldestelle nun mehr Unabhängigkeit gewährleistet sei, könne es durchaus sein, dass sich mehr Betroffene mit ihren Anliegen melden. Aber auch das Gegenteil sei möglich. Bisher konnten sich Betroffene direkt bei einer entsprechenden Stelle des Nationalen Olympischen Komitees der Schweiz melden. "Vielleicht ist es einigen leichter gefallen, eine Meldung zu machen, wenn man innerhalb der Sportfamilie geblieben ist."
Diese möglichen Szenarien machten die Planung für die neue Stelle herausfordernd. Man starte im Januar deshalb "relativ schlank", um einen Grundbetrieb aufzubauen, erklärt König. Bei einer Vielzahl von Verfahren habe man aber die Möglichkeit, auf externe Partner zurückzugreifen.