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Neuer BIZ-Chef Weidmann
Ein Gegner der EZB-Politik

Jens Weidmann wird Vorsitzender des Verwaltungsrats der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), bleibt aber auch Bundesbank-Chef. Er gehört zu jenen, denen die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank zu lax ist. Ähnlich sieht es es auch die BIZ.

Von Michael Braun | 07.09.2015

Der neue BIZ-Vorsitzende Jens Weidmann
Der neue BIZ-Vorsitzende Jens Weidmann (dpa / SEDAT SUNA)
Es geht nicht reihum, man ist nicht "dran", Deutschland nicht, der Bundesbankpräsident als Person auch nicht. Zum Vorsitzenden des Verwaltungsrats der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, der BIZ, der Bank der Zentralbanken, wird man gewählt und dann erst ernannt. Es war also ein Votum für Jens Weidmann, damit auch für seine Auffassung von Geldpolitik.
Die, die die Europäische Zentralbank macht, passt Weidmann nicht. Aber er gehört dort zur Minderheit. Bei der BIZ hat sich eine Mehrheit auf ihn verständigt. Und auch die BIZ hat sich zuletzt sehr deutlich positioniert gegen eine zu laxe Geldpolitik. Allenfalls die Argumentationsstränge sind unterschiedlich: Weidmann fürchtet, die EZB gerate zu sehr in die Rolle eines Staatsfinanzierers, wenn etwa EZB-Gelder an griechische Banken fließen, die die an den griechischen Staat weitergeben. Die BIZ argumentiert weniger fiskalisch, sondern geldpolitisch, fürchtet Blasen und Verwerfungen und zumindest im Moment – anders als die EZB - keineswegs eine Deflation.
Die BIZ hat sich also für drei Jahre einen Verwaltungsratsvorsitzenden geholt, der wenigstens im Ergebnis mit ihrer Sichtweise einig ist. Christian Noyer, der scheidende Vorsitzende, geht in Ruhestand, auch als Chef der Banque de France. Davon ist Weidmann, nicht mal 50 Jahre alt, weit entfernt. Um Mario Draghi an der Spitze der EZB zu beerben, heißt es in Frankfurt, schade die Erfahrung bei der BIZ sicher nicht.