Klimawandel
Neuer UNO-Bericht: Erde steuert bis 2100 auf bis zu 2,8 Grad Erwärmung zu - WWF appelliert an Bundesregierung

Die Vereinten Nationen warnen, dass die Erde bis zum Ende des Jahrhunderts auf eine Erwärmung von bis zu 2,8 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zusteuern könnte. UNO-Generalsekretär Guterres sagte bei der Vorstellung des Jahresberichts des Umweltprogramms UNEP, die internationale Gemeinschaft sei gefährlich weit vom Erreichen ihrer Klimaziele entfernt.

    Ein Kraftwerk als schwarze Silhouette vor einem roten Abendhimmel mit heller Sonne.
    Die Erderwärmung nimmt weiter zu. (picture alliance / Geisler-Fotopress)
    Die Treibhausgas-Emissionen befänden sich weiter auf Rekordniveau und die nationalen Klimaschutzmaßnahmen seien völlig unzureichend, kritisierte Guterres.
    Die Welt spiele beim Klimaschutz weiter "mit dem Feuer" und verliere wertvolle Zeit, so der UNO-Generalsekretär. UNEP-Direktorin Andersen mahnte, jeder Bruchteil eines Grades über 1,5 Grad erhöhe das Risiko für tödliche Fluten, Hitzewellen und Waldbrände, wie sie in diesem Jahr viele Länder erlebt hätten. 
    Laut den Berechnungen der Vereinten Nationen würde sich die Erde selbst dann um rund 2,6 Grad erwärmen, wenn alle Staaten ihre aktuellen Klimazusagen vollständig umsetzen. Damit würde das Ziel des Pariser Klimaabkommens von 2015, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, deutlich verfehlt.

    Deutlich stärkere Emissionssenkungen nötig

    Nach Einschätzung von UNEP ist die 1,5-Grad-Grenze zwar noch nicht offiziell gerissen. Allerdings werde sie voraussichtlich überschritten, hieß es. Entscheidend sei nun, die Überschreitung so gering und so kurz wie möglich zu halten. Der Bericht macht zudem deutlich, wie groß die notwendigen Anstrengungen sind: Um die Erderwärmung langfristig wieder auf 1,5 Grad zu begrenzen, müssten die weltweiten Treibhausgas-Emissionen bis 2030 um 18 Prozent, bis 2035 um 45 Prozent und bis 2040 um 69 Prozent sinken - jeweils im Vergleich zum Niveau von 2025.

    Möglichkeit zur Begrenzung weiterhin da

    UNEP verweist zugleich auf Fortschritte beim Ausbau erneuerbarer Energien. Vor allem Solar- und Windkraft hätten sich seit dem Pariser Klimaabkommen deutlich schneller entwickelt als ursprünglich erwartet. Die Organisation sieht deshalb weiterhin die Möglichkeit, den Temperaturanstieg zu begrenzen, wenn die Staaten ihre Klimaschutzmaßnahmen deutlich verstärken.

    Ergebnisse wichtig auch für COP31

    Der ”Emissions Gap Report” berechnet die Lücke zwischen den global prognostizierten Treibhausgasemissionen und jenen Emissionsmengen, die nötig wären, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens einzuhalten. Die Ergebnisse des Berichts dürften auch bei der Weltklimakonferenz COP31 im türkischen Antalya eine wichtige Rolle spielen. Die Staaten wollen dort Anfang November über zusätzliche Maßnahmen zur Begrenzung der Erderwärmung beraten.

    WWF kritisiert Klimapolitik der Bundesregierung

    Der Umweltverband WWF mahnte vor diesem Hintergrund größere Anstrengungen auch in Deutschland an. WWF-Klimaexpertin Jacobsen kritisierte, die Bundesregierung übersetze den Ernst der Lage noch immer nicht in die notwendige Politik. Statt die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern konsequent zu verringern, drohten geplante Änderungen im Energiebereich den Ausbau erneuerbarer Energien zu bremsen. Jacobsen forderte, die Energiewende zu beschleunigen, die Stromnetze schneller auszubauen und die finanziellen Voraussetzungen für mehr Klimaschutz zu schaffen.
    Das Bundesumweltministerium bewertete den UNO-Bericht als "dramatisch". Ein Sprecher sagte in Berlin, dies sei ein klares Signal für die Weltklimakonferenz in Antalya, dass man mehr tun müsse. Er verwies auf das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung für die Zeit bis 2030. Darin habe man sich zur Abkehr von fossilen Energieträgern bekannt und einen Fahrplan dafür festgelegt. Der deutsche Expertenrat für Klimafragen hatte die in dem Programm enthaltenen Regelungen als unzureichend bezeichnet.
    Diese Nachricht wurde am 21.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.