
Wem es wirtschaftlich gut geht, der verbraucht viel CO2: Die wohlhabendsten zehn Prozent der Weltbevölkerung sind laut „World Inequality Report“ für knapp die Hälfte aller Treibhausgase verantwortlich.
Die ärmste Hälfte der Weltbevölkerung – also rund vier Milliarden Menschen – dagegen nur für zehn Prozent aller Emissionen.
Klimawandel: wenige Verursacher, viele Leidtragende
Auch die Generationengerechtigkeit ist in Schieflage: Laut Unicef sind fast die Hälfte der Kinder auf der Welt mindestens drei Klimagefahren ausgesetzt – meistens Dürre, Hitze über 35 Grad und Hitzewellen. Gleichzeitig gehören sie zu den Gruppen, die am wenigsten für den Klimawandel verantwortlich sind.
Auch die Folgelasten der Klimakrise sind ungleich verteilt: Ärmere Länder und Haushalte sind weltweit viel stärker vom Klimawandel betroffen als der reiche Teil der Weltbevölkerung – und sie erleiden auch höhere Schäden durch die Erderwärmung, sagt der Ökonom Johannes Emmerling.
Diese Tendenz wird sich laut Emmerling fortsetzen: Entwickle sich der Trend der vergangenen zehn Jahre bei der Klimakrise weiter, werde die Ungleichheit aufgrund des Klimawandels bis 2100 merklich ansteigen, prognostiziert er – weltweit, in einigen Ländern mehr, in anderen weniger.
Auch in reichen Ländern wie Deutschland sind die Folgen der Klimakrise ungleich verteilt. Ein Beispiel: die Arbeit. Wer im klimatisierten Büro sitzt, wird von Hitze weniger stark gesundheitlich beeinträchtigt oder gar geschädigt als beispielsweise Paketboten, Gärtner oder Bauarbeiter.
Gerechte Klimapolitik wird eher akzeptiert
Wer wird vom Klimawandel stark benachteiligt? Wer gehört zu den hauptsächlichen Verursachern? Diese Fragen müssten stärker in die Diskussion über die Folgen des Klimawandels einbezogen werden, fordert der Soziologe Till Hilmar. Weniger das individuelle Verhalten und der individuelle CO2-Fußabdruck seien das Problem – sondern eine generelle Ungleichheitsstruktur, so Hilmar.
Das ist auch wichtig für die Akzeptanz von Klimaschutzmaßnahmen. Der Aspekt der Gerechtigkeit entscheide, ob Menschen diese akzeptierten, betont der Klimaforscher Fritz Reusswig. In Studien zeige sich, dass auch Geringverdiener eine hohe C02-Bepreisung unterstützen – wenn sie den Eindruck hätten, die daraus gewonnen Mittel würden gerecht eingesetzt.
Klimapolitik erfolgreich vermitteln – das ist auch eine Kommunikationsfrage. Klimaziele oder Klimaschutzmaßnahmen müssten für unterschiedliche Gruppen auch unterschiedlich kommuniziert werden, meint Hilmar.
Doch bislang werde der Klimadiskurs eher von Akademikern geprägt – die Perspektive von Menschen mit geringeren Einkommen, von Facharbeitern bis hin zu Landwirten, fehle dagegen oft. Würden deren Sorgen nicht ernst genommen, gehe das Vertrauen in die Politik verloren.
Schließlich zeigt sich auch bei der Förderung klimafreundlicher Maßnahmen oder Investitionen Ungleichheit: Denn viele Fördermittel – beispielsweise für Wärmepumpen oder E-Autos – sind eher auf Immobilienbesitzer und Gutverdiener ausgerichtet. Geringverdiener kommen nur selten in den Genuss dieser Gelder.
CO2-Bepreisung und Klimageld
CO2-Bepreisung und der Emissionshandel gelten als relativ gerechte Instrumente der Klimapolitik. Das Prinzip: Wer viel Kohlendioxid erzeugt, zahlt auch viel. Für die größtmögliche Wirkung müsste eine CO2- Abgabe allerdings eigentlich global erhoben werden.
Doch selbst wenn es einen global einheitlichen CO2-Preis gäbe: Er würde die Menschen trotzdem unterschiedlich belasten, denn er verteuert alltägliche Produkte für ärmere Menschen relativ betrachtet stärker. Für Wohlhabende sind höhere Preise in der Regel kein Problem.
Für mehr Gerechtigkeit könnte zum Beispiel das Klimageld sorgen. Das Prinzip: Die Einnahmen aus dem CO2-Preis gehen in einen Topf, aus welchem alle Bürger gleichmäßig Klimageld erhalten.
Studien zeigen, dass eine solche Klimaprämie Ungleichheiten in der Gesellschaft verringern kann. Ein Betrag von bis zu 800 Euro pro Jahr sei für ärmere Haushalte weitaus relevanter als für reiche, sagt Johannes Emmerling.
Um dieses Modell zu finanzieren, gibt es den Befürwortern zufolge genug Geld: im Klimatransformationsfonds. Denn seit 2005 gibt es den europäischen Emissionshandel für CO2, das aus Kraftwerken, Industrieanlagen und Luftverkehr stammt. Und seit 2021 gibt es auch ein nationales System, das einen CO2-Preis auf Benzin, Diesel, Heizöl, Flüssiggas, Erdgas, Kohle setzt. Ein großer Teil davon wird für Investitionen in den Klimaschutz gebraucht, aber ein Teil davon könnte auch an die Bürger (zurück)gezahlt werden.
Onlinetext: Catherine Shelton / Quelle: Deutschlandfunk

























