Dienstag, 16. August 2022

Wasserknappheit und Dürre in Deutschland
Die Nationale Wasserstrategie der Bundesregierung

Dürre im Sommer wird es in Deutschland immer mehr geben – mit weitreichenden Folgen für die Wasserversorgung. Da sich Wetterextreme in Zukunft häufen werden, wird Wasserknappheit ein immer ernstes Thema. Die Regierung will mit einer Nationalen Wasserstrategie dagegenhalten. Ein Überblick.

08.07.2022

    Eine Wiese und ein Baum werden bewässert im Berliner Regierungsviertel
    Der Wassermangel macht auch Parks und Grünanlagen zu schaffen (IMAGO/Florian Gaertner/photothek.de)
    Ob am Horn von Afrika, im Norden Italiens oder im Taunus – Dürre und Trinkwasserknappheit ist ein globales Thema mit lokalen Auswirkungen. Auch wenn Deutschland im internationalen Vergleich bei der Wasserversorgung noch gut dasteht, schlagen auch hier Fachleute Alarm, dass immer mehr Regionen ernsthafte Probleme bekommen.

    Wie steht es um die Wasserversorgung in Deutschland?

    Zuletzt wurden die Grundwasserstände 2016 bundesweit gemessen. Eine neue Erhebung soll es noch 2022 geben. Zwar waren 2016 nur vier Prozent der 1.200 Grundwasserkörper in Deutschland ist einem schlechten Zustand. Aber die trockenen Sommer 2018 und 2020 dürften ihre Spuren hinterlassen haben. Aus vielen Regionen in Deutschland mehren sich die Meldungen fallender Grundwasserspiegel. „Und das müssen wir sehr ernst nehmen“, sagte Jörg Rechenberg, Leiter des Fachbereichs Wasser und Boden beim Umweltbundesamt, im Deutschlandfunk: „Zum Teil sieht man es ja auch an Seen, die vom Grundwasserspiegel abhängig sind, dass auch da die Pegel fallen.“
    Aber es gibt in Deutschland kein einheitliches Bild. Die Niederschlagsverteilung war schon früher sehr unterschiedlich. Das liegt an den geografischen Spezialitäten. Es gibt hohe und viele Niederschläge im Alpenraum und im Schwarzwald und auf der anderen Seite traditionell sehr geringe Niederschläge im Nordosten Deutschlands - also in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern. Gerade diese Bundesländer sind im Dürremonitor des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung tief rot eingefärbt. Der Trend, dass sowieso schon trockene Regionen stärker unter der Dürre leiden, wird sich durch den Klimawandel fortsetzen.
    Eine ausreichende Versorgung mit Wasser dürfte aber nach Ansicht von Experten auch in den kommenden Jahren möglich sein, trotz aller Warnsignale. Von einer allgemeinen Wasserknappheit kann man in Deutschland noch nicht sprechen, auch wegen der regionalen Unterschiede.
    UFZ-Dürremonitor/ Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung
    Dürremonitor Gesamtboden (ca. 1.8 m Tiefe) (UFZ-Dürremonitor/ Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung)
    Legende

    Wie kommt es zur Wasserknappheit?

    Abgesehen vom Klimawandel und den zunehmenden Wetterextremen – Probleme mit der Wasserversorgung entstehen grundsätzlich dadurch, dass Wasser nicht mehr in ausreichendem Maß zur Verfügung gestellt werden kann. Und zwar genau dort, wo es auch gebraucht wird. Die zunehmende Versiegelung der Böden erschwert es, Wasser zu sammeln. Vor allem in Städten läuft es vermehrt in die Kanalisation und kann nicht vom Boden und Grünflächen aufgenommen und gespeichert werden.
    Aus der Politik gibt es schon länger Empfehlungen an die Verbraucher, im Alltag sparsamer mit Wasser umzugehen, etwa durch kürzeres Duschen. So hatte zuletzt auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) für mehr Sparsamkeit im Privaten geworben.
    Die größten Wasserschlucker sind allerdings nicht die Privathaushalte, sondern die Energieversorger: Auf ihr Konto geht etwa die Hälfte des gesamten Wasserverbrauchs in Deutschland, vor allem für das Kühlen der Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke.
    Grafik zeigt, wofür Wasser verwendet wird
    Für die Körperpflage verbrauchen wir am meisten Wasser (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

    Wo sind die größten Probleme bei der Wasserversorgung?

    Auf der einen Seite ist es Deutschland als Technologienation gewöhnt, dass Trinkwasser immer und überall verfügbar ist. Auf der anderen Seite wird Deutschland immer stärker unter der stark anhaltenden Dürre leiden. Die langen Hitzeperioden verstärken dabei den Wasserverbrauch: Private Gärten werden gegossen, Menschen duschen häufiger, die Landwirtschaft bewässert Anbauflächen. Daher muss das Wasser, das vorhanden ist, effizienter genutzt werden.
    Aber auch die Verschmutzung von Grundwasser – der wichtigsten Quelle von Trinkwasser – stellt ein großes Problem da. Denn 30 Prozent der deutschen Grundwasservorkommen haben ein Verschmutzungsproblem. Vor allem Nitrat, welches zum Düngen in der Landwirtschaft eingesetzt wird, ist da ein Problem. Immer wieder wurden in Deutschaland die Nitratgrenzwerte im Grundwasser überschritten. Deswegen hatte der Europäische Gerichtshof die Bundesrepublik 2018 verurteilt und Änderungen des deutschen Düngerechts gefordert.
    Grafik zeigt, aus welchen wasserarten Trinkwasser gewonnen wird
    Woher unser Wasser kommt (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

    Was steckt hinter der Nationale Wasserstrategie der Bundesregierung?

    Die Bundesregierung will bis Jahresende eine Nationale Wasserstrategie verabschieden, um die Trinkwasserversorgung trotz der Auswirkungen des Klimawandels langfristig sicherzustellen. Ziele seien neben der Absicherung der Trinkwasserversorgung auch saubere Gewässer und eine Anpassung der Infrastruktur an die Klimakrise. Zu diesem Zweck will die Bundesregierung auch sogenannte Schwammstädte fördern. Die Schwammstadt ist ein Städtebaukonzept, bei dem Regen in der Stadt aufgefangen und möglichst gespeichert wird.
    „Vernetzte Grünflächen und Gewässer schaffen Entlastung bei städtischen Hitzewellen und puffern Starkregenereignisse ab“, sagte Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) auf einer Forschungskonferenz des Umweltbundesamtes. In den nächsten fünf Jahren werde der Bund deshalb insgesamt vier Milliarden Euro für entsprechende Maßnahmen zur Verfügung stellen. Anpassung und Vorsorge seien zentrale Teile der Nationalen Wasserstrategie. Wassermanagement müsse zu einem wichtigen Element der Stadtentwicklung werden damit Städte sich an den Klimawandel anpassten.

    Was kann darüber hinaus gegen Wassermangel getan werden?

    Der Ausstieg aus der Kohleverstromung und der Atomkraft wird dazu führen, dass in der Zukunft weniger Kühlwasser benötigt wird. Allein dadurch wird Wasser eingespart. Aber auch private Haushalte können über wassersparende Armaturen den Verbrauch senken.
    Ein anderes wichtiges Rezept gegen die Wasserknappheit, vor allem während der zunehmend dürren Sommermonate, ist der Ausbau von überregionalen Wassernetzen. Damit können Versorgungsengpässe in Regionen mit Wassermangel ausgeglichen werden.
    (Quellen: AFP, dpa, Georg Ehring)