Donnerstag, 29. September 2022

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Neues Album von Albert Luxus
Wenn sich ein Schaf am Trampolin reibt

Das Kölner Indie-Pop-Duo Albert Luxus kommt nach zwei englisch­sprachigen Alben und sieben Jahren Pause zurück: "Diebe" glänzt mit erstmals deutscher Songpoesie, detailverliebten Arrangements und sommerlicher Leichtigkeit.

Von Bernd Lechler | 01.12.2018

    Schlagzeuger Andreas Kiwitt & Gitarrist Matthias Sänger sind das Kölner Duo "Albert Luxus"
    Das Duo Albert Luxus: Andreas Kiwitt (l.) und Matthias Sänger (Ralph Baiker)
    Die Musik kommt heranspaziert als wär's Frühsiebziger-Krautrock, mit einer naiven Melodie auf der Farfisa-Orgel. Dann noch eine pychedelisierende Rückwärtsgitarre, man ist gespannt – und liegt mit seiner Retro-Ahnung schon mal ganz richtig. Oder soll man sagen: zeitlos? Denn Albert Luxus bedienen sich keineswegs nur aus einem Jahrzehnt.
    Das sauber abgezirkelte Schlagzeugspiel von Andreas Kiwitt darf dengeln wie Achtziger-Post-Punk oder zart grooven wie Siebziger-Westcoast-Pop, und Gitarrist Matthias Sänger zitiert mal Surf-Pop, mal Sechziger-Jahre-Fernsehkrimi, mal Alternative-Rock, mal Prince, und ist als Sänger mal Hamburger-Schule-Lakoniker, mal sensibler Indie-Chansonnier.
    Musik: "In den Arm bitte!"
    Wobei dieser Song zum Beispiel dann gleich kurz zornig werden darf …
    Musik
    ... um direkt wieder der Melancholie zu verfallen.
    "Ein Schaf reibt sich am Trampolin"
    Aber immer easy. Seufzende Chöre und lange Melodiebögen, klingelnde Rhythmusgitarren und ausgiebige Soloparts - gern auch zweistimmig -, überhaupt: präzise ineinander verzahnte Instrumentenparts mit einer Freude am Detail, die einen ganz vergessen lässt, dass das alles im Grunde nur Gitarre-Bass-Schlagzeug ist, von ein paar Tupfern Klavier oder Keyboard abgesehen. Dazu: ganz wunderbar seltsame Texte.
    "Im Schatten noch ein Eis", heißen die Lieder, oder: "Socken von gestern", oder: "Wenn du wehst". Sie handeln – möglicherweise – von Angst und Anbetung, Großstadtmüdigkeit und Sprüngen vom Dreimeterbrett und "Zähneknirschen in der Nacht".
    "Lass dich ramponieren", singen sie, im Whirlpool sei es "schöner als auf dünnem Eis". Und: "Ein Schaf reibt sich am Trampolin". Wirklich. Das Schöne ist, dass die Songs von Albert Luxus bei aller poetischen Tiefe nie gewichtig tun, sondern immer schön leicht bleiben. Und dass sie aber bei allem Schön-leichtBbleiben nie ironisch werden, oder sich zu clever sind für ein sehnsüchtiges Liebeslied.
    Leider liegt für dieses Bild keine Bildbeschreibung vor
    Albert Luxus 2018 (Ralph Baiker)
    Am Rad der Popgeschichte drehen?
    Was nochmal den Whirlpool betrifft: Das leicht lasziv luxuriöse "Jacuzzi" erinnert an die österreichischen Kollegen von Bilderbuch, und bei dem Vergleich fällt auf, dass Albert Luxus radikaler Stilwille und der Ehrgeiz, am Rad der Popgeschichte zu drehen, dann doch fehlen. Das kostet bisweilen Prägnanz und Vehemenz.
    Aus Albert Luxus wird kein Trend werden und keine Jugendbewegung. Aber dafür haben sie dieses Verträumt-ins-Licht-Blinzelnde, diese Freude am Schichten und Verschachteln und an rätselhaften Bildern, fernab von allem, was grade so geht und angesagt ist. Und übrigens auch fern von allen politischen Realitäten - wie sollte man sonst im Jahr 2018 eine so grundpositive Musik machen? Albert Luxus kommentieren die Welt, indem sie ihre eigene, sonnigere daneben stellen - Song für Song für Song.
    Andreas Kiwitt (l) und Matthias Albert Sänger vom Kölner Duo Albert Luxus
    Andreas Kiwitt (l) und Matthias Albert Sänger vom Kölner Duo Albert Luxus (Deutschlandradio / Kerstin Janse)