Newsblog zur Landtagswahl
Wer gewinnt in Mecklenburg-Vorpommern?

Am 20. September wird in Mecklenburg-Vorpommern ein neuer Landtag gewählt. Die AfD könnte laut Umfragen stärkste Kraft werden. Die SPD hat aufgeholt, Ministerpräsidentin Schwesig möchte weiterregieren. Aber schaffen es genügend mögliche Koalitionspartner in den Landtag? Für die CDU könnte die Wahl weitreichende Folgen haben.

    Manuela Schwesig und Leif-Erik Holm stehen bei einem TV-Duell deutlich voneinander getrennt an zwei Redepulten und reagieren auf die Fragen der Moderatorin. Parteifarbentypisch trägt sie ein rotes Kostüm und er einen blauen Anzug.
    TV-Duell für die Sender ntv und Ostseewelle vor der Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern mit Ministerpräsidentin Schwesig (SPD, links) und dem AfD-Spitzenkandidaten Leif-Erik Holm (rechts) im Schweriner Schloss (Jens Büttner / dpa / Jens Büttner)
    Rund 1,3 Millionen Menschen sind am Sonntag aufgerufen, über die Zusammensetzung des künftigen Landtags von Mecklenburg-Vorpommern zu bestimmen. Erstmals sind in diesem Jahr auch schon 16-Jährige wahlberechtigt.
    Ein Dossier zur Landtagswahl finden Sie hier.

    Schaffen es die Grünen und das BSW in den Landtag?

    Es geht um mindestens 71 Abgeordnetensitze. Durch Überhang- oder Ausgleichsmandate können es mehr werden. In den vergangenen fünf Jahren waren im Landtag 79 Abgeordnete aus fünf Parteien vertreten: SPD, AfD, CDU, Linke, Grüne und FDP. Bei Grünen und FDP könnte der Wiedereinzug in den Landtag laut Umfragen knapp werdem. Das BSW tritt in Mecklenburg-Vorpommern erstmals an.

    Rot-Rot wird voraussichtlich keine Regierungsmehrheit mehr bekommen

    In Mecklenburg-Vorpommern leben rund 1,57 Millionen Menschen. Derzeit werden sie von einer Koalition aus SPD und Links-Partei regiert. In den Umfragen sah es zuletzt so aus, als würde das rot-rote Bündnis unter Führung von Ministerpräsidentin Schwesig seine Mehrheit im Landtag verlieren.
    Die AfD in Mecklenburg-Vorpommern wird vom Landesverfassungsschutz beobachtet. Sie führt in den Umfragen. Es gilt aber als unwahrscheinlich, dass sie am Sonntag eine absolute Mehrheit bekommt und alleine regieren könnte. Die anderen zurzeit im Landtag vertretenen Parteien schließen eine Zusammenarbeit mit der AfD aus. Denkbar wäre, dass das BSW eine Minderheitsregierung der AfD toleriert. Umfragen sehen das BSW aber noch nicht über der Fünf-Prozent-Hürde - und damit noch nicht im Landtag.
    Die Regierungsbildung in Mecklenburg-Vorpommern könnte also schwierig werden.

    Was passiert nach der Wahl?

    Die Verfassung sieht vor, dass innerhalb von 30 Tagen im Landtag eine Wahl zum Minsterpräsidenten stattfinden muss. Die Wahl ist geheim. Es dürfen auch Personen kandidieren, die nicht Mitglied des Landtags sind - also zum Beispiel der AfD-Bundestagsabgeordnete Leif-Erik Holm.
    Gewählt ist, wer die Stimmen der Mehrheit der Mitglieder des Landtags erhält. Kommt diese Mehrheit nicht zustande, kann der Landtag innerhalb von 14 Tagen seine Auflösung beschließen. Dann gäbe es Neuwahlen.
    Wird die Auflösung abgelehnt, findet am selben Tag ein weiterer Wahlgang für das Amt des Regierungschefs statt. Dann gewinnt, wer die meisten Stimmen bekommt.

    CDU-Chef Merz hat für den Wahlabend nach Berlin eingeladen

    Für die CDU wird die Landtagswahl besonders spannend. Bis 1998 stellte die Partei in Mecklenburg-Vorpommern den Ministerpräsidenten. Nun sehen einige Meinungsforschungsinstitute die Partei dort nur noch im einstelligen Prozentbereich.
    Der CDU-Vorsitzende und Bundeskanzler Merz hat das Parteipräsidium für den Wahlabend zu einer formellen Sitzung nach Berlin eingeladen. Je nach Wahlausgang könnte es dort auch um seine politische Zukunft gehen. Nach der krachend verlorenen Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hatte er erklärt, Aufgeben sei für ihn keine Option. Die CDU-Ministerpräsidenten haben Merz den Rücken gestärkt und warnen vor Personaldiskussionen.

    Die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten

    Die amtierende Ministerpräsidentin und SPD-Spitzenkandidatin Manuela Schwesig tritt im Wahlkreis Schwerin I an. Ihr wichtigster Gegner im Kampf um das Direktmandat ist der "Ministerpräsidentenkandidat" der AfD, Leif-Erik Holm. Anders als Schwesig steht Holm nicht auf der Landesliste seiner Partei. Sollte er also das Direktmandat verpassen, zieht er auch nicht als Abgeordneter in den Landtag ein.
    Aber die AfD hat einen zweiten Spitzenkandidaten nominiert, der über die Landesliste abgesichert ist: der Co-Vorsitzende der AfD-Landtagsfraktion, Enrico Schult. Zusammen mit Holm führt er auch den Landesverband der AfD in Mecklenburg-Vorpommern.
    Simone Oldenburg, die Spitzenkandidatin der Linken, hat sich seit 2011 im Landtag als Bildungspolitikerin profiliert. Die ehemalige Schulleiterin aus Wismar ist derzeit stellvertretende Minsterpräsidentin.
    Daniel Peters von der CDU hat sich im Wahlkampf zuletzt von Bundeskanzler Merz distanziert. Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sagte er, es werde keine weiteren Auftritte mit dem Parteivorsitzenden mehr geben.
    Die Grünen hoffen, mit Claudia Müller an der Spitze den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde zu schaffen. Müller ist derzeit Abgeordnete im Bundestag, aber in Mecklenburg-Vorpommern zuhause. Sie wurde Anfang des Jahres nach innerparteilichen Zerwürfnissen auf den ersten Platz der Landesliste gewählt.
    Die FDP hat ein Spitzenduo: Jakob Schirmer und Jessica Mendle. Und auch das BSW hat den Wahlkampf mit einer Doppelspitze bestritten: Peter Schabbel und Sabine Firnhaber.