Freitag, 03. Dezember 2021

Newsblog zum Coronavirus+++ Die Entwicklungen vom 10. bis 12. August +++

In Japan befürchtet ein Beratergremium der Regierung, dass die Corona-Lage in Tokio außer Kontrolle gerät +++ Großbritannien lockert weitere Schutzmaßnahmen +++ Die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland liegt bei 27,6 +++ Mehr in unserem Newsblog.

10.08.2021

Die Olympische Flagge weht neben der japanischen und weiteren nationalen Flaggen im Wind.
In Tokio nimmt die steigende Zahl der Corona-Neuinfektionen aus Sicht von Experten bedrohliche Ausmaße an - und das weniger als zwei Wochen vor Beginn der Paralympics. (dpa/Marijan Murat)
Die aktuellen Entwicklunugen finden Sie hier in unserem Newsblog.
Donnerstag, 12. August
+++ Die Corona-Impfungen in Deutschland kommen weiter vor allem mit Zweitimpfungen voran. Am Mittwoch wurden laut dem vom Bundesgesundheitsministerium betreuten Impfdashboard 511.428 Dosen verabreicht. Davon führten 414.000 zu einer vollständigen Impfung.
Insgesamt sind nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums von heute nun knapp 46,7 Millionen Menschen oder 56,1 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Mindestens eine erste Impfung bekommen haben 52,2 Millionen Menschen oder 62,8 Prozent aller Einwohner.
Unter den 16 Bundesländern hat nur Sachsen die Marke von 50 Prozent vollständig geimpfter Einwohner noch nicht erreicht (49,3 Prozent). Spitzenreiter ist Bremen mit 65,5 Prozent.
Allerdings gibt es derzeit Zweifel an den offiziellen Zahlen zur Impfquote. Grund sind Differenzen zwischen den offiziellen Zahlen und Umfrageergebnissen.
Weitere aktuelle Zahlen zur Corona-Pandemie in Deutschland haben wir hier zusammengestellt.
+++ In Israel sind 23 Reisende wegen gefälschter Corona-Tests aus einem Flugzeug nach New York geholt worden. Das Gesundheitsministerium teilte auf Twitter mit, die Behörden seien einem Verdacht der Fluggesellschaft United Airlines nachgegangen, der sich bei einer Überprüfung am Flughafen Tel Aviv bestätigt habe. Die 23 Personen hätten eine Geldstrafe erhalten - laut der Nachrichtenseite "Globes" umgerechnet rund 1.320 Euro. Außerdem wurde ihre Daten den US-Behörden übergeben.
+++ Knapp zwei Wochen vor Eröffnung der Paralympischen Spiele in Tokio spitzt sich die Corona-Infektionslage in der japanischen Hauptstadt zu. Ein Expertenteam der Regierung verglich sie mit einer außer Kontrolle geratenen Katastrophe. Medienberichten zufolge warnen die Fachleute davor, dass die medizinische Versorgung von Patienten zu kollabieren drohe.
+++ In Großbritannien sollen sich Geimpfte künftig nach Kontakt mit einer infzierten Person nicht mehr selbstisolieren müssen. Die Regierung will die bisher gültige Verpflichtung in der kommenden Woche aufheben. Grund sind stagnierende Infektionszahlen. Menschen mit vollständigem Impfschutz sollen nur noch einen Corona-Test machen müssen, wenn sie als Kontaktperson identifiziert wurden. Bislang mussten sie eine zehntägige Quarantäne einhalten. Gesundheitsminister Javid bezeichnete die Lockerung als "riesigen Schritt" hin zu einer Rückkehr zur Normalität.
+++ Pakistan hat heute 102 Todesfälle durch das Coronavirus innerhalb von 24 Stunden gemeldet. Das war der höchste Tageswert seit April. Das Nationale Einsatzzentrum teilte mit, außerdem seien 4.934 Neuinfektionen registriert worden, die meisten in den Provinzen Sindh im Süden und Punjab im Osten. Pakistan hat rund 208 Millionen Einwohner. Die Dunkelziffer bei der Erfassung von Infektionszahlen und Todesfällen ist mutmaßlich hoch.
In der pakistanischen Millionenstadt Karatschi stehen Hafenarbeiter für eine Impfung gegen das Coronavirus an. Es handelt sich um eine mobile Impfstation der Provinzregierung Sindh.
In der pakistanischen Millionenstadt Karatschi stehen Hafenarbeiter für eine Impfung gegen das Coronavirus an. (AFP/ASIF HASSAN )
Malaysia vermeldete mit 21.668 nachgewiesenen Neuinfektionen ebenfalls einen neuen Tageshöchststand. Das gleiche gilt für Finnland mit 1.024 gemeldeten Fällen. In Russland sind nach Angaben der Behörden 808 Menschen im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben - so viele wie nie zuvor an einem Tag.
+++ Die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland ist weiter gestiegen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts liegt sie heute bei 27,6. Am Vortag betrug der Wert noch 25,1. Die Gesundheitsämter meldeten dem RKI innerhalb eines Tages 5.638 Neuinfektionen. Das sind rund 2.000 mehr als vor einer Woche. Zudem gab es 17 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion.
+++ Wegen der schleppenden Impf-Fortschritte in ärmeren Ländern fordern Oxfam und weitere Hilfsorganisationen eine stärkere finanzielle Verpflichtung von besonders reichen Menschen. Sie schlagen eine einmalige Vermögensabgabe von 99 Prozent auf Gewinne vor, die Milliardäre während der Pandemie gemacht haben. Dies würde mehr als viereinhalb Milliarden Euro einbringen, hieß es. Selbst nach einer solchen Abgabe wären die rund 2.700 Milliardäre in der Welt noch reicher als vor der Pandemie, erklärte Oxfam. Auch in Deutschland muss mehr getan werden, damit sehr Vermögende ihren fairen Beitrag zur Bewältigung der Krise leisteten.
+++ Die Regierung in Neuseeland plant, die Grenzen für Reisende ab Anfang des kommenden Jahres wieder zu öffnen. Ministerpräsidentin Ardern kündigte an, Geimpfte aus Ländern mit geringem Risiko könnten dann mit Impfnachweis ohne Quarantäne einreisen. Wer aus Ländern mit mittlerem und hohem Risiko komme, müsse bestimmte Quarantänemaßnahmen durchlaufen, die von Selbstisolierung bis zu 14-tägiger Hotelquarantäne reichten. Zudem plant die Regierung in Wellington, die Impfkampagne des Landes zu beschleunigen.
Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern (l.) und der Generaldirektor des Gesundheitsministeriums, Ashley Bloomfield (r.) während einer Pressekonferenz zur Corona-Pandemie am 8.06.2020 im Parlament in Wellington
Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern (l.) stellt Ausländern eine Lockerung der Reisebeschränkungen in Aussicht. (AFP/Marty MELVILLE)
+++ Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Buyx, mahnt einen zurückhaltenden Umgang des Staates mit der sogenannten 2G-Regel an. Damit können negativ auf das Coronavirus getestete, aber ungeimpfte Personen zum Beispiel von Veranstaltungen ausgeschlossen werden. Buyx sagte der "Rheinischen Post", aus ethischer Perspektive sei es wichtig, in der Pandemie so viel Teilhabe wie möglich am gesellschaftlichen Leben für alle zu gewährleisten. Private Anbieter seien frei, die 2G-Regel einzuführen, aber der Staat sollte damit sehr maßvoll und situationsangepasst umgehen.
+++ In der Unionsfraktion gibt es unterschiedliche Auffassungen über die von Bund und Ländern angestrebte Verlängerung der epidemischen Lage von nationaler Tragweite. Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, der CDU-Politiker Rüddel, sagte der Zeitung "Die Welt", bis Ende September seien alle Personen geimpft, die dies wollten. Aus seiner Sicht gebe es dann keinen Grund mehr, die epidemische Lage zu verlängern. Mitglieder des Fraktionsvorstands sind anderer Ansicht. Vize-Chef Frei argumentierte, dass durch eine Beibehaltung die Möglichkeit bestehen bleibe, mit angemessenen Mitteln auf das weitere Pandemiegeschehen reagieren zu können. Ähnlich äußerte sich der CSU-Politiker Stracke.
Pflicht, Aufklärung, Anreize: Wie man die Impfquote erhöhen kann
+++ Die Landesregierung in Baden-Württemberg hat eine Abkehr von der Sieben-Tage-Inzidenz als Bezugswert für Corona-Maßnahmen beschlossen. Wie das Gesundheitsministerium in Stuttgart mitteilte, dürfen ab kommender Woche alle Menschen unabhängig von der Inzidenz am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, solange sie geimpft, genesen oder getestet sind. Darüber hinaus soll es keine Personenobergrenze mehr bei kulturellen Veranstaltungen im Innenbereich sowie in Clubs und Diskotheken geben. Ungeimpfte müssen aber einen negativen PCR-Test vorweisen können.
Niedersachsen kündigte an, neben der Sieben-Tage-Inzidenz weitere Parameter zur Bewertung der Coronalage zu berücksichtigen. Über eine geeignete Formel werde aber noch beraten. Ähnlich will Nordrhein-Westfalen verfahren. Beim Bund-Länder-Treffen hatte es zu diesem Thema keine Einigung gegeben.
Mittwoch, 11. August
+++ Die US-Seuchenschutzbehörde CDC empfiehlt die Corona-Impfung auch für Schwangere. Eine neue Auswertung zeige kein erhöhtes Risiko von Fehlgeburten, teilt die Behörde mit. Das gelte auch für stillende Mütter und Frauen, die demnächst schwanger werden wollen. Neue Daten einer Studie mit knapp 2.500 Schwangeren hätten gezeigt, dass Impfungen mit den mRNA-Präparaten der Hersteller Moderna oder Pfizer/Biontech vor der Schwangerschaft oder in den ersten 20 Wochen nicht zu einem höheren Risiko einer Fehlgeburt führten, hieß es weiter. Die Impfungen seien "sicher und wirksam" und angesichts der besonders ansteckenden Delta-Variante des Coronavirus dringlich angeraten. Die Zahl schwangerer Covid-Patientinnen sei zuletzt angestiegen, darunter auch die Zahl schwerer Krankheitsverläufe.
+++ Italien will vor dem Beginn des neuen Schuljahres die Impfungen von Kindern und Jugendlichen beschleunigen. 12- bis 18-Jährige sollten vorrangig geimpft werden, schreibt der Corona-Sonderbeauftragte der Regierung, Paolo Figliuolo, an die Regionalregierungen. Sie sollten Priorität genießen, auch wenn sie keinen Impftermin hätten. Ministerpräsident Mario Draghi hatte vergangene Woche versprochen, dass das neue Schuljahr im September mit Präsenzunterricht beginnen werde. In Italien sind 40 Prozent der rund 4,6 Millionen Unter-19-Jährigen mindestens einmal geimpft, rund 23 Prozent vollständig.
+++ Die Landesregierung in Baden-Württemberg hat eine Abkehr von der Sieben-Tage-Inzidenz als Bezugswert für Corona-Maßnahmen beschlossen. Wie das Gesundheitsministerium in Stuttgart mitteilte, dürften ab kommender Woche alle Menschen unabhängig von der Inzidenz am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, solange sie geimpft, genesen oder getestet sind. Darüber hinaus soll es keine Personenobergrenze mehr bei kulturellen Veranstaltungen im Innenbereich sowie in Clubs und Diskotheken geben. Dafür müssten ungeimpfte Menschen allerdings einen negativen PCR-Test vorweisen können. Für die Innen-Gastronomie, Friseure und körpernahe Dienstleistungen soll ein Antigen-Schnelltest reichen.
+++ Wegen der Corona-Krise sind im letzten Jahr deutlich weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen worden als im Jahr zuvor. Rund 466.000 junge Leute haben eine Lehre in der dualen Berufsausbildung begonnen, das waren rund 48.000 weniger als 2019. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, entspricht dies einem Rückgang von 9,3 Prozent. Zuletzt habe es einen solchen Einbruch im Jahr 1977 gegeben. Besonders deutlich seien die Neuabschlüsse im Gast- und Verkehrsgewerbe zurückgegangen, also in sehr stark von den Corona-Maßnahmen betroffenen Branchen.
Zwei junge Köche arbeiten bei den Landesmeisterschaften des Gastro-Nachwuchs in Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern) an ihren Speisen.
Immer weniger junge Menschen machen eine Ausbildung in der Gastronomie. (Symbolbild) (picture alliance / dpa / Jens Büttner)
+++ Wie teuer die Corona-Tests für Ungeimpfte ab Mitte Oktober werden, ist nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums noch offen. PCR-Tests würden momentan mit 43 Euro vergütet, Schnelltests mit elf Euro, sagt ein Sprecher. Das könne ein Ansatzpunkt sein. Geimpfte müssen Tests, die sie womöglich machen wollen, dann auch selbst zahlen. Das sei "Sache des Einzelnen". Regierungssprecher Seibert sagte, in Unternehmen gebe es aber weiter für alle kostenlose Testmöglichkeiten. "Kostenlos bleibt die Impfung", ergänzte er.
+++ Der Bundesverband der Deutschen Industrie wirft Bund und Ländern vor, ihre Beschlüsse zur Corona-Strategie seien zu vage. "Angesichts der nahenden vierten Corona-Welle ist das Treffen einen konkreten, einheitlichen und praxistauglichen Maßnahmenfahrplan schuldig geblieben", erklärte BDI-Hauptgeschäftsführer Lang. "Echte Impulse zum Zünden des Impfturbos fehlen." Die Politik lasse zudem die Unternehmen mit Blick auf die Fortführung der Testangebotspflicht für Ungeimpfte im Dunkeln stehen. Bund und Länder stünden in der Pflicht, zügig Klarheit zu schaffen, ab wann die für die Öffentlichkeit beschlossenen Änderungen auch in den Unternehmen gelten würden.
+++ Der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Bayerns Ressortchef Holetschek, sieht nach den Beratungen von Bund und Ländern zur Corona-Strategie noch Änderungsbedarf bei den Indikatoren. Bei dem Thema Inzidenz und weitere Faktoren hätte er sich schon klarere Parameter gewünscht, sagte der CSU-Politiker im Deutschlandfunk. In dieser Frage sei der Bund auch nochmal gefordert, etwas vorzulegen. Auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Althusman von der CDU sprach sich in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" für eine Weiterentwicklung der Inzidenzwerte aus. Die Indikatoren waren gestern auch ein Thema des Treffens von Kanzlerin Merkel mit den Länder-Regierungschefs. In einem Beschluss hieß es dazu, die Zahl der Krankenhausaufnahmen wegen Covid-19 werde als wichtige Größe zur Beurteilung des Infektionsgeschehens betrachtet.
+++ Der russische Corona-Impfstoff Sputnik V verfügt nach Angaben von Gesundheitsminister Michail Muraschko über eine rund 83-prozentige Wirksamkeit gegen die Delta-Variante des Virus. Sie sei damit niedriger als bislang gedacht. Die Entwickler des Vakzins hatten im Juni erklärt, Sputnik V biete zu rund 90 Prozent Schutz gegen die Delta-Variante, die als besonders ansteckend gilt und von russischen Behörden für den Anstieg der Infektionszahlen in den vergangenen beiden Monaten verantwortlich gemacht wird.
Eine Person zeigt ein Fläschchen mit dem Impfstoff Sputnik V. 
Corona-Impfstoff Sputnik V (ZUMA Wire)
+++ Wegen massiv steigender Corona-Neuinfektionen müssen in Israel unter anderem auch Reiserückkehrer aus Deutschland ab Mittwoch sieben Tage in Quarantäne. Dies gelte auch für Geimpfte und Genesene, hatte die Regierung vergangene Woche mitgeteilt. Deutsche und andere ausländische Individualtouristen dürfen unterdessen weiterhin nicht nach Israel einreisen. Gleichzeitig stieg die Zahl der schwerkranken Corona-Patienten nach Angaben des Gesundheitsministeriums auf 400 - das erste Mal seit Ende März. Auf dem Höhepunkt der Pandemie in Israel im Januar hatte die Zahl der Schwerkranken bei etwa 1200 gelegen.
+++ Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist weiter angestiegen. Nach RKI-Angaben lag sie bei 25,1 - am Vortag hatte der Wert 23,5 betragen. Vor einer Woche betrug er noch 18,5. Insgesamt meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland binnen eines Tages fast 5.000 bestätigte Corona-Neuinfektionen - 4.996. Vor einer Wochen waren es noch fast 1.500 weniger.
+++ In Indien übersteigt die Zahl der nachgewiesenen Infektionen die Marke von 32 Millionen. Binnen 24 Stunden verzeichnet das Gesundheitsministerium 38.353 Neuinfektionen, insgesamt sind es damit 32,04 Millionen. Weltweit ist das der zweithöchste Wert nach den USA. Die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit dem Virus steigt in Indien um 497 auf 429.179. Mehr Todesfälle weisen nur die USA und Brasilien auf. In dem lateinamerikanischen Land starben rund 564.800 Menschen, mehr als 20,2 Millionen Menschen haben sich nachweislich angesteckt.
+++ Die Corona-Beschlüsse der Bund-Länder-Konferenz sorgen weiter für Diskussionen. Der bayerische Gesundheitsminister Holetschek verteidigte die Abschaffung der kostenlosen Corona-Tests. Er sagte im Deutschlandfunk, die Kosten dürften nicht weiter von der Solidargemeinschaft getragen werden, wenn genügend Impfstoff für alle zur Verfügung stehe. Der CSU-Politiker betonte, Impfen sei der Weg aus der Pandemie, nicht das Testen. Die Linken-Vorsitzende Wissler hält die Abschaffung kostenfreier Tests dagegen für falsch, weil dann weniger getestet und das Infektionsgeschehen schwerer nachvollziehbar werde. CDU-Chef Laschet betonte, es gehe darum, Menschen zum Impfen zu motivieren. Grünen-Fraktionschefin Göring-Eckardt kritisierte vor allem, die geplante Verlängerung der sogenannten "epidemischen Lage von nationaler Tragweite". Auch die FDP ist dagegen. Parteichef Lindner forderte zudem die Rücknahme aller Corona-Beschränkungen für vollständig Geimpfte und Genesene, weil diese keine Gefahr für Andere darstellten. Dem SPD-Politiker Lauterbach dagegen gehen die Beschlüsse nicht weit genug. Großereignisse in geschlossenen Räumen hätte man auf Genesene und Geimpfte begrenzen sollen, sagte Lauterbach. Der AfD-Vorsitzende Chrupalla lehnte die Corona-Politik der Regierung grundsätzlich ab. Diese führe zu einer schleichenden Gewöhnung an die Unfreiheit.
+++ Nach dem gestrigen Gipfel von Bund und Ländern hat der Deutsche Städte- und Gemeindebund das Ende der kostenlosen Coronatests begrüßt. "Es ist richtig, dass ab dem 11. Oktober die Bürgertests nur noch für die Personen kostenfrei sind, die nicht geimpft werden können. Wer ein Impfangebot nicht annimmt, muss akzeptieren, dass er für den Zugang zu bestimmten öffentlichen Veranstaltungen einen selbst finanzierten negativen Test vorweisen muss", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der "Rheinische Post".
Der Deutsche Hausärzteverband kritisierte die anhaltende Ausrichtung der Corona-Politik am Inzidenzwert. Es hätte "endlich eines bundeseinheitlichen, umfassenden Bewertungssystems des Pandemiegeschehens auf Basis unterschiedlicher Faktoren bedurft", sagte der Vorsitzende Ulrich Weigeldt der Funke Mediengruppe. Das Virus könne "Teil eines Alltags" werden, der Risiken mitbedenke, "ohne in der angstbehafteten Krisensituation zu verharren".
Passanten gehen in der Fußgängerzone in der Innenstadt an einem Plakat mit der Aufschrift „Corona-Schnelltest - kostenlos und ohne Anmeldung“ vorbei.
Ab Oktober soll es keine kostenlosen Coronatests mehr geben. (picture alliance / dpa / Peter Kneffel)
+++ Bei der Erfassung von Corona-Impfquoten in Deutschland könnte es nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts einige Ungenauigkeiten geben. Wahrscheinlich sei die Quote der erstmalig Geimpften zu niedrig eingeschätzt worden, heißt es in einem RKI-Report. Beim sogenannten "Digitalen Impfmonitoring" sind wohl vor allem jüngere Erwachsene und Menschen mittleren Alters nicht vollständig registriert worden. Dieses weist nach Angaben des RKI einen großen Unterschied im Vergleich zu einer jüngeren Erhebung in der Altergruppe 18- bis 59-Jährige auf: 79 Prozent der Befragten gaben an, bereits mindestens einmal geimpft zu sein. Das Digitale System hatte bisher eine Quote von 59 Prozent angegeben. Als Ergänzung oder Ersatz für den Inzidenzwert ist unter anderem auch im Gespräch, Corona-Maßnahmen an der Impfquote festzumachen. Dafür setzen sich allen voran Ärzteverbände ein.
+++ Facebook hat eine Kampagne zur Verbreitung von Falschinformationen über Corona-Impfungen gestoppt. Nach Angaben des US-Konzerns hat eine russische Werbeagentur versucht, bekannten Persönlichkeiten auf verschiedenen Online-Plattformen falsche Informationen zu vermitteln - vor allem bei Facebook selbst, aber auch bei dessen Tochterunternehmen Instagram. Die Kampagne war aufgefallen, nachdem Influencer in Deutschland und Frankreich darauf aufmerksam gemacht hatten. Die Falschinformationen sollten demnach vor allem in Indien, Lateinamerika und den USA verbreitet werden und Corona-Impfstoffe in Verruf bringen, über deren Zulassung zu dem Zeitpunkt debattiert wurde.
+++ Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Buyx, sieht in den jüngsten Bund-Länder-Beschlüssen zur Eindämmung der Corona-Pandemie keine versteckte Impfpflicht. "Eine Impfpflicht beinhaltet, dass man insgesamt sanktioniert wird, wenn man nicht geimpft ist - unabhängig davon was man macht", sagte Buyx im ZDF. Allerdings hätten die Menschen nach der sogenannten 3-G-Regel Alternativen, wenn sie zum Beispiel in ein Restaurant gehen möchten. Den Beschlüssen zufolge müssen sie von einer Corona-Infektion genesen, geimpft oder negativ auf das Virus getestet sein. Studien zufolge gebe es rund fünf Prozent Impfverweigerer in Deutschland, die sich nicht impfen lassen werden, auch wenn die Politik den Druck auf sie erhöht. Bei den anderen noch nicht Geimpften gebe es eine Reihe von anderen Gründen, diese müssten vor allem besser informiert und mit niedrigschwelligen Impfangeboten erreicht werden, sagte Buyx.
+++ Nur getestet, geimpft oder genesen ins Kino: Die sogenannte 3-G-Regelung macht den Filmtheatern zu schaffen. "Die Kinos in den Bundesländern, in denen die 3-G-Regelung gilt, verzeichnen aktuell ein Besucherminus von bis zu 50 Prozent", sagte Anke Römer vom Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF) dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Dem Ende der kostenfreien Corona-Schnelltests steht der HDF laut dem Bericht kritisch gegenüber. Sobald die Tests selbst bezahlt werden müssen, "befürchten wir weitere Einbrüche der Besucherzahlen". Laut Römer gab es bisher keine gravierenden Infektionsausbrüche in Zusammenhang mit einem Kinobesuch. Der Bund wird ab dem 11. Oktober nicht mehr die Kosten für Corona-Schnelltests für alle Bürger übernehmen.
Dienstag, 10. August
+++ Bundesgesundheitsminister Spahn hat erneut an die Bevölkerung appelliert, sich impfen zu lassen. Die Impfkampagne sei bisher zwar erfolgreich und drei von vier Erwachsenen hätten sich auch bereits für eine Immunisierung entschieden, sagte der CDU-Politiker im ARD-Fernsehen. Aber es reiche noch nicht, um sicher durch Herbst und Winter zu kommen. Zugleich kündigte er an, dass es für Geimpfte keine neuen Beschränkungen geben werde.
+++ Die Corona-Wirtschaftshilfen sollen bis zum Jahresende verlängert werden. Das teilte Bundeswirtschaftsminister Altmaier nach den Beratungen von Bund und Ländern in Berlin mit. Die Regierung stehe mit dieser Entscheidung weiter fest an der Seite der Unternehmen und Beschäftigten, erklärte der CDU-Politiker. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll auch der erleichterte Zugang für das Kurzarbeitergeld bis zum Jahresende Bestand haben.
+++ Die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) fordert, dass spätestens im Oktober die Pflicht der Betriebe endet, Präsenzbeschäftigten kostenlos Schnelltests anzubieten. "Wenn der Staat sich aus der Finanzierung der kostenfreien Corona-Tests zurückzieht, muss auch das verpflichtende Testangebot der Arbeitgeber enden", erklärte die BDA. Die entsprechende Regelung in der Corona-Arbeitsschutzverordnung müsse daher spätestens mit dem 11. Oktober auslaufen.
+++ Bayerns Ministerpräsident Söder warnt vor einer "Pandemie der Ungeimpften". Er appellierte nach Abschluss der Ministerpräsidentenkonferenz, das Impfangebot anzunehmen und betonte: "Wenn nicht ausreichend geimpft wird, besteht immer die Gefahr von Mutationen." Einen weiteren Lockdown werde es nicht geben. Dies sei verfassungsrechtlich nicht möglich, sagte Söder mit Blick auf Geimpfte und Genesene. Das Impfen sei das leichteste Mittel, die Freiheit zurückzugewinnen.
+++ Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte nach der Bund-Länder-Konferenz, bei den am stärksten gefährdeten Personen von 80 Jahren und älter gebe es eine Impfquote von rund 80 Prozent. Über 90 Prozent wären aber wünschenswert.
+++ Der Präsident der Bundesärztekammer, Reinhardt, fordert angesichts steigender Impfquoten eine Neuausrichtung der Corona-Politik. Notwendig ist eine Langfrist-Strategie, wie auf Dauer mit dem Virus koexistiert werden könne, erklärte Reinhardt. Statt simpler Lockdown-Politik mit dem Holzhammer im Sinne bloßer Kontaktreduzierung brauche es zielgenauere und wissenschaftlich basierte Anti-Corona-Maßnahmen.
+++ In einem Impfzentrum im niedersächsischen Landkreis Friesland ist möglicherweise tausenden Menschen statt des Corona-Impfstoffs eine Kochsalz-Lösung verabreicht worden. Der zuständige Landrat, Ambrosy, sagte bei einer Pressekonferenz in Jever, es gehe um insgesamt 8.557 Menschen, die bei ihrer Impfung im März und April womöglich ganz oder teilweise keinen Impfschutz erhalten hätten. Die Betroffenen seien umgehend informiert worden und würden nun gegebenenfalls nachgeimpft.
+++ In Portugal wird die Impfungen nun auch für die Altersgruppe von zwölf bis 15 Jahren empfohlen. Die Teenager benötigten kein ärztliches Rezept, sondern müssten nur in Begleitung ihrer Eltern oder ihres Vormunds erscheinen, teilt die Gesundheitsbehörde DGS mit.
+++ Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, kritisiert die von der Bundesregierung ab September geplanten Drittimpfungen von Risikopatienten. "Der Aktionismus der Politik verunsichert die Menschen", sagte Mertens der Zeitung "Die Welt". Bei den Auffrischimpfungen zum Beispiel sei der vermittelte Zeitdruck gar nicht gegeben. Da komme es nicht auf eine oder zwei Wochen früher oder später an. Zu den sogenannten Boostern liegt noch keine Empfehlung der Stiko vor.
+++ In einem Impfzentrum im niedersächsischen Landkreis Friesland ist möglicherweise tausenden Menschen statt des Corona-Impfstoffs eine Kochsalz-Lösung verabreicht worden. Der zuständige Landrat, Ambrosy, sagte bei einer Pressekonferenz in Jever, es gehe um insgesamt 8.557 Menschen, die bei ihrer Impfung im März und April womöglich ganz oder teilweise keinen Impfschutz erhalten hätten. Die Betroffenen seien umgehend informiert worden und würden nun gegebenenfalls nachgeimpft.
Ende April hatte eine examinierte Krankenschwester des Impfzentrums in Schortens eingeräumt, sechs Spritzen statt mit dem Biontech-Impfstoff mit einer Kochsalzlösung gefüllt zu haben. Zur Begründung hatte sie erklärt, ihr sei ein Fläschchen mit dem Vakzin heruntergefallen. Die Polizei geht nach Zeugenaussagen allerdings davon aus, dass weitaus mehr Menschen Kochsalzlösungen erhalten haben.
+++ Angesichts der vorerst geringeren Nachfrage nach Corona-Impfungen geben die Länder rund 2,7 Millionen Dosen aus ihren Verteilzentren an den Bund zurück. Darunter sind 2,58 Millionen nicht benötigte Dosen des Mittels von Astrazeneca, wie aus einer Übersicht des Bundesgesundheitsministeriums hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Hinzu kommen Dosen von Johnson & Johnson. Der Bund will die Impfstoffe nun rasch an andere Staaten mit akutem Bedarf spenden.
+++ Mehr als eine Million Kinder von 12 bis 17 Jahren sind inzwischen mindestens ein Mal gegen Corona geimpft. Das teilte Bundesundheitsminister Spahn auf Twitter mit. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts entspricht das 22,5 Prozent dieser Altersgruppe. Spahn betonte erneut, es gebe genug Impfstoff für alle Altersgruppen. Bund und Länder hatten angekündigt, zum Schulbeginn nach den Sommerferien mehr Impfgelegenheiten für Kinder anzubieten.
+++ Die kostenlosen Corona-Schnelltests sollen ab Oktober weitgehend abgeschafft werden. Das geht aus einer Beschlussvorlage für die heutige Bund-Länder-Konferenz hervor, über die mehrere Medien berichten. Angesichts des bestehenden Impfangebots für alle sei eine dauerhafte Übernahme der Kosten durch den Steuerzahler nicht angezeigt, heißt es. Mehr dazu finden Sie in diesem Artikel.
+++ Bangladesch hat damit begonnen, erste Flüchtlinge der muslimischen Rohingya-Minderheit aus dem benachbarten Myanmar gegen Corona impfen zu lassen. Bis Donnerstag sollen 48.600 über 55 Jahre alte Flüchtlinge Impfungen erhalten, sagte ein Mitarbeiter der für Flüchtlinge zuständigen Behörde der Deutschen Presse-Agentur. Später sollen mehr Flüchtlinge ihre Impfung erhalten, wenn mehr Dosen vorhanden seien. In überfüllten Camps in dem südasiatischen Land leben mehr als eine Million muslimische Rohingyas aus dem mehrheitlich buddhistischen Myanmar.
Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch warten auf eine Impfung gegen dasCoronavirus.
Rohingya-Flüchtlinge warten auf eine Impfung gegen das Coronavirus. (dpa-Bildfunk / AP / Shafiqur Rahman)
+++ Der SPD-Kanzlerkandidat Scholz hat die von Bund und Ländern geplanten Maßnahmen gegen das Coronavirus verteidigt. 52 Millionen Menschen seien inzwischen geimpft, und niemand davon sei "zu einem Alien geworden", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Viele, die bislang skeptisch gewesen seien, würden sich nun hoffentlich impfen lassen. Dann müssten sie auch nicht länger getestet werden.
+++ Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Infektionen ist abermals gestiegen. Sie liegt nach Angaben des Robert Koch-Instituts jetzt bei 23,5. Am Vortag betrug der Wert 23,1, eine Woche zuvor 17,9. Die Gesundheitsämter meldeten knapp 2.500 neue Ansteckungen. Das waren rund 700 mehr als vor einer Woche. 19 weitere Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus. Insgesamt wurden bisher 91.803 Corona-Tote registriert.
+++ Im US-Bundesstaat Texas sind die Krankenhäuser aufgerufen worden, wegen der Corona-Welle alle nicht notwendigen medizinischen Eingriffe zu verschieben. So solle sichergestellt werden, dass alle Covid-Patienten adäquat versorgt werden könnten, teilte Gouverneur Abbott mit. Der Republikaner hatte Corona-Auflagen wie etwa eine Maskenpflicht per Verfügung für illegal erklärt. In Texas sind rund 44 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, landesweit liegt die Impfquote bei 50 Prozent.
+++ Sollten auch Kinder und Jugendliche gegen Corona geimpft werden? Kritiker wenden ein, eine Ansteckung mit dem Virus habe für junge Menschen kaum ernsthafte gesundheitliche Folgen. Stimmt das? Wir geben Antworten.
Weiterlesen: Hier geht es zu unserem Archiv.