Newsblog zum CoronavirusSieben-Tage-Inzidenz steigt weiter

+++ Das Robert Koch-Institut gibt die neue Sieben-Tage-Inzidenz mit 446,7 an. +++ Forschungsministerin Karliczek fordert die sofortige Umsetzung der Leopoldina-Empfehlungen zur deutlichen Kontaktreduktion. +++ Weltweit wächst die Sorge vor der Omikron-Variante, etliche Länder reagieren mit Einreisebeschränkungen. +++ Mehr im Newsblog.

27.11.2021

Passanten laufen an einem Corona-Testzentrum vorbei.
Rund 44.400 neue positive Tests meldeten die Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut heute. (dpa/Julian Stratenschulte)

Sonntag. 28. November

+++ Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist weiter gestiegen.

Das Robert-Koch-Institut gibt sie heute früh mit 446,7 an, das ist wieder ein Höchststand. Gestern lag sie bei 444,3; vor einer Woche bei 372,7. Das RKI verzeichnete binnen 24 Stunden bundesweit rund 44.400 Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Die Zahl der registrierten Todesopfer stieg um 104 auf insgesamt 100.883.
Details zu den aktuellen Corona-Zahlen in Deutschland finden Sie hier.

+++ Die geschäftsführende Bundesforschungsministerin Karliczek fordert, die Empfehlungen der wissenschaftlichen Akademie Leopoldina für weitere Corona-Schutzmaßnahmen sofort umzusetzen.

Die Politik sollte dem Rat ohne Zögern folgen, sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. Die neue Stellungnahme der Leopoldina sei ein Appell der Wissenschaft zum Handeln in nie da gewesener Deutlichkeit. Die Nationale Akademie der Wissenschaften hatte gestern vorgeschlagen, rasch mehrwöchige Kontaktsperren auch für Geimpfte zu verhängen, um die vierte Corona-Welle zu brechen.

+++ In Südafrika sind die mit der neuen Coronavirus-Variante Omikron infizierten Menschen derzeit nicht schwer erkrankt.

Die Vorsitzende des südafrikanischen Ärzteverbands, Coetzee, sagte mehreren Medien, die bislang festgestellten Fälle seien nicht schwerwiegend. Die meist jüngeren Patienten klagten in der Regel lediglich über Gliederschmerzen und erhebliche Müdigkeit. Man müsse sich aber Sorgen machen, dass die neue Variante ältere Menschen viel härter treffen könne, die an Diabetes oder Herzkrankheiten litten.

+++ Aus Sorge vor einer weiteren Ausbreitung der neuen Omikron-Variante des Coronavirus ist seit Mitternacht die Einreise aus acht Ländern des südlichen Afrika nach Deutschland stark eingeschränkt.

Die Bundesregierung stufte Südafrika, Namibia, Simbabwe, Botsuana, Mosambik, Eswatini, Malawi und Lesotho als Virusvariantengebiete ein. Fluggesellschaften dürfen somit im Wesentlichen nur noch deutsche Staatsbürger oder in Deutschland lebende Personen aus diesen Ländern einfliegen. Für die Einreisenden gilt eine zweiwöchige Quarantänepflicht - auch für Geimpfte und Genesene. Sie kann nicht durch negative Tests verkürzt werden.
In Südafrika ist eine neue Variante des Coronavirus SARS-CoV-2 entdeckt worden. Einige Politiker und Forscher befürchten, B.1.1.529 (Omikron) könnte noch ansteckender sein als die hochinfektiöse Delta-Variante. Ein Überblick über erste Erkenntnisse und Gegenmaßnahmen.

+++ Die USA haben das Handeln Südafrikas im Zusammenhang mit der Omikron-Variante des Coronavirus gelobt.

US-Außenminister Blinken gratulierte in einem Telefonat mit seinem Kollegen Pandor den südafrikanischen Wissenschaftlern zur schnellen Identifizierung der Mutation. Zudem habe die Regierung in Pretoria eine Transparenz bei der Weitergabe dieser Informationen gezeigt, die als Vorbild für die Welt dienen sollte, sagte Blinken nach Angaben seines Ministeriums in Washington. Die Äußerungen sind auch als Seitenhieb auf China zu verstehen. Die USA werfen Peking vor, zu lange mit der Weitergabe entscheidender Informationen über den ursprünglichen Covid-Ausbruch gewartet zu haben.

+++ Wegen der neuen Coronavirus-Variante Omikron schließt Israel seine Grenzen für alle ausländischen Reisenden.

Die Regelung tritt um Mitternacht in Kraft. Premierminister Bennett teilte in Jerusalem mit, die Regelung werde für zunächst 14 Tage gelten. Um die Ausbreitung der Virusvariante zu verfolgen, soll zudem erneut eine Spionage-Software auf allen Mobiltelefonen eingesetzt werden. Die Überwachungstechnik wird in Israel sonst zur Terrorismusbekämpfung verwendet.

Redaktionell empfohlener externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Deutschlandradio hat darauf keinen Einfluss. Näheres dazu lesen Sie in unserer Datenschutzerklärung. Sie können die Anzeige jederzeit wieder deaktivieren.

+++ In der Impfpflicht-Debatte will der geschäftsführende Bundesarbeitsminister Heil die Impfpflicht für Kiniken und Heime noch vor Weihnachten umsetzen.

Der SPD-Politiker Heil befürwortete in der "Bild am Sonntag"a uch eine allgemeine Impfpflicht. Zudem gebe es eine "moralische Impfpflicht" für Profi-Sportler. "Das Wichtigste ist, dass sich mehr Menschen impfen lassen. Das gilt auch für diejenigen, die viel verdienen und im Rampenlicht stehen, zum Beispiel Profi-Fußballer", sagte Heil.

+++ Weltärztebund-Chef Frank Ulrich Montgomery schlägt eine Befristung des Impfstatus vor, um den Impfschutz der Bevölkerung zu verbessern.

"Jede Impfung muss ein Verfallsdatum bekommen", sagte der Mediziner den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Wessen Impfung länger zurück liege, falle dann automatisch wieder zurück in den Status des Ungeimpften. Dazu müsse jetzt geklärt werden, wie lange der Impfschutz jeweils halte und wann dieses Verfallsdatum angesetzt werden müsse, sagte Montgomery. In Frankreich sollen Booster-Impfungen in Zukunft verpflichtend sein, um den Status "geimpft" zu behalten.

Samstag, 27. November

+++ Bei Protesten gegen Corona-Maßnahmen und die geplante Impfpflicht sind in Österreich rund 40.000 Menschen auf die Straße gegangen.

Die größte Kundgebung fand in Graz statt. Die Polizei berichtete von bis zu 30.000 Teilnehmern, die durch die zweitgrößte Stadt des Landes zogen. Auch in St. Pölten, Klagenfurt und Innsbruck kam es zu größtenteils friedlichen Protesten. Die Regierung in Wien will im Februar eine allgemeine Impfpflicht einführen. Ein Gesetzesentwurf soll in der zweiten Dezemberwoche vorgelegt werden. Seit vergangenem Montag gilt im ganzen Land ein Lockdown.

+++ In Tschechien ist erstmals die neu entdeckte Corona-Variante Omikron nachgewiesen worden.

Nach einer sogenannten Genomsequenzierung stehe dies "mit rund 90-prozentiger Sicherheit" fest, sagte ein Sprecher des Krankenhauses in Liberec im öffentlich-rechtlichen Fernsehsender CT. Eine weitere Probe sei zur näheren Analyse an das nationale Referenzlabor in Prag geschickt worden.

+++ Großbritannien hat zusätzliche Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung der neuen Omikron-Variante im Land einzudämmen.

Premierminister Johnson sagte in London, jeder, der nach Großbritannien einreise, sei binnen zwei Tagen zu einem PCR-Test verpflichtet. Bis zum Ergebnis müssten sich die Reisenden in Selbstisolation begeben. Bestehe ein Verdacht auf die Omikron-Variante, seien zehn Tage Quarantäne vorgeschrieben, erklärte Johnson. In Großbritannien wurden zwei Fälle der neuen Variante registriert

+++ Unter den 61 Flugreisenden aus Südafrika, die auf dem niederländischen Flughafen Schiphol positiv auf das Coronavirus getestet worden sind, sind nach Angaben der niederländischen Behörden "wahrscheinlich" auch Menschen mit der neuen Virusvariante Omikron.

"Die Omikron-Variante ist wahrscheinlich bei einigen getesteten Menschen gefunden worden", teilte das Nationale Institut für öffentliche Gesundheit (RIVM) mit. Es würden weitere Analysen vorgenommen, um endgültig zu bestimmen, ob die neue Virusvariante dabei sei.

+++ Der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Bayerns Ressortchef Holetschek, hat sich angesichts neuer Forderungen der Wissenschaftsakademie Leopoldina für ein schnelles Bund-Länder-Treffen ausgesprochen.

Die Äußerungen des wissenschaftlichen Beratergremiums könnten nicht ignoriert werden, sagte der CSU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in München. "Ich bin immer dafür, auf die Wissenschaft zu hören". Das sei ein Weckruf par excellence der Leopoldina. Der Bund müsse dieses Signal nun unverzüglich aufnehmen.

+++ Der geschäftsführende Bundesarbeitsminister Heil (SPD) erwartet in der vierten Corona-Welle wieder eine steigende Zahl von Kurzarbeitern und zusätzliche Kosten für den Staatshaushalt.

"Aufgrund von Lieferkettenstörungen in der Industrie und Umsatzeinbrüchen aufgrund regionaler Lockdowns rechnen wir mit einer leichten Zunahme der Kurzarbeit in diesem Winter und Zusatzkosten von 400 Millionen Euro", sagte Heil der "Bild am Sonntag". Das sei eine Menge Geld - aber eine sinnvolle Investition, um Massenarbeitslosigkeit zu verhindern. Am vergangenen Mittwoch hatte das Kabinett die Kurzarbeiter-Regelung noch einmal bis Ende März verlängert.

+++ Auch im Fall einer weiteren Verbreitung der Virusvariante Omikron hält Bundesgesundheitsminister Spahn die Versorgung mit Corona-Impfstoff für gesichert.

Die Europäische Union habe für die kommenden beiden Jahre insgesamt zwei Milliarden Dosen bestellt, sagte der CDU-Politiker in Berlin. Diese Bestellmenge sei auch dann gesichert, wenn der Impfstoff verändert werden müsse.

+++ Aus dem gestern Abend in München angekommenen Flug mit Passagieren aus Kapstadt sind zwei positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Das gab eine Sprecherin des bayerischen Gesundheitsministeriums auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur bekannt. Beide seien isoliert. Um welche Variante des Virus es sich dabei handelt, war zunächst unklar. Es laufe die Genomsequenzierung um herauszufinden, ob es sich bei den Proben tatsächlich um die neue besorgniserregende Variante Omikron handelt.

+++ Nach Belgien hat auch Großbritannien die ersten Corona-Infektionen mit der neuen Variante Omikron gemeldet.

Gesundheitsminister Sajid Javid erklärte, es seien zwei Fälle entdeckt worden. Beide stünden mit Reisen ins südliche Afrika in Verbindung. Die Regierung habe "rasch" gehandelt, die Betroffenen seien in Isolation, die Kontaktnachverfolgung dauere an.

+++ Die Zahl der Ärzte, die sich an der Corona-Impfkampagne beteiligen, ist nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden des Spitzenverbands Fachärzte Deutschlands, Heinrich, deutlich gestiegen.

Mittlerweile würden etwa 100.000 Ärzte impfen, das seien mehr als auf dem Höhepunkt der Impfkampagne im Frühjahr und Sommer, sagte Heinrich. Er betonte, die Impfkampagne werde in den kommenden ein bis zwei Wochen an Fahrt gewinnen.

+++ Angesichts des Corona-Infektionsgeschehens fordert die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina sofortige umfassende Kontaktbeschränkungen.

Kontakte müssten aus medizinischer und epidemiologischer Sicht für wenige Wochen deutlich reduziert werden, heißt es in einer Stellungnahme. Wegen der nachlassenden Immunität sollten die Maßnahmen vorübergehend auch für Geimpfte und Genesene gelten. Die Autoren forderten zudem die stufenweise Einführung einer Impfpflicht. Darüber hinaus sollten Schülerinnen und Schüler früher als vorgesehen in die Weihnachtsferien geschickt werden.
"Nur so können die Bürgerinnen und Bürger unserer Gesellschaft vor weiteren desaströsen Folgen bewahrt werden", betont die Akademie Leopoldina. Die Unterzeichner, darunter der Leiter der Virologie an der Charité Berlin, Drosten, rufen dazu auf, bis Weihnachten neben Erst- und Zweit-Immunisierungen rund 30 Millionen Drittimpfungen zu ermöglichen.

+++ Bayern hat die Verlegung von Corona-Intensivpatienten in andere Bundesländer fortgesetzt.

Laut Innenministerium in München sollen bis zum Abend zwei Patienten von München aus nach Hamburg und jeweils zwei nach Köln, Düsseldorf und Dortmund gebracht werden. Dafür werden Ambulanzflugzeuge privater Anbieter genutzt. Gestern hatte ein Airbus der Bundeswehr sechs Intensivpatienten aus Bayern ausgeflogen. Ziel ist es, bis morgen Abend 30 Menschen aus überlasteten Kliniken in andere Bundesländer zu bringen.
Ein Corona-Intensivpatienten aus Bayern wird am Hamburger Flughafen aus einer Maschine des ADAC gebracht.
Ein Corona-Intensivpatienten aus Bayern wird am Hamburger Flughafen aus einer Maschine des ADAC gebracht. (Steven Hutchings/TNN/dpa)

+++ Die neue Omicron-Variante des Coronavirus ist nach Angaben des hessischen Sozialministers Klose "mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit" in Deutschland angekommen.

Das teilte der Grünen-Politiker auf Twitter mit. Bei einem Reiserückkehrer aus Südafrika seien mehrere für Omicron typische Mutationen gefunden worden. "Es besteht also ein hochgradiger Verdacht, die Person wurde häuslich isoliert. Die vollständige Sequenzierung steht zum aktuellen Zeitpunkt noch aus", twitterte der in Hessen auch für Gesundheit zuständige Minister. Es wäre der erste Fall in Deutschland. Die zuerst im südlichen Afrika nachgewiesene Omicron-Variante (B.1.1.529) wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als "besorgniserregend" eingestuft.

Redaktionell empfohlener externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Deutschlandradio hat darauf keinen Einfluss. Näheres dazu lesen Sie in unserer Datenschutzerklärung. Sie können die Anzeige jederzeit wieder deaktivieren.

+++ Der Leiter der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei, Liminski, schließt strengere Corona-Regeln für Ungeimpfte nicht aus.

Man könne nicht auf Dauer hinnehmen, dass die gesamte Gesellschaft massive Einschränkungen hinnehmen müsse, weil einige Leute sich nicht impfen lassen wollten, sagte er dem Bonner "General-Anzeiger". Wenn sich jemand bewusst gegen den Schutz einer Impfung entscheide, dann müsse er damit leben, dass an diese freie Entscheidung auch Folgen geknüpft seien. Liminski betonte, Realität sei, dass die vierte Welle alleine mit Auffrischungsimpfungen und mehr Tests nicht aufgehalten werden könne.
Der Chef der Staatskanzlei in Düsseldorf, Staatssekretär Nathanael Liminski.
Karnevals-Gipfel in der Staatskanzlei (picture alliance /dpa /Roland Weihrauch)

+++ Mehr als zehn Prozent der Bevölkerung haben inzwischen eine Auffrischungsimpfung erhalten.

Das hat der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Spahn mitgeteilt. Außerdem hätten sich rund 450.000 Menschen in dieser Woche zur ersten Impfung entschlossen - Tendenz erfreulich steigend, kommentierte der CDU-Politiker auf Twitter.

+++ Die Polizei verzeichnet einen deutlichen Anstieg beim Handel mit gefälschten Impfnachweisen.

Allein in elf Landeskriminalämtern seien einem Bericht der "Welt am Sonntag" zufolge seit Jahresbeginn zusammen mehr als 2.500 Fälle bekanntgeworden, die meisten in den vergangenen Wochen. Hinzu kommen laut Bericht mehrere hundert Fälle aus Baden-Württemberg und Niedersachsen, die von Ermittlungsverfahren im dreistelligen Bereich sprechen, und dem Saarland, das von zweistelligen Fallzahlen berichtete. Besonders viele Fälle habe Bayern gemeldet. Dort seien seit Jahresbeginn 1286 Vorkommnisse bekannt geworden.

+++ Von den in den Niederlanden angekommenen Passagieren aus Südafrika sind 61 mit dem Coronavirus infiziert.

Das bestätigte das niederländische Gesundheitsministerium. Derzeit werde geprüft, ob es sich um die neue Coronavirus-Variante Omicron handele. Rund 600 Fluggäste waren mit zwei KLM-Flügen auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol angekommen. Die niederländische Regierung hatte bereits gestern früh alle Flugreisen aus dem südlichen Afrika verboten. Passagiere, die bereits auf dem Weg waren, wurden bei ihrer Ankunft getestet und mussten sich anschließend in Quarantäne begeben.

+++ Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen steigt weiter.

Das Robert Koch-Institut meldete am Morgen einen Wert von 444,3. Vor einer Woche betrug er noch 362,2. Anfang November hatte die Sieben-Tage-Inzidenz erstmals die Schwelle von 200 und damit die bisherige Höchstmarke seit Pandemie-Beginn vom Dezember 2020 überschritten. Seitdem wurden täglich neue Höchstwerte registriert. Die Gesundheitsämter meldeten in den vergangenen 24 Stunden mehr als 67.000 bestätigte Neuinfektionen. 303 weitere Menschen starben nachweislich im Zusammenhang mit einer Covid-Erkrankung. Insgesamt sind damit seit Beginn der Pandemie 100.779 Personen gestorben, die sich zuvor mit dem Virus infiziert hatten.
Alle aktuellen Zahlen zum Coronavirus in Deutschland finden Sie hier.

+++ Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Montgomery, warnt vor der Entstehung gefährlicher Varianten des Coronavirus.

"Meine große Sorge ist, dass es zu einer Variante kommen könnte, die so infektiös ist wie Delta und so gefährlich wie Ebola", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die neue südafrikanische Variante B.1.1.529 sei ein gutes Beispiel dafür, dass man dem Virus keine Chance zur Mutation geben dürfe. Um weitere Varianten zu verhindern, werde es nötig sein, die Welt noch jahrelang zu impfen, sagte Montgomery. Eine Ebola-Infektion führt meist zu hohem Fieber und inneren Blutungen und endet sehr oft tödlich.

+++ Die Gesundheitsbehörde der EU, ECDC, geht davon aus, dass die neue Variante des Coronavirus ein "hohes bis sehr hohes Risiko" für Europa darstellt.

Es gebe erhebliche Unsicherheiten bezüglich der Ansteckungsgefahr, die von der sogenannten Omicron-Variante ausgehe. Ebenso sei noch nicht geklärt, ob der Schutz vor einer Infektion mit dieser Virusmutation durch die bisher im Umlauf befindlichen Impfstoffe ausreichend sei. Auch sei die Wahrscheinlichkeit, dass das Virus durch Einreisen in die EU gebracht werde, hoch bis sehr hoch. Die Weltgesundheitsorganisation hatte die neue Virusvariante zuvor ebenfalls als "besorgniserregend" eingestuft.
Die Münchner Virologin Ulrike Protzer erklärte im Deutschlandfunk, es möglich möglich, dass Antikörper durch eine Impfung das Virus nicht mehr so effizient neutralisieren könnten wie zuvor. Frisch nach einer Impfung gebe es aber viele Antikörper - das reiche dann aus, um auch Varianteviren "wegzuneutralisieren". Sie riet zugleich dazu, Booster-Impfungen mit den jetzt verfügbaren Impfstoffen vorzunehmen. Ob man später eine weitere Impfung brauche oder einen angepassten Impfstoff, könne man jetzt noch nicht sagen.
Was wissen wir bislang über die neue Variante B.1.1.529 (Omicron)?

+++ Der Deutsche Städte- und Gemeindebund stuft die aktuelle Corona-Lage als äußerst dramatisch ein und fordert schnell effektive Gegenmaßnahmen.

Volle Fußballstadien und Großveranstaltungen seien in dieser kritischen Phase der Pandemie ein vollkommen falsches Signal, sagte Hauptgeschäftsführer Landsberg der Deutschen Presse-Agentur. Die bisher von Bund und Ländern beschlossenen Maßnahmen reichten zur wirksamen Bekämpfung der Pandemie erkennbar nicht aus, so Landsberg. Er zeigte sich überzeugt davon, dass es in einzelnen Regionen ohne Lockdown nicht gehen werde.
Volle Fußballstadien als Pandemietreiber?
Das volle Kölner Stadion beim rheinischen Derby im Jahr 2015. (Roland Weihrauch / dpa)
Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft forderte die Politik auf, das unbedingt zu verhindern. Bundesgeschäftsführer Jerger sagte, dies würde einem wirtschaftlichen Super-Gau gleichkommen. In Betrieben müsse die 3G-Regel streng kontrolliert oder 2G eingeführt werden. Impfunwillige Beschäftigte müssten die Folgen ihres Handelns - außer bei medizinisch notwendigen Ausnahmen - auch beim Gehalt spüren.

+++ Der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU im Bundestag, Brinkhaus, hat weitere schnelle Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus gefordert.

"Sollte sich die Lage noch verschlimmern, muss meines Erachtens auch darüber nachgedacht werden, die Weihnachtsferien überall ein bis zwei Wochen früher beginnen zu lassen, um die Kontakte zum Beispiel in den Schulen zu reduzieren", sagte Brinkhaus der "Welt am Sonntag". Der künftigen Regierungsparteien SPD, Grünen und FDP warf er vor, zu langsam zu handeln. Wenn der wahrscheinliche künftige Kanzler Scholz einen ständigen Corona-Krisenrat wolle, müsse er ihn sofort einberufen.

+++ Der Kandidat für den CDU-Vorsitz Merz hat angesichts der dramatischen Corona-Lage eine allgemeine Impfpflicht nicht ausgeschlossen.

"Wenn die heutigen Maßnahmen auch nicht ausreichen, dann kann ich meine Zustimmung zu einer allgemeinen Impfpflicht nicht ausschließen", sagte er der Rheinischen Post. Dass sich jemand nicht impfen lassen möchte, sei grundsätzlich Teil unserer freiheitlichen Ordnung. "Aber in der gegenwärtigen Lage wird diese Haltung immer mehr zu einer Belastung der Freiheit derer, die sich impfen lassen", so Merz.

Freitag, 26. November

+++ Niederlande verhängen nächtlichen Lockdown

Angesichts der schnell steigenden Corona-Infektionszahlen müssen Geschäfte, Kulturstätten, Restaurants und Sportclubs bereits um 17 Uhr schließen. Die verschärften Maßnahmen gelten ab Sonntag für zunächst drei Wochen.

+++ Viele Staaten schränken Reiseverkehr mit Südafrika ein

Israel, Großbritannien, Italien, Russland, die Türkei, die USA, Kanada sowie Deutschland haben wegen der neuen Corona-Variante Einreiseverbote für Menschen aus Südafrika angekündigt. Von den Einschränkungen betroffen sind teilweise auch Personen aus anderen Staaten des südlichen Afrika wie Botswana, Eswatini, Lesotho, Mosambik, Namibia, Simbabwe und Malawi.

+++ WHO stuft Virusvariante als "besorgniserregend" ein

Die WHO erklärte nach Beratungen mit Experten, der Erreger mit der wissenschaftlichen Bezeichnung B.1.1.529 weise eine große Zahl von Mutationen auf, die genauer untersucht werden müssten. Die neue Variante erhält den Namen Omicron.

+++ CDU-Bundesparteitag findet nur digital statt - AfD verschiebt Bundesparteitag ins nächste Jahr

Die CDU wird ihren Bundesparteitag am 21. und 22. Januar wegen der Corona-Lage nur digital stattfinden lassen. Das habe der Bundesvorstand beschlossen, teilte die Partei mit. Bei dem digitalen Format müssen Personalentscheidungen voraussichtlich per Briefwahl bestätigt werden. Die AfD hat ihren für Mitte Dezember geplanten Bundesparteitag in Wiesbaden wegen der Corona-Lage abgesagt. Das Treffen soll nun im nächsten Jahr stattfinden.

+++ Bundesregierung hat keine genauen Erkenntnisse über Impfquote in medizinischen Berufen

Das geht aus der Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Kuhle hervor. Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland meldet, heißt es darin, Informationen zu den Impfquoten bei pflegerischen und ärztlichen Berufen liegen dem Robert Koch-Institut nur auf der Basis von einzelnen stichprobenartigen Studien vor.

+++ Belgien meldet den ersten Fall der neu entdeckten Coronavirus-Variante in Europa.

Der belgische Gesundheitsminister Vandenbroucke sagte in Brüssel, ein aus dem Ausland kommender ungeimpfter Mensch sei positiv getestet worden. Der Virologe Marc Van Ranst twitterte, eine Untersuchung habe gezeigt, dass es sich um die zunächst in Südafrika aufgetauchte Variante B.1.1.529 handele. Sie stamme von einem Reisenden, der am 11. November aus Ägypten zurück nach Belgien gekommen sei und am 22. November erste Symptome gezeigt habe.

+++ Luftwaffe fliegt Corona-Intensivpatienten in andere Bundesländer

Der Airbus A310 MedEvac sei mit sechs Intensivpatienten aus Bayern auf dem Flughafen Münster/Osnabrück gelandet, teilte ein Bundeswehr-Sprecher mit. Die Patienten aus Memmingen seien auf verschiedene Kliniken in Nordrhein-Westfalen verteilt worden.

+++ Die Bundesländer sind uneins in der Frage, ob die Ministerpräsidenten schon früher als vorgesehen über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie beraten sollen.

Der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Wüst, sagte, die für den 9. Dezember geplante Bund-Länder-Runde könne vorgezogen werden. Einige seiner Länder-Kollegen unterstützen einen früheren Termin, andere sind dagegen.

+++ Nach der Entdeckung einer neuen Coronavirus-Variante in Südafrika prüft das Pharmaunternehmen Biontech eine Anpassung seines Impfstoffs.

"Wir können die Besorgnis von Experten nachvollziehen und haben unverzüglich Untersuchungen zur Variante B.1.1.529 eingeleitet", erklärte ein Biontech-Sprecher. "Die Variante unterscheidet sich deutlich von bisher beobachteten Varianten, da sie zusätzliche Mutationen im Spike-Protein hat."

+++ Die WHO ruft angesichts der von vielen Staaten verhängten Reisebeschränkungen für das südliche Afrika zur Zurückhaltung auf.

Sie sollten nicht vorschnell solche Maßnahmen wegen der neuen Corona-Variante verhängen, sagt ein WHO-Sprecher. "Die WHO empfiehlt den Ländern, bei der Umsetzung von Reisemaßnahmen weiterhin einen risikobasierten und wissenschaftlichen Ansatz zu verfolgen." Es dauere mehrere Wochen, die Übertragbarkeit der Variante B.1.1.529 und die Wirksamkeit von Impfstoffen festzustellen. "

+++ Der Spielbetrieb in den Fußball-Bundesligen sollte aus Sicht von Bremens Innensenator Mäurer (SPD) unterbrochen werden.

"Wir setzen die Polizeibeamtinnen und -beamten einer unnötig großen Gefahr aus, wenn wir sie mitten in der vierten Welle quer durch die Republik schicken, nur um Fußballspiele gegen gewalttätige Fans abzusichern", sagte Mäurer. Mit Blick auf die rasant steigenden Corona-Zahlen sei dies nicht mehr zu verantworten.
Das Weser-Stadion in Bremen
Das Weser-Stadion in Bremen (dpa/picture alliance/ Ingo Wagner)

+++ Bei erneuten Ausschreitungen auf den Karibik-Inseln Martinique und Guadeloupe im Zuge von Protesten gegen Corona-Maßnahmen sind nach französischen Angaben mehrere Polizisten verletzt worden.

Sicherheitskräfte und Journalisten seien angegriffen und beschossen worden, twitterte Innenminister Darmanin. "Mehrere Angehörige der Polizeikräfte wurden verletzt." Die Behörden in den französischen Überseegebieten hatten eine Ausgangssperre angeordnet, nachdem Protestierende Geschäfte geplündert, Fensterscheiben eingeschlagen sowie Barrikaden und Autos in Brand gesteckt hatten. Schon vergangene Woche war es in den Überseedepartements zu Kundgebungen unter anderem gegen die geplante Impfpflicht für medizinisches Personal gekommen, die zum Teil in Gewalt umschlugen.

+++ Der Virologe Alexander Kekulé hält neue Lockdown-Maßnahmen für unausweichlich.

Kekulé sagte dem MDR: "Wir brauchen leider so was wie einen Lockdown. Wir können uns eine Monsterinzidenz nicht leisten." Nach Ansicht von Kekulé hat die Politik auch diesmal zu spät gehandelt. "Das Schema ist traurigerweise immer das Gleiche. Es war immer so, dass es vorher gute Optionen gab, einen Lockdown zu vermeiden." So seien die Boosterimpfungen zu spät forciert worden. Durch schlechte Kommunikation sei zudem der Eindruck erweckt worden, Geimpfte und Genesene "können machen, was sie wollen." Kekulé sprach sich dafür aus, bei neuen Beschränkungen selektiv vorzugehen. "Wir brauchen keine Ausgangssperren, keine Sitzverbote auf Parkbänken und kein Maskengebot im Freien." Wichtig sei es, die Kontakte im privaten Bereich einzuschränken und Veranstaltungen zu kontrollieren.

+++ Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut 76.414 Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages gemeldet.

Vor einer Woche lag die Zahl bei rund 53.000. Die Sieben-Tage Inzidenz stieg auf 438,2. Deutschlandweit wurden 357 Todesfälle verzeichnet. Die Hospitalisierungsrate, also die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen, lag zuletzt bei 5,79.

+++ FDP-Generalsekretär Wissing hat die Bundesländer zu raschem Handeln aufgefordert.

Sie müssten die wichtigsten Kontaktbeschränkungen so schnell wie möglich umsetzen, sagt er im Deutschlandfunk. Mit dem neuen Infektionsschutzgesetz könnten viel schärfere Maßnahmen zur Anwendung kommen, betont Wissing. Diese Möglichkeiten müssten nun ausgeschöpft werden. Die Länder dürften nicht nur nach Berlin schauen "wie in einer Schockstarre". Wissing fordert zugleich, die noch amtierende Bundesregierung müsse nun entscheiden, wie auf die in Südafrika entdeckte neue Coronavirus-Variante zu reagieren sei. Dazu gehörten auch Maßnahmen im Flugverkehr.

+++ Aus Sorge vor der in Südafrika entdeckten neuen Coronavirus-Variante verhängen immer mehr Länder Reisebeschränkungen.

Es gebe Hinweise, dass die Variante möglicherweise übertragbarer sei als die Delta-Variante und dass Impfstoffe eventuell weniger wirksam seien, sagte der britische Gesundheitsminister Javid. Deshalb würden alle Flüge aus Südafrika, Namibia, Lesotho, Eswatini, Simbabwe und Botsuana nach Großbritannien eingestellt. Auch andere Länder reagierten mit entsprechenden Einreisebeschränkungen, darunter Israel und Japan. Indien rief dazu auf, Einreisende noch intensiver zu testen. Die südafrikanische Regierung nannte die Beschränkungen voreilig und warnte vor negativen Folgen für den Tourismus und die Wirtschaft.

+++ Hausärzte werden in der nächsten Woche vermutlich nur die Hälfte der von ihnen bestellten Impfstoffe von Pfizer und Biontech erhalten.

"Es sieht so aus, dass die Ärzte nur knapp 50 Prozent der vorbestellten Biontech-Impfstoffe in der nächsten Woche bekommen, teilweise sogar weniger als die ursprünglich garantierten 30 Impfdosen", sagte der Chef des Apothekerverbands Nordrhein, Preis, der Düsseldorfer "Rheinischen Post". Das liege vermutlich daran, dass bei Arztpraxen zugunsten der Impfzentren und öffentlichen Impfteams gespart werde.

Donnerstag, 25. November

+++ In Schulen kommt es derzeit wieder deutlich häufiger zu Corona-Ausbrüchen.

Das geht aus dem Wochenbericht des Robert Koch-Instituts hervor, der am Abend veröffentlicht wurde. Nach einem kurzzeitigen Rückgang während der Herbstferien werde jetzt ein sehr rascher Anstieg beobachtet, heißt es darin. Demnach wurden zuletzt innerhalb von vier Wochen 1.265 Ausbrüche gemeldet. Allerdings seien die letzten zwei Wochen noch nicht bewertbar. Jüngere Schüler trifft es im Schnitt öfter als ältere. Die Zahl der Corona-Ausbrüche in Schulen liege sehr deutlich über dem Höchstniveau der zweiten Welle, so das RKI.

+++ Politikerinnen in Deutschland haben die Entscheidung der EMA begrüßt.

Die geschäftsführende Bundesforschungsministerin Karliczek (CDU) sagte, der Nachrichtenagentur AFP. Die Impfung von Schulkindern könne zudem dazu beitragen, "den Schulunterricht in Präsenz zu sichern". Darüber hinaus helfe jede Impfung auch, die Verbreitung des Virus generell einzudämmen. Die geschäftsführende Bundesfamilienministerin Lambrecht (SPD), sagte, jetzt müssten die Länder die Vorbereitungen für die Kinder-Impfung "so treffen, dass es sofort losgehen kann, wenn der Impfstoff für Kinder bereitsteht".

+++ Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte begrüßte die EMA-Zulassung für den Impfstoff und sprach von einem wichtigen Signal in der Pandemiebekämpfung.

"Insbesondere Kinder mit Vorerkrankungen oder Kinder von Risikopatienten sollten sich impfen lassen", sagte Verbandspräsident Thomas Fischbach der "Rheinischen Post". Es bestehe aber wegen des geringen Risikos für Kinder kein Zeitdruck, diese sofort impfen zu lassen. Wichtiger sei, dass sich alle Erwachsenen impfen ließen.

+++ Die Ständige Impfkommisson (Stiko) bereitet eine Empfehlung zur Impfung von Kindern zum Start der ersten Lieferung vor.

"Unser Ziel ist es, diese Empfehlung bis Ende Dezember, möglichst bis zum Start der Auslieferung des Kinder-Impfstoffs an die Länder, fertigzustellen", hatte Stiko-Chef Thomas Mertens kürzlich gesagt. Bei der EU-Zulassung des Impfstoffs ab zwölf Jahren im Mai hatte die Stiko zunächst nur Impfungen von Jugendlichen mit Vorerkrankungen empfohlen.

+++ In Österreich hat das Nationale Impfgremium die Impfung bereits kurz nach der EMA-Entscheidung empfohlen.

Das berichtet die Nachrichtenagentur APA. "Die Kinderimpfung ist sicher", betonte demnach Gesundheitsminister Mückstein (Grüne). 258.000 Dosen des Impfstoffs für Kinder sollen bis zum Jahresende nach Österreich geliefert werden.
Ein Transparent weist im Austria Center Vienna darauf hin, wo sich das Impfzentrum befindet.
Österreich ist wegen hoher Corona-Infektionszahlen wieder im Lockdown und will so schnell es geht auch die Kinder zwischen 5- und 12-Jahren impfen. (dpa/Roland Schlager)

+++ In Südafrika ist eine neue Variante des Corona-Virus aufgetaucht, die Fachkreise als besorgniserregend einstufen.

Der Erreger mit der wissenschaftlichen Bezeichnung B.1.1.529 weise eine sehr hohe Anzahl von Mutationen auf, erklärten Experten. Die Wirksamkeit der Impfstoffe dagegen sei noch unklar. Die Variante habe eine erhöhte Übertragbarkeit und könne Teile des Immunsystems umgehen, hieß es weiter. Südafrikas Gesundheitsminister Phaahla sprach von einer großen Bedrohung.

+++ Die Intensivmediziner haben sich für eine Impfpflicht für Erwachsene ausgesprochen.

"Es gilt unsere Patienten zu schützen, Menschenleben zu retten und auch unser Gesundheitssystem vor dem Kollaps zu bewahren", erklärte Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), nach einem einstimmigen Beschluss des Präsidiums. Eine Impfpflicht für alle Erwachsenen sei alternativlos, um die Pandemie auch langfristig hinter sich zu lassen. Die Mitarbeiter in den Kliniken und besonders auf den Intensivstationen und in der Notfallmedizin bräuchten aber eine Perspektive. "Wir können nicht in jeder Wintersaison wieder eine neue Welle zahlreicher schwerer Covid-19-Verläufe riskieren", warnte Marx. Eine Impfpflicht nur für bestimmte Berufsgruppen, etwa für das Pflegepersonal, lehnt die Divi ab.
Eine Intensivpflegerin im Schutzanzug richtet auf der Covid-19 Intensivstation in der VAMED Klinik Schloss Pulsnitz einen Beatmungsschlauch ein.
Intensivmediziner mahnen eine Impfpflicht für Erwachsene an, sie befürchten eine Überlastung der Stationen und des Personals. (picture alliance/dpa/Robert Michael)

+++ Die Europäische Arzneimittelagentur hat den ersten Corona-Impfstoff für Kinder ab fünf Jahren freigegeben.

Die Amsterdamer Behörde erweitere die Zulassung des Vakzins von Biontech/Pfizer für diese Altersgruppe, hieß es in einer Mitteilung. Die Dosis für die Kinder werde jedoch geringer sein als für Personen ab zwölf Jahren. Sie werde aber ebenfalls als zwei Injektionen in den Oberarm im Abstand von drei Wochen verabreicht. Die endgültige Entscheidung muss nun noch von der Europäischen Kommission getroffen werden. Dies gilt aber als Formsache. Die Ständige Impfkommission will ihre Empfehlung zur Corona-Impfung für Kinder von fünf bis elf Jahren vor Jahresende abgeben.
Lesen Sie hier alle Details in der Pressemitteilung der EMA.

+++ Eines der größeren Münchner Opernorchester hat zu Recht einer Flötistin die Beschäftigung und Bezahlung verweigert, die nicht an Coronatests teilnehmen wollte.

Der Schutz der anderen Orchestermusiker vor einer möglichen Ansteckung sei ohne die vom Orchester vorgeschriebenen PCR-Tests nicht möglich gewesen, urteilte das Landesarbeitsgericht München. Mit diesem wies es die Klage der Frau auf Bezahlung ab. Die Flötistin hatte demzufolge die verpflichtenden Coronatests abgelehnt, weil sie ihrer Auffassung nach einen erheblichen Eingriff in ihre körperliche Unversehrtheit darstellten.
Eine junge Frau spielt eine Querflöte.
Eine Flötistin wollte keinen Corona-Test machen und gefährdete so nach Ansicht des Gerichts die anderen Orchesterangehörigen. (Symbolbild) (picture alliance / Hauke-Christian Dittrich)

+++ Angesichts der sich zuspitzenden Corona-Lage in weiten Teilen Deutschlands sollen planbare Operationen nach dem Willen der Gesundheitsminister vom Bund und Ländern bundesweit verschoben werden.

In vielen Bundesländern ist dies schon der Fall. Der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Bayerns Ressortchef Holetschek (CSU), erklärte, darüber seien sich die Länder einig. Es brauche zudem Freihaltepauschalen für die Kliniken, wenn sie Intensivbetten und Klinikpersonal für Covid-19-Patienten frei halten. Es herrsche eine große Solidarität zwischen allen Bundesländern, betonte der CSU-Politiker. Konkret sind Verlegungen etwa aus Bayern, Sachsen und Thüringen geplant.

+++ In Südafrika ist Wissenschaftlern zufolge eine neue Variante des Coronavirus entdeckt worden.

Die Variante mit der wissenschaftlichen Bezeichnung B.1.1.529 "weist eine sehr hohe Anzahl von Mutationen auf", sagte der Virologe Tulio de Oliveira auf einer Pressekonferenz. Sie gebe in dem Land "Anlass zur Sorge". Die Wirksamkeit der Vakzine gegen diese Virusvariante sei noch unklar. Bislang sei die Variante auch in Botswana und Hongkong bei Reisenden aus Südafrika entdeckt worden. Der südafrikanische Gesundheitsminister Phaahla bezeichnete die Variante als "ernsthaft besorgniserregend" und als Ursache für einen "exponentiellen" Anstieg der gemeldeten Fälle im Land. Südafrika ist mit rund 2,95 Millionen Corona-Fällen und mehr als 89.600 Toten das am schwersten betroffene Land in Afrika.

+++ In Frankreich sollen ab sofort alle im Alter von 18 Jahren und darüber eine Booster-Impfung erhalten.

Das empfiehlt die Gesundheitsbehörde HAS im Kampf gegen eine fünfte Corona-Welle. "Das beunruhigende Infektionsgeschehen rechtfertigt die Beschleunigung der Impfkampagne", betonte die Behörde. Es wird damit gerechnet, dass Gesundheitsminister Véran die Ausweitung der Booster-Impfung später am Tag offiziell bekanntgibt.

+++ Die EU-Kommission hat den EU-Ländern empfohlen, keine zusätzlichen Reisebeschränkungen für Geimpfte, Genesene oder frisch Getestete einzuführen.

Wer ein gültiges EU-Corona-Zertifikat habe, solle "grundsätzlich keinen zusätzlichen Beschränkungen wie Tests oder Quarantäne unterworfen werden, unabhängig vom Abreiseort in der EU", teilte die Brüsseler Behörde mit. Zudem solle die Gültigkeitsdauer der EU-Impfnachweise beschränkt werden. Man schlage vor, dass diese Zertifikate neun Monate ab der vollständigen Impfung gültig sein sollen, bevor eine Auffrischungsimpfung notwendig werde, so die Vizepräsidentin der EU-Kommission, Jourova.
Bescheinigung über eine erfolgte, doppelte Corona-Schutzimpfung im Impfausweis und in der Coronawarnapp auf einem iPhone.
Impfzertifikat (picture alliance / Goldmann | Goldmann)

+++ Im Kampf gegen die vierte Corona-Welle zieht Unionsfraktionschef Brinkhaus Teil-Lockdowns in Betracht.

"Wir müssen ohne Tabus auch über zumindest Teil-Lockdowns nachdenken", sagte er im Deutschlandfunk. "Die Lage ist sehr, sehr ernst. Und wenn das richtig ist, was uns gesagt wird - und das war meistens richtig - wird die Lage noch viel, viel ernster werden." Daher müsse auch darüber nachgedacht werden, so wie im Frühjahr eine Bundesnotbremse auf den Weg zu bringen. "Meine Fraktion steht dafür bereit." Brinkhaus äußerte sich skeptisch, dass die 2G-Regeln ausreichen.
Die Co-Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Göring-Eckardt, plädierte für eine allgemeine Impfpflicht. Diese helfe zwar nicht jetzt. "Aber sie hilft uns später", sagt sie im ARD-Fernsehen. Eine Impfpflicht sei ein harter Eingriff. "Ich schrecke davor nicht zurück." Was im Moment gegen die Coronawelle helfe, seien die 2G- und 3G-Regeln. Das zeige sich zum Beispiel daran, dass die Schlangen an den Impfmöglichkeiten extrem lang seien.

+++ Die Zahl der Corona-Toten in Deutschland seit Beginn der Pandemie hat die Marke von 100.000 überschritten.

Das geht aus den neuesten Angaben des Robert-Koch-Instituts hervor. Demnach stieg die Zahl der im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorbenen Menschen um 351 auf 100.119. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 419,7. Die Gesundheitsämter melden fast 76.000 neue Ansteckungen innerhalb eines Tages. Insegsamt haben sich damit bisher mehr als 5,5 Millionen Menschen in Deutschland mit dem Coronavirus infiziert.

+++ Mit Sachsen ist erstmals in einem Bundesland der Inzidenzwert über 1000 gestiegen.

Für Sachsen meldete das Robert Koch-Institut einen Wert von 1074,6. Am Vortag lag die Zahl der gemeldeten Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche in dem Bundesland noch bei 935,8. Innerhalb eines Tages zählten die Gesundheitsämter in Sachsen 11.581 neue Corona-Infektionen, 42 Todesfälle kamen hinzu.
Eine Impfärztin steht im Impfzentrum Sachsen vor einer leeren Impfkabine.
Eine Impfärztin steht im Impfzentrum Sachsen vor einer leeren Impfkabine. (picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Sebastian Kahnert)

+++ Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Meidinger, rechnet wegen der steigenden Corona-Zahlen wieder mit großflächigeren Schulschließungen.

Er gebe nicht mehr viel auf die Versprechen der Politik, sagte er der „Passauer Neuen Presse“. Bereits jetzt müssten Schulen wegen Corona-Ausbrüchen geschlossen werden, alleine in Sachsen seien mehrere Dutzend Einrichtungen betroffen. Auch die Aufhebung der Präsenzpflicht an Schulen in mehreren Bundesländern sei nichts anderes als eine teilweise Schulschließung. Meidinger appellierte an die Länder, an Schulen auf eine Maskenpflicht zu bestehen, Lehrende und Kinder mindestens drei Mal die Woche zu testen und mehr Luftfilteranlagen einzusetzen.

+++ Sachsens Sozialministerin Köpping (SPD) hat den Angriff auf ein mobiles Impfteam in Dresden verurteilt.

Sie sei sprachlos, sagte Köpping in Dresden. Dies sei menschenverachtend und inakzeptabel. Im Dresdner Stadtteil Prohlis soll gestern ein Unbekannter einen Feuerwerkskörper gezündet und gegen das mobile Impfteam im Bürgersaal geschleudert haben. Der Sprengsatz detonierte im Gebäude.

+++ Die Ampel-Parteien wollen nach Angaben der Grünen Anfang Dezember über schärfere Corona-Maßnahmen in Deutschland beraten.

"Wir haben uns zehn Tage Zeit gegeben, um zu sehen, sind wir bei den Booster-Impfungen, sind wir bei den Schutzmaßnahmen weit genug gekommen", sagte Grünen-Chefin Baerbock im ARD-Fernsehen. Der neue Bund-Länder-Krisenstab solle die Situation täglich unter die Lupe nehmen. Nach diesen zehn Tagen werde man gemeinsam analysieren, ob weitere Maßnahmen nötig seien. Im Kampf gegen die vierte Corona-Welle war in der vergangenen Woche bereits das geänderte, von den Ampel-Parteien auf den Weg gebrachte Infektionsschutzgesetz in Kraft getreten. Flächendeckende Ausgangsbeschränkungen und Schulschließungen sind nicht geplant.

+++ Die größte Stadt Südamerikas, die brasilianische Metropole São Paulo, hat alle erwachsenen Einwohner vollständig gegen das Coronavirus geimpft.

Dies teilte das städtische Gesundheitssekretariat mit. Es handelt sich um mehr als 9,2 Millionen Menschen über 18 Jahren. Damit ist die Impfquote sogar etwas höher als 100 Prozent. Grund dafür ist, dass auch Menschen geimpft wurden, die ihren Wohnsitz anderswo haben. Der Bundesstaat São Paulo hatte frühzeitig ein Abkommen mit dem chinesischen Unternehmen Sinovac geschlossen, während der brasilianische Präsident Bolsonaro das Coronavirus verharmloste und den Sinn von Impfungen in Zweifel zog. Insgesamt haben sich in Brasilien nach offiziellen Angaben rund 22 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert.

+++ Das Hilfswerk Oxfam hat während der Corona-Pandemie einen weltweiten Anstieg von Gewalt gegen Frauen beobachtet.

Während des ersten Lockdowns im Jahr 2020 sei die Anzahl der Anrufe bei Hilfe-Hotlines in zehn untersuchten Ländern "signifikant" gestiegen, teilte Oxfam Deutschland mit. Als Spitzenreiter gelte Malaysia mit 111 Prozent mehr Anrufen. In Kolumbien gingen 79 Prozent, in Italien 73 Prozent und in Südafrika 69 Prozent mehr Anrufe ein. In Argentinien und Großbritannien verzeichneten die Hotlines ein Viertel mehr Anrufe. Zudem stünden vielen Frauenrechtsorganisationen weniger Finanzmittel zur Verfügung.

+++ Arbeitgeberpräsident Dulger schließt eine allgemeine Impfpflicht nicht aus.

Der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes BDA sagte der Rheinischen Post: "Wir setzen auf Dialog und Überzeugung. Daher ist eine gesetzliche Impfpflicht immer nur die zweitbeste Lösung. Sie darf aber nicht von vornherein ausgeschlossen werden." Die Wirtschaft könne der Politik diese Entscheidung allerdings nicht abnehmen.

+++ Bund und Länder wollen über das weitere Vorgehen bei Patientenverlegungen wegen der kritischen Corona-Lage in Deutschland beraten.

Dazu ist eine Videokonferenz der Gesundheitsministerinnen und -minister angesetzt. Bei Patientenverlegungen soll nach dem sogenannten Kleeblatt-Prinzip verfahren werden. Das heißt, dass zunächst innerhalb von fünf Regionen – West, Nord, Ost, Süd, Südwest – verlegt werden soll und erst danach in anderen Regionen oder im Ausland angefragt wird. Die norddeutschen Bundesländer werden bereits in den kommenden Tagen zehn Corona-Patienten aus Ostdeutschland aufnehmen.
Die Luftwaffe stellt zwei Flugzeuge für die Verlegung von Intensivpatienten in der Corona-Pandemie bereit. Dazu gehört nach Angaben eines Bundeswehrsprechers der Airbus A310 MedEvac, der über sechs Intensivplätze verfügt. Eine weitere Spezialmaschine wurde so umgerüste, dass sie zwei Patienten zur Intensivbehandlung transportieren kann. Die Maschinen sind am Flughafen Köln/Bonn stationiert.

Mittwoch, 24. November

+++ Der von den Ampel-Parteien geplante Bund-Länder Krisenstab zur Corona-Lage soll nach Angaben von Grünen-Chefin Baerbock täglich die Situation analysieren.

"Wir haben uns zehn Tage Zeit gegeben, um zu sehen, sind wir bei den Booster-Impfungen, sind wir bei den Schutzmaßnahmen weit genug gekommen", sagte Baerbock in den ARD-"Tagesthemen". Nach diesen zehn Tagen werde gemeinsam analysiert, "ob es weitere Maßnahmen braucht oder nicht".

+++ Italien verschärft die Corona-Maßnahmen für Ungeimpfte.

Wie die Regierung in Rom mitteilte, dürfen diese Personen ab 15. Dezember keine Restaurants, Kinos, Theater, Diskotheken sowie Sportveranstaltungen mehr besuchen. Zudem gilt bereits ab 6. Dezember im öffentlichen Nah- und Fernverkehr die 3G-Regel. Diese Einschränkungen sollen zunächst bis zum 15. Januar in Kraft bleiben. Außerdem weitete das Kabinett die Impfpflicht für Beschäftigte im Staatsdienst auf das gesamte Schulpersonal, die Polizei und das Militär aus. Beschäftigte im Gesundheitswesen, für die bereits eine Impfpflicht gilt, müssen ihre Impfung auffrischen lassen.
Sie finden hier eine Liste der Risikogebiete.

+++ Die slowakische Regierung verhängt einen zweiwöchigen Lockdown.

Die Lage soll nach zehn Tagen überprüft werden, teilte Ministerpräsident Heger mit. Erleichterungen gäbe es dann nur für Geimpfte. In der Slowakei war zuletzt mit 10.315 Neuinfektionen erneut ein Höchststand verzeichnet worden. Die Impfrate liegt mit 45 Prozent der Bevölkerung unter dem europäischen Durchschnitt.

+++ Dänemark plant eine Rückkehr zur Maskenpflicht.

Die dänische Regierung strebt an, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes unter anderem im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen wieder vorzuschreiben. Negative PCR-Tests sollen zudem nur noch 72 Stunden, Schnelltests 48 Stunden Gültigkeit haben.
Ein Frau mit FFP2-Maske wartet in einer U-Bahnstation auf die Bahn.
Die dänische Regierung will das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes unter anderem im öffentlichen Nahverkehr wieder vorzuschreiben. (picture alliance/dpa | Sven Hoppe)

+++ Leverkusen sagt die Karnevalsumzüge ab.

In Leverkusen werden wegen der Corona-Pandemie die Karnevalsumzüge abgesagt. Die Karnevalsgesellschaften wollten damit ein "klares Signal" setzen, teilte die Stadt mit.

+++ Bayern verlegt 50 Corona-Patienten; auch Thüringen muss 14 Patienten verlegen.

Wegen Überlastung der bayerischen Krankenhäuser werden in den nächsten Tagen voraussichtlich 50 Corona-Intensivpatienten aus Bayern in andere Bundesländer verlegt werden. Wann und wohin, ist noch unklar. Auch Thüringer Kliniken müssen nach Angaben des Gesundheitsministeriums 14 Patienten in norddeutsche Krankenhäuser verlegen.

+++ Bundeskanzlerin Merkel schätzt die Corona-Ausbreitung in Deutschland als sehr bedrohlich ein.

Sie habe in einem Gespräch mit Spitzenvertretern von SPD, Grünen und FDP den außerordentlichen Ernst der Situation verdeutlicht, sagte Regierungssprecher Seibert in Berlin. Deutschland sei auf dem Weg in eine Notlage, wie es sie noch nicht gegeben habe. Seibert verwies unter anderem auf immer knappere Intensivkapazitäten und die Notwendigkeit, Patienten überregional in andere Kliniken zu verlegen.

+++ Das Bundesgesundheitsministerium hat konkrete Vorschläge zur Ausgestaltung einer Corona-Impfpflicht für die Beschäftigten in Pflegeheimen und Kliniken vorgelegt.

Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, soll dafür das Infektionsschutzgesetz geändert werden. Die Neuregelung könnte demnach zum 1. Januar in Kraft treten. Die Beschäftigten in den betroffenen Einrichtungen müssten dann ihrem Arbeitgeber einen Nachweis vorlegen, dass sie geimpft oder genesen sind. Vorgesehen ist zudem eine Übergangsfrist bis zum 31. März, in der fehlende Impfungen nachgeholt werden können. Das Papier soll dem Bericht zufolge als Formulierungshilfe für die Beratungen der neuen Regierung dienen. Ziel ist es, vor allem ältere und vorerkrankte Menschen besser vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus zu schützen.

+++ Für Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr ist die Corona-Impfung künftig duldungspflichtig und damit de facto vorgeschrieben.

Bundeswehrangehörigen, die diese verweigern, drohen somit disziplinarrechtliche Konsequenzen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bestätigte, dass Ministerin Kramp-Karrenbauer die Corona-Schutzimpfung in die Liste der duldungspflichtigen Impfungen und Vorsorgemaßnahmen aufgenommen hat. Begründet werden diese Maßnahmen mit der notwendigen Einsatzbereitschaft der Truppe.

+++ Im brasilianischen Bundesstaat São Paulo haben mehr als 50 Städte den Karneval 2022 abgesagt.

Die Stadtverwaltungen befürchten, dass Menschenansammlungen eine neue Corona-Welle auslösen könnten. Das berichten übereinstimmend mehrere brasilianische Medien .

+++ Bundespräsident Steinmeier hält die Corona-Pandemie noch lange nicht für überwunden.

Vielmehr spitze sich die Lage von Tag zu Tag zu, sagte Steinmeier anlässlich der Eröffnung des 13. Seniorentags in Hannover. In einigen Teilen des Landes sei die Pandemie außer Kontrolle geraten. Voraussichtlich noch in dieser Woche sei das hunderttausendste Todesopfer zu beklagen. Das sei nicht nur eine unfassbare Zahl, sondern auch eine menschliche Katastrophe. Der Bundespräsident warb noch einmal nachdrücklich dafür, sich impfen zu lassen.

+++ Die Staatsanwaltschaft Innsbruck hat die Ermittlungen um die Corona-Ausbreitung im österreichischen Wintersportort Ischgl eingestellt.

Anklage werde keine erhoben, teilte die Behörde mit. Es gebe keine Beweise dafür, dass jemand schuldhaft etwas getan oder unterlassen habe, das zu einer Erhöhung der Ansteckungsgefahr geführt habe. In Ischgl war es im März 2020 mitten in der Skisaison zu einem Corona-Ausbruch gekommen. Tausende in- und ausländische Urlauber infizierten sich vermutlich unter anderem in überfüllten Apres-Ski-Bars. Die in ihre Heimatländer zurückgekehrten Urlauber verbreiteten daraufhin das Virus in ganz Europa. Den österreichischen Behörden war vorgeworfen worden, zu spät und nicht umfassend genug reagiert zu haben.
Eine Gruppe von Menschen ist mit Gepäck an einem Parkplatz um Autos und einen Bus versammelt, im Hintergrund ist die Häuswersilhouette von Ischgl zu sehen.
Von Ischgl aus hatte sich das Coronavirus in ganz Europa ausgebreitet. (picture alliance / picturedesk.com / EXPA / Johann Groder)

+++ Die Kurzarbeiterregegelung ist verlängert worden.

Angesichts der Corona-Lage gelten die niedrigeren Hürden für Kurzarbeit bis Ende März 2022. Das geschäftsführende Bundeskabinett billigte eine entsprechende Verordnung von Arbeitsminister Heil. Die Sonderregeln wären ansonsten zum Jahresende ausgelaufen. Heil sagte mit Blick auf die Infektionszahlen, man trage mit der Verlängerung dazu bei, dass der Arbeitsmarkt gut durch den Winter komme.

+++ In Deutschland ist das neue Infektionsschutzgesetz in Kraft getreten.

Es sieht unter anderem die 3G-Regel am Arbeitsplatz vor. Zugang zu Betrieben sollen Beschäftigte dann nur noch bekommen, wenn sie geimpft, genesen oder getestet sind. Geimpfte und Genesene müssen das belegen. Ungeimpfte, die nicht von zu Hause arbeiten können, müssen dem Arbeitgeber einen negativen Test vorlegen. Arbeitgeber sind für die Überprüfung der Nachweise verantwortlich. Zudem gibt es Testpflichten unter anderem in Pflegeheimen. Einige Länder - wie Bayern, Nordrhein-Westfalen oder Berlin - haben bereits angekündigt, über die beschlossenen Vorgaben hinauszugehen.

+++ Millionen Amerikaner zu Thanksgiving unterwegs.

Wegen des Feiertags Thanksgiving morgen werden voraussichtlich Millionen US-Amerikaner zur Verwandten und Freunden reisen. Die Zahl der Flugreisenden könnte sogar die Werte vor der Pandemie übertreffen. Die USA verzeichnen im Durchschnitt fast 100.000 neue Corona-Infektionen pro Tag. die US-Gesundheitsbehörde riet Ungeimpften, nicht zu reisen.

+++ Impfpflicht könnte auf Querdenker entlastend wirken.

Eine Impfpflicht könnte manche Gegner der Corona-Maßnahmen entlasten. Diese These hat die Mainzer Sozialpsychologin Pia Lamberty im Deutschlandfunk vertreten. Sie kann sich vorstellen, dass für einige Menschen eine Impfpflicht ein Grund ist, um sich impfen zu lassen. Statt zuzugeben, dass die Impfverweigerung ein Fehler sein könnte, könnten es die Menschen auf den Staat schieben, wenn sie sich dann impfen ließen. Bei harten Verschwörungstheoretikern hingegen könne eine Impfpflicht die Radikalität sogar steigern, sagte Lamberty. Bei Menschen mit einem geschlossenen ideologischen Weltbild komme man mit Fakten nicht weiter. Jeder, der versuche etwas zu erklären, werde als Teil der Verschwörung wahrgenommen.

+++ Städtetag will Ausweitung der Impfangebote.

Angesichts der vergleichsweise niedrigen Impfquote in Deutschland wirbt der Deutsche Städtetag für eine Ausweitung der Angebote. Verbandspräsident Lewe sagte im Deutschlandfunk , viele Kommunen böten bereits zusätzliche Impfstellen an oder nähmen stillgelegte Impfzentren wieder in Betrieb. Der CDU-Politiker forderte, auch Zahnärzte und Apotheker zu beteiligen. Letztere könne man mit einem Ausbildungsprogramm in kurzer Zeit zum Impfen befähigen.
Vor dem Impfbus steht ein Schild: "Impfen ohne Termin"
Impfbus auf einem Supermarktparkplatz in der Region Hannover (dpa/Julian Stratenschulte)

+++ Das Robert Koch-Institut meldet neue Höchstwerte bei der Sieben-Tage-Inzidenz und bei den Neuinfektionen mit dem Coronavirus.

Innerhalb von 24 Stunden wurden mehr als 66.800 Positiv-Tests gezählt, das sind gut 14.000 mehr als vor einer Woche. 335 weitere Menschen starben im Zusammenhang mit dem Corona-Virus. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt laut RKI nun bei 404,5. Gestern lag die Sieben-Tage-Inzidenz noch bei 399,8.

+++ Ärzte in Russland wollen Impfgegner überzeugen

Ärzte mehrerer russischer Kliniken wollen Impfgegnern Corona-Stationen zeigen. In einem offenen Brief wenden sie sich vor allem an Politiker, Künstler und Medienvertreterm die die Impfung zuletzt in Zweifel gezogen haben. Sie sollten sehen, wie Menschen um jeden Atemzug kämpfen. Die Impfkampagne in Russland verläuft nur schleppend. Erst 40 Prozent der Bevölkerung sind vollständig geschützt.

+++ Stiko bereitet nach Medienbericht Corona-Impf-Empfehlung für Kinder vor.

Die Ständige Impfkommission bereitet einem Medienbericht zufolge eine Impfempfehlung für Kinder zwischen fünf und elf Jahren vor. Die Empfehlung solle möglichst bis zum Start der Auslieferung des Kinder-Impfstoffs an die Bundesländer fertiggestellt sein, sagte der Stiko-Vorsitzende Mertens den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Noch in dieser Woche wird eine Entscheidung der Europäischen Arzneimittelagentur EMA über die Zulassung eines Corona-Impfstoffs für Kinder in dieser Altersklasse erwartet. Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Spahn hat die erste Lieferung mit 2,4 Millionen Dosen des Kinderimpfstoffs für den 20. Dezember angekündigt.

+++ Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Spahn hat Ungeimpfte angesichts der akuten Corona-Lage scharf kritisiert.

Es gebe immer noch diejenigen, die glaubten, das Virus könne ihnen nichts anhaben, sagte Spahn der "Rheinischen Post". Er frage sich, was eigentlich noch passieren müsse, damit nicht-geimpfte Personen den Ernst der Lage erfassten. Spahn hält es zudem für möglich, die für den 9. Dezember geplante nächste Ministerpräsidentenkonferenz vorzuziehen. Für Veranstaltungen, Bars und Clubs müssten schärfere Maßnahmen geprüft werden. Spahn schloss auch einen Teil-Lockdown nicht aus. Es müsse aber alles getan werden, um Schließungen von Kitas und Schulen zu vermeiden.

+++ Fünf Bundesländer wollen Covid-Patienten nach "Kleeblatt-Konzept" verlegen.

Bayern, Thüringen, Sachsen, Berlin und Brandenburg ergreifen Maßnahmen, um die Intensivstationen in den Krankenhäusern und Kliniken zu entlasten. Nach Angaben der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin Divi werden Covid-Patienten mit schweren Verläufen nun strategisch verlegt, wenn die Kapazitäten in dem einen oder anderen Bundesland ausgeschöpft sind. Die Verteilung erfolgt nach dem sogenannten Kleeblatt-Konzept .Die 16 Bundesländer sind dabei in fünf Gruppen aufgeteilt - für die Regionen Nord, Ost, Süd, Südwest und West. In den kommenden Tagen werde eine größere Anzahl an Patienten in andere Regionen verlegt, hieß es.

+++ Angesichts der weiter steigenden Corona-Neuinfektionszahlen sprechen sich inzwischen zahlreiche Politiker für eine Impfpflicht aus.

Berlins Regierender Bürgermeister Müller sagte im RBB-Fernsehen, er glaube, dass man um eine Impfpflicht nicht mehr herumkomme. Die hohe Anzahl der Ungeimpften verhindere den Schritt zur Normalität. Auch die Freien Demokraten zeigten sich offen für eine Impfpflicht, jedoch nur in Einrichtungen mit besonders von Corona gefährdeten Menschen. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Göring-Eckardt, ist unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls für eine allgemeine Impfpflicht. Sie sagte der Deutschen Presse-Agentur, das im Vergleich zu Maßnahmen wie Lockdowns und Kontaktbeschränkungen das mildere Mittel.

Dienstag, 23. November

+++ Zur Corona-Krise hat es am Abend ein kurzfristiges Spitzentreffen im Kanzleramt gegeben.

Teilnehmer waren Bundeskanzlerin Merkel, Vizekanzler Scholz sowie auch führende Politiker der FDP und Grünen. Zum genauen Inhalt der Gespräche gab es zunächst keine Angaben.

+++ Weitere Bundesländer verschärfen ihre Corona-Regeln.

In Bayern etwa sollen nach einem Kabinettsbeschluss strikte Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte gelten. Sie dürfen sich nur noch mit maximal fünf Personen aus zwei Haushalten treffen. Alle Clubs, Diskotheken und Bars müssen schließen. Weihnachtsmärkte fallen aus. In Nordrhein-Westfalen greift ab morgen im Freizeit-, Sport- und Kulturbereich die 2G-Regel. Zugelassen sind dann nur noch Genesene oder Geimpfte. In Diskotheken oder Clubs ist zusätzlich ein negatives Testergebnis erforderlich. In Hamburg wird die 2G-Regel auch auf Beherbergungsbetriebe und den Kulturbereich ausgeweitet. Auch Niedersachsen setzt auf schärfere 2G-Regeln. In Berlin sollen voraussichtlich ab dem Wochenende zu den meisten Geschäften nur noch geimpfte Menschen und Genesene Zutritt haben. Ausgenommen ist die Grundversorgung, zu der Supermärkte, Drogerien oder Apotheken gehören.
Welche Corona-Auflagen in welchem Bundesland gelten, haben wir hier zusammengefasst.

+++ Angesichts der verschärften Corona-Maßnahmen hat das Gastgewerbe vor einer weiteren Pleitewelle gewarnt und ein wirksames Rettungspaket gefordert.

Die coronabedingten massiven Umsatzeinbußen gefährdeten die Zukunft der Branche, sagte der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, Zöllick. Sollten die Betriebe nun wieder geschlossen werden wie es bereits in Bayern und Sachsen der Fall sei, brauche man wirksame Überlebenshilfen. Auch in geöffneten Hotels und Gaststätten sei die Lage aufgrund massenhafter Stornierungen fatal. Eine bloße Verlängerung der geltenden Wirtschaftshilfen reiche da nicht aus.

+++ Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft hat die ab morgen geltende 3G-Regelung für Betriebe als schlecht umsetzbar kritisiert.

Es gebe die Problematik der Kontrollen, der Dokumentierung und vor allem der Archivierung, sagte Bundesgeschäftsführer Jerger im Deutschlandfunk . Das alles sei ein riesiger Organisationsaufwand, den man nicht in so kurzer Zeit schaffen könne. Er verwies zudem auf Probleme etwa bei Kontrollen in den Randzeiten und arbeitsrechtliche Fragen wie der nach Lohnfortzahlung bei einem positiven Test. Jerger betonte, dass für den Mittelstand eine 2G-Regelung sinnvoller gewesen wäre. Denn bei 2G könne man ganz klar entscheiden, wer arbeiten dürfe und wer nicht. So verlagere die Politik die Verantwortung auf die Unternehmer.
Besser Schulen offen lassen und viel testen - diese Auffassung vertritt der Mathematiker Jan Mohring.

+++ Thüringen bereitet nach Angaben von Gesundheitsministerin Werner (Linke) die Verlegung von Krankenhauspatienten in andere Bundesländer vor.

Es werde in den nächsten Tagen zu solchen Verlegungen kommen, sagte Werner nach einer Kabinettssitzung in Erfurt. Sie führte dies als einen der Gründe dafür an, dass in Thüringen nun die Corona-Maßnahmen deutlich verschärft werden. "Wir können nur dann auf die Solidarität anderer Bundesländer hoffen, wenn wir selbst auch jede Anstrengung unternehmen, um die Welle zu unterbrechen." Thüringen bildet mit Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin ein «Kleeblatt», innerhalb dessen bei Überlastungen Patienten in ein anderes Bundesland verlegt werden können.

+++ Der sächsische Krankenhauskoordinator Albrecht hat Berichte zurückgewiesen, wonach Sachsen kurz vor einer Triage steht.

Man sei noch weit davon entfernt, die Angebote an intensivmedizinischer Versorgung zu limitieren oder zu triagieren, sagte er in Dresden. Ohnehin müsse kein Krankenhaus in eine solche Situation kommen. Denn bevor man mit einer Triage anfange, müssten alle Möglichkeiten im Netzwerk, im Bundesland und in der Bundesrepublik ausgeschöpft werden. Landessozialministerin Köpping äußerte sich ähnlich. Wenn es aber keine Entlastung bei der Bettenbelegung gebe, müsse das Mittel der Triage angewendet werden, sagte sie.

+++ Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Wieler, hat an alle Bürgerinnen und Bürger appelliert, ihre privaten Kontakte freiwillig einzuschränken.

Vor allem Treffen mit vielen Menschen in Innenräumen sollten vermieden werden, sagte er "Zeit Online". Wer Menschen aus Risikogruppen treffe, sollte vorher einen Selbsttest machen. Außerdem sollten unbedingt die AHA-Regeln eingehalten werden, also Abstand wahren, Hygieneregeln einhalten, Mund-Nase-Schutz tragen und die Räume regelmäßig lüften. Mit Blick auf die Reaktion der Politik auf die vierte Welle sagte der RKI-Präsident, es sei bemerkenswert, dass man offensichtlich immer wieder erst die Hand auf die heiße Herdplatte legen müsse, um zu merken, dass man sich verbrenne.
Die Band Höhner mit Sänger Hennig Krautmacher
Die Band Höhner mit Sänger Hennig Krautmacher (Horst Galuschka / imago stock&people)

+++ Der Sänger der Höhner, Henning Krautmacher, ist positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Das teilte die Kölsch-Band mit. Die ersten vier Konzerte der "Höhner Weihnacht 2021" müssten abgesagt werden. Dem 64-jährigen Krautmacher gehe es gut, der Rest der Band und die Crew seien gesund. Krautmacher sei doppelt gegen das Coronavirus geimpft.

+++ Wissenschaftler, die sich mit der Forschung an Aerosolen befassen, halten die Absage von Weihnachtsmärkten wegen hoher Corona-Infektionszahlen für unnötig.

Der frühere Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosolmedizin, Scheuch, sagte der Zeitung "Die Welt", aus wissenschaftlicher Sicht ergebe ein Verbot absolut keinen Sinn. Im Freien fänden nur sehr wenige Ansteckungen statt. Bei Schlangen vor den Impfzentren habe man auch keinerlei Bedenken. Der Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung, Asbach, hält die Öffnung von Weihnachtsmärkten für vertretbar, wenn ausreichend Abstand eingehalten wird. Eine Beschränkung der Besucherzahlen sei hierfür ein probates Mittel.
Der französische Premierminister Castex spricht während einer Sitzung in Paris.
Der französische Premierminister Castex. (Christophe Petit Tesson/MAXPPP)

+++ Frankreichs Premierminister Castex ist positiv auf das Coronavirus getestet worden und hat sich danach in Quarantäne begeben.

Das Büro des französischen Premiers erklärte, eine seiner Töchter sei nach Castex' Rückkehr von einer Reise nach Belgien positiv getestet worden. Daraufhin habe er sich ebenfalls testen lassen. Der Premierminister ist den Angaben zufolge doppelt geimpft. Castex hatte gestern seinen belgischen Amtskollegen De Croo in Brüssel getroffen. Dieser begab sich ebenfalls in Selbstisolation. Auch vier weitere belgische Regierungsmitglieder, die am Treffen mit Castex teilgenommen hatten, würden sich isolieren, hieß es weiter.

+++ Die Weltgesundheitsorganisation befürchtet einen bedeutenden Anstieg der Todeszahlen durch die Corona-Pandemie in Europa.

"Die kumulierten gemeldeten Todesfälle bis zum Frühjahr nächsten Jahres werden voraussichtlich über 2,2 Millionen erreichen", erklären die Experten in einem in Kopenhagen vorgestellten Bericht. Demnach ist davon auszugehen, dass die Intensivstationen in 49 von 53 europäischen Ländern bis März 2022 "stark oder extrem" ausgelastet sein werden. Bislang sind in Europa seit Ausbruch der Pandemie nachweislich 1,5 Millionen Menschen durch das Coronavirus gestorben.

+++ Niederländische Krankenhäuser verlegen erneut Covid-19-Patienten in deutsche Kliniken.

Der erste Krankenwagen sei am Morgen aus Rotterdam abgefahren, teilte eine Sprecherin der nationalen Organisation für die Verteilung von Patienten mit. Der Patient sollte im Universitätsklinikum Bochum aufgenommen werden. Der Patient war auf der Intensivstation in einem Krankenhaus in Rotterdam behandelt worden. In Krankenhäusern in Nordrhein-Westfalen soll Platz für insgesamt 20 Patienten aus den Niederlanden sein.

+++ An den Schulen in Brandenburg soll es wegen der Corona-Infektionslage keine Anwesenheitspflicht mehr für Schülerinnen und Schüler geben.

Bildungsministerin Ernst sagte im RBB-Inforadio, die Präsenzpflicht werde aufgehoben. Es sei der Wunsch vieler Eltern, ihre Kinder nicht in die Schule zu schicken. Die Einzelheiten - etwa Ausnahmen für Abschlussklassen - würden noch ausgearbeitet. Die SPD-Politikerin kündigte zudem an, die Weihnachtsferien um drei Tage vorzuziehen. Ursprünglich sollte der 23. Dezember der erste Ferientag in Brandenburg sein. Ernst betonte, Schulschließungen könnten nicht die Lösung sein. Die Erwachsenen seien in der Pflicht, durch Impfungen die Situation für die Kinder zu entspannen.

+++ In Belgien soll ein Arzt in großem Stil gefälschte Impfbescheinigungen ausgestellt haben.

Etwa 2.000 falsche Impfzertifikate seien so in Umlauf geraten, sagte die Gesundheitsministerin der belgischen Region Wallonie, Morreale, laut einem Bericht des Fernsehsenders LN24. Demnach erkannte die wallonische Agentur für Lebensqualität sowohl zeitliche als auch örtliche Unstimmigkeiten bei Impfbescheinigungen des Arztes. Er habe die Zertifikate in der gesamten Region Wallonie und womöglich auch außerhalb ausgestellt. Die betroffenen Impfbescheinigungen seien für ungültig erklärt worden, berichtete LN24.
Ein Hinweisschild weist die Fahrgäste am Bahnhof Köln Deutz / Messe auf die wegen der Coronaschutzverordnung geltenden Corona-Maßnahmen hin wie das Tragen von Masken in Bus und Bahn.
Ab morgen gilt 3G in Bussen und Bahnen - nur Maske tragen reicht nicht mehr. (picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt)

+++ Das neue Infektionsschutzgesetz mit Regeln für 3G am Arbeitsplatz, in Bus und Bahn tritt morgen in Kraft.

Es wurde heute im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Gestern hatte Bundespräsident Steinmeier das Gesetz mit den neuen Corona-Auflagen unterschrieben. Das von SPD, Grünen und FDP vorgelegte Gesetz sieht zur Bekämpfung der Corona-Pandemie unter anderem 3G am Arbeitsplatz sowie in Bussen und Zügen vor. Hier muss man dann entweder nachweisen, dass man geimpft oder genesen ist oder einen aktuellen negativen Corona-Test vorlegen. Flächendeckende Ausgangsbeschränkungen und Schulschließungen gibt es mit dem neuen Gesetz vorerst nicht mehr.

+++ In Österreich versucht der öffentlich-rechtliche Sender ORF, Menschen mit einer Impflotterie zur Immunisierung gegen Covid-19 zu motivieren.

Alle über 18, die sich seit dem 1. Oktober haben impfen lassen oder das noch bis zum 20. Dezember machen, können sich auf einer Webseite registrieren - egal ob Erst-, Zweit- oder Drittimpfung. Der ORF will die Gewinnerinnen und Gewinner der insgesamt knapp tausend Sachpreise an Heiligabend in einer Sondersendung bekanntgeben - zu den Gewinnen zählen Fertighäuser und Elektroautos. Der Generaldirektor des ORF, Wrabetz, sagte, die Lotterie solle eine zusätzliche Motivation für Impfwillige schaffen. Gleichzeitig sei sie ein großes Danke an alle, die sich bereits haben impfen oder boostern lassen. In Österreich liegt die Impfquote aktuell bei rund 66 Prozent.

+++ Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Infektionen ist weiter gestiegen.

Sie liegt nach Angaben des Robert Koch-Instituts jetzt bei 399,8. Am Vortag betrug der Wert 386,5, eine Woche zuvor war er bei 312,4. Die Gesundheitsämter meldeten mehr als 45.326 neue Ansteckungen. Den Angaben zufolge starben 309 weitere Menschen im Zusammenhang mit dem Virus. Damit stieg die Gesamtzahl der Corona-Toten auf hierzulande 99.433. Die Hospitalisierungs-Inzidenz gab das RKI zuletzt mit 5,28 an.
Weitere aktuelle Zahlen zum Coronavirus haben wir hier zusammengestellt.

+++ Weitere Spitzenpolitiker in Deutschland sprechen sich für eine allgemeine Pflicht zur Impfung gegen Covid-19 aus.

Der baden-württembergische Ministerpräsident Kretschmann sagte am Abend im ZDF, die Impfpflicht sei die Voraussetzung dafür, dass man die Freiheit zurückgewinne. Sachsen-Anhalts Regierungschef Haseloff erklärte, eine Impfpflicht müsse bundesgesetzlich geregelt werden. Wenn die zukünftige Bundesregierung eine entsprechende Novelle vorlege, werde er das unterstützen, ergänzte der CDU-Politiker. Hessens Regierungschef Bouffier sagte, um aus der Dauerschleife immer neuer Corona-Wellen herauszukommen, werde man eine Impfpflicht womöglich nicht umgehen können. Nordrhein-Westfalens Vize-Ministerpräsident Stamp von der FDP sagte im ARD-Fernsehen, er habe große Skepsis, wie es anders gehen solle. Dagegen hält der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Spahn an seiner Ablehnung einer Impfpflicht fest. Der CDU-Politiker sagte im Deutschlandfunk , die Frage löse das akute aktuelle Problem nicht.
Mehr zur Debatte über eine Impfpflicht können Sie hier lesen.

+++ Das US-Außenministerium warnt wegen der starken Verbreitung des Coronavirus vor Reisen nach Deutschland.

Der neue Hinweis hat die Stufe vier, die einer eindringlichen Warnung gleichkommt. Das Außenministerium in Washington begründete das mit einer Neubewertung durch die Gesundheitsbehörde CDC. Diese teilte mit, falls man nach Deutschland reisen müsse, solle man zuvor für einen vollständigen Impfschutz sorgen. Aufgrund der aktuellen Situation bestehe jedoch auch für geimpfte Reisende das Risiko, sich mit Virusvarianten zu infizieren und diese zu verbreiten.

+++ Israel hat mit der Impfung von fünf- bis elfjährigen Kindern begonnen.

Die ersten Dosen mit dem Vakzin von Biontech Pfizer wurden in Tel Aviv verabreicht. Von den 9,4 Millionen Einwohnern Israels fallen etwa 1,2 Millionen in diese Altersgruppe. Zuletzt waren die Corona-Fallzahlen in dem Land wieder gestiegen. In den vergangenen Tagen waren die Hälfte aller bestätigten Neuinfizierten Kinder, die zwischen fünf und elf Jahre alt sind.
Corona-Impfungen für 5- bis 11-Jährige sind in Deutschland bisher nur bedingt möglich, denn die offizielle Zulassung eines Impfstoffs steht noch aus. Dennoch gibt es Ärzte, die Kinder impfen. Mehr...

Weiterlesen: Hier geht es zu unserem Archiv.