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Nordamerika-Linien
Bremerhaven könnte Routen an Hamburg verlieren

Der Containerumschlag in Bremerhaven könnte auf einen Schlag um zehn Prozent zurückgehen: Der Reeder Hapag-Lloyd erwägt, vier Routen nach Hamburg zu verlegen. Die Folgen für die Terminalmitarbeiter sind noch nicht absehbar.

Von Felicitias Boeselager | 24.08.2018

    Container stapeln sich in Hamburg am Burchardkai auf dem Deck der eines Frachters
    In Hamburg ist Hapag-Lloyd mit 25 Prozent selbst an einem Terminal beteiligt (Axel Heimken/dpa)
    Für Bremerhaven sind die Pläne der größten deutschen Container Reederei Hapag-Lloyd ein herber Schlag. Vier von fünf Transatlantikdiensten will die Reederei von Bremerhaven nach Hamburg verlegen. Die Entscheidung sei zwar noch nicht endgültig gefallen, sagt Christian Denso, Sprecher von Hapag-Lloyd – aber gut unterrichtete Quellen bestätigen, dass die Pläne wohl ab Herbst umgesetzt werden sollen.
    "Das ist natürlich äußerst bedauerlich für Bremerhaven, weil das bedeutet, dass eine große Reederei, die bisher immer Bremerhaven angelaufen hat, Bremerhaven verlässt. Dass das in den Mengen Auswirkungen hat, kommt dazu", sagt der Bremer Senator für Wirtschaft und Häfen Martin Günthner.
    Rund zehn Prozent des Container-Umschlages würde Bremerhaven mit dieser Entscheidung verlieren. Die Nordamerika-Linien von Hapag-Lloyd laufen bisher das Eurogate Terminal in Bremerhaven an – es ist eins von drei Terminals an diesem Standort. Jeder zweite Container dort hängt mit den Nordamerika-Linien zusammen. Hapag-Lloyd begründet die Pläne mit unternehmensinternen Überlegungen:
    "Hintergrund ist sicherlich, dass wir in Hamburg ein Terminal haben, mit dem Containerterminal Altenwerder, an dem wir selbst beteiligt sind, zu gut 25 Prozent. Dieses Terminal war früher das Terminal, zu dem wir mit den besonders großen Schiffen von uns angefahren sind. Heute, seit einer Fusion mit einer arabischen Reederei, haben wir so große Schiffe, dass die das Terminal nicht mehr erreichen können."
    Hapag-Lloyd hofft durch Verlagerung auch auf Kosteneinsparungen
    Weil diese großen Schiffe nicht mehr unter der Hamburger Köhlbrandbrücke durchpassen, ergänzt Unternehmenssprecher Christian Denso. Hinzu kommt die wirtschaftliche Lage des Unternehmens:
    "Wir hatten nicht gerade berauschende Halbjahreszahlen, mal wieder, dann müssen wir einfach gucken, wie Synergien schaffen, wie wir Kosten einsparen."
    Vor knapp zwei Wochen veröffentlichte das Unternehmen seine Halbjahreszahlen: Unter dem Strich vergrößerte sich der Verlust der Reederei im Jahresvergleich von knapp 43 auf fast 101 Millionen Euro. An Bremerhaven jedenfalls läge die Entscheidung nicht, bekräftigt Denso. Auch Senator Günthner sieht die Ursache nicht in seinem Bundesland, im Gegenteil:
    "Ich werte die Entscheidung jetzt übrigens auch so, dass das ein Eingeständnis Hamburgs ist, dass sie nicht mehr daran glauben, die größten Schiffe der Welt auch in der Zukunft abfertigen zu können und deswegen, alles was sie an Ladung noch irgendwo haben auf Hamburg ziehen. Die Stadt Hamburg ist an Hapag-Lloyd beteiligt. Hapag-Lloyd wiederrum ist am Container-Terminal in Altenwerder beteiligt, unter der Köhlbrandbrücke kommen bekanntermaßen bestimmte Schiffe einer bestimmten Größe nicht mehr durch und insofern hat es eben auch durchaus mit der Marktverteilung insgesamt zu tun."
    Folgen für Terminalbeschäftige noch nicht klar
    Und trotz der großen Umschlagseinbußen gibt sich Günthner zuversichtlich: "Der Hafen ist hoch leistungsfähig, hat eine exzellente Infrastruktur, ist in den vergangenen Jahren ausgesprochen erfolgreich gewesen und deshalb gibt es auch viel Grund zu weiterem Optimismus."
    Was die Pläne von Hapag-Lloyd für die über 1.000 Beschäftigten am Eurogate Terminal bedeuten, ist noch unklar. Die Betreiber-Firma Eurogate will sich erst äußeren, wenn die Entscheidung endgültig gefallen ist.