Nordisches RiesensternbildDer Himmels-Elch der Samen

Gegen 22 Uhr funkeln am Osthimmel die Sternbilder Fuhrmann, Perseus und Kassiopeia – für das Volk der Samen in Nordskandinavien stehen dort nicht drei Figuren, sondern eine große: Sarva, der Elch.

Von Dirk Lorenzen | 28.10.2021

Gegen 20 Uhr steigt der samische Himmels-Elch am Osthimmel empor.
Gegen 20 Uhr steigt der samische Himmels-Elch am Osthimmel empor. (Stellarium)
Das Sternbild Perseus, ein großes umgedrehtes Ypsilon, bildet Kopf, Brust und Vorderläufe des großen Tiers. Capella im Fuhrmann markiert das Ende des Rückens – der rechte Teil des Fuhrmanns und das obere Stierhorn stellen die Hinterbeine dar. Kassiopeia, für uns das Himmels-W, bildet die Elch-Schaufeln.
Wer es schafft, sich von den uns vertrauten Sternmustern zu lösen, erkennt tatsächlich ein imposantes Tier, das über den Himmel schreitet. Dem Elch am Firmament ergeht es allerdings nicht besser als denen am Boden in Norwegen, Schweden und Finnland. Die Samen stellen ihm nach.
Einige Zeit nach dem Elch gehen die Zwillingssterne auf. In den nordischen Sagen sind es zwei Jäger, die auf Skiern das Tier verfolgen und es mit Pfeilen beschießen. Sarva wird regelrecht in die Enge getrieben – denn die Plejaden sind die sechs Hunde einer älteren Frau, die ebenfalls an der Jagd beteiligt und den Vorderbeinen des Elchs schon ganz nahe sind.
Zum Vergleich: Dieselbe Himmelsgegend mit den uns vertrauten Sternbildern Fuhrmann, Perseus, Kassiopeia etc.
Zum Vergleich: Dieselbe Himmelsgegend mit den uns vertrauten Sternbildern Fuhrmann, Perseus, Kassiopeia etc. (Stellarium)
In der Morgendämmerung taucht dann noch Favnta auf, der zweite Jäger am Himmel – für uns ist das Arktur im Bootes. Dieser hat sogar einen mächtigen Bogen mit einem Pfeil, dargestellt von unserem Großen Wagen.
Anders als am Boden hat die himmlische Jagd aber immer ein Happyend: Jäger, Hunde und Pfeile holen Sarva niemals ein. In jeder Herbst- und Winternacht funkelt der wunderschöne Himmels-Elch.