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StartseiteKultur heuteNostalgischer Rückblick24.09.2007

Nostalgischer Rückblick

Andreas Homoki inszeniert "Die Fledermaus" an der Komischen Oper Berlin

Im Dezember 1947 wurde mit Johann Strauß‘ "Fledermaus" die Berliner <papaya:link href="http://www.komische-oper-berlin.de" text="Komische Oper" title="Komische Oper Berlin" target="_blank" /> eröffnet. Regisseur damals war Gründungsintendant Walter Felsenstein. Das 60-jährige Jubiläum will der jetzige Intendant des Hauses, Andreas Homoki, ebenfalls mit der "Fledermaus" begehen. Und so inszenierte er zum Auftakt dieser Jubiläums-Saison diese klassischste "Operette aller klassischen Operetten" neu.

Von Georg-Friedrich Kühn

Blick in den Saal der Komischen Oper Berlin (Komische Oper Berlin)
Blick in den Saal der Komischen Oper Berlin (Komische Oper Berlin)
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Komische Oper Berlin

Vielleicht gibt es ja Fledermäuse, die nicht nur Ministerpräsidenten ins Flattern bringen, sondern auch rückwärts fliegen können. Diese jedenfalls stürzt bei dem Versuch gnadenlos ab.

Wir blicken in eine Art Altmöbellager. Gründerzeitliche Schränke, ein Sofa, ein Schreibsekretär, Anrichte, Pendeluhr, Flügel. Alles gesetzt auf eine Parkettschräge. Hinten eine Parkettwand mit Doppelflügeltür. Durch diese dürfen dann die Chormassen rein und raus fluten.

Alle drei Akte spielen in diesem Dunkel-Raum. Die Schränke dienen als Versteck für die meist wie Aufziehpuppen agierenden Figuren. Der Gastgeber des Fests im zweiten Akt, Prinz Orlowsky, der sich wie Onegin zu Tode langweilt, ist eine als Russe drapierte, deutsch mundorgelnde Frau mit Stiefeln, Pelzmütze, Duellpistole und Wodka-Flasche.

Für das Gefängnisbild des dritten Akts kippt die Rückwand. Ein Kristalllüster säuselt zu Boden. Dem Gefängniswärter Frosch, dem es vor Sliwowitz die Sprache verschlagen zu haben scheint, torkelt durch diese Landschaft aus umgestürzten Möbeln und Menschenleibern. Aber am Ende ist fast alles wieder im Lot.

Der Herr von Eisenstein findet bissel Gnade vor seiner Frau Rosalinde, ihr neuer Liebhaber Alfred tut sich schon gütlich bei den Frühstücksbrötchen. Der Notar Falke alias Fledermaus hat sich gerächt für seine Bloßstellung durch Eisenstein. Das busenstarke Stubenmädchen Adele hat im Gefängnisdirektor Frank ihren neuen Förderer als Unschuld vom Lande gefunden.

Und das ja alles nur wegen einer Partynacht mit Champagner. Freilich außer der Musik prickelt hier nichts.

Andreas Homoki, Intendant der Komischen Oper, hat diese "Fledermaus" als Hommage an den Gründervater des Hauses, Walter Felsenstein, inszeniert. Er möchte diese "Operette aller klassischen Operetten" mit ihren zahllosen eher bösartigen Anspielungen an die Entstehungszeit vor 125 Jahren als Schauspiel mit Musik à la Feydeau neu verstehen.

Die geheimnisvolle Frau aus allerhöchsten Kreisen, die als ungarische Csárdás-Fürstin sich drapiert und als Ehefrau Rosalinde lieber heute als morgen geschieden sein will, aber nicht geschieden werden kann; die Apotheose von Börsencrashs im "glücklich ist wer vergisst"; die Kunst als Kerker für nach Emanzipation dürstende Frauen.

Homoki findet keine Übersetzungen dafür. Und so wird die Komödie eher mühselig und mit outrierten Slapstick-Effekten wie vor allem von Klaus Kuttler als Eisenstein dahin buchstabiert. Dazu eine Lichtregie, die sich in gelegentlichen An/Aus für den Stromschalter im Parkett erschöpft. Es springt kein szenischer Funke.

Aus dem Graben allerdings hört man unter Markus Poschner, der eigentlich der neue Generalmusikdirektor hätte werden sollen, aber nun nach Bremen geht, luftigen Johann Strauß, wie man sich ihn wünscht. Das Orchester der Komischen Oper "kann" freilich die Partitur. Bis zu den Saisonferien spielte man noch die alte Inszenierung von Homokis Vorgänger Harry Kupfer.

Warum überhaupt also diese Neuinszenierung, fragt man sich? Wegen des anstehenden Jubiläums? Homoki hat sich allzu bequem sein sehr schlüssiges Konzept von Richard Strauss' "Rosenkavalier" mit Philipp Schlößmann als Bühnenbildner auf diese Johann-Strauß-"Fledermaus" mit Wolfgang Gussmann übertragen - und auch andererseits sich bedient.

Das konnte nicht gut gehen. Und er bekommt am Ende denn auch dicke Buhs schon in den Blackout hinein. Viel Beifall dagegen für den Dirigenten, das Orchester, die Sänger, zumal Gun-Brit Barkmin als resolute Rosalinde und Christoph Späth als Mittelscheitel-Tenor Alfred und den - aber nur zum Rein-, Raus-Schwappen - arg unterforderten Chor.

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