"Ich bin Mirko Hinrichs, das ist Silvio Scheller, wir heißen Biest, wir sind ein zwei Jahre altes Designlabel aus Berlin."
In der riesigen Chemnitzer Ausstellungshalle stehen die beiden vor einem mannshohen Pappturm. Schönste Industriearchitektur, 19. Jahrhundert, die Fotos sind noch nicht gehängt, die Kisten der Produktdesigner noch nicht ausgepackt, doch mittendrin ein Insektenhotel? Mirko Hinrichs:
"Und zwar ist das Material Wabenpappe, das werden wir in einer halben Stunde aufgebaut haben, das wird vier Meter lang sein, zwei Meter hoch, eine Art Denkraum, eine Zelle, die man überall mit hinnehmen kann und man kann so ungenutzte Räume erobern."
Auserwähltes Design aus 300 Teilnehmern und 20 Nationen. Und nominiert für den fünften Marianne Brandt Wettbewerb in Chemnitz. Ein intimer Ruheraum oder ein kreativer Spielplatz für Kleine und Große?
Dieses modulare Stecksystem regt explizit zum Mitdenken an, es ist das Ergebnis vieler Experimente und ganz im Einklang mit Marianne Brandts Prinzipien: Es ist nützlich und poetisch zugleich.
Mirko Hinrichs: "Wir kamen dann eben auf das Material der Wabenpappe, das ist unglaublich in der Stabilität, in der Leichtigkeit, im Herstellungsverfahren, es ist halt ein Altpapier und das kann man dann eben ..."
Silvio Scheller: "... auf den Müll werfen oder recyceln. Es ist keine Sache, die uns 800 Jahre beschäftigen wird auf der Welt."
Nützliches Design, das - im konsequentesten Fall - gar keinen Müll erzeugt und Ressourcen schont, das ist die Idee im Sonderwettbewerb mit dem englischen Namen "Cradle to Cradle". Design für morgen und übermorgen, so Stefan Hannig vom Team des Marianne Brandt Wettbewerbs, packt große globale Probleme an:
"Die Arbeiten in der Sonderkategorie 'Cradle to Cradle' beschäftigen sich mit allen relevanten Kernthemen, da geht es um energetische Effektivität, darum, dass Produkte ungiftig sind, auch kompostierbar so verarbeitet. Und es geht darum, auch komplexe Kreislaufsysteme mitzudenken."
Oder, so taten es auch Marianne Brandt und ihre Kollegen vom Bauhaus in Weimar und Dessau, Design radikal zu überdenken. Jetzt in Chemnitz kreisen viele der preiswürdigen Arbeiten um Kleidung: edel, raffiniert, unbedingt giftfrei, und ja, sogar essbar - ein ganz wichtiges Thema. Und überhaupt: Nahrung für alle. Linda Pense vom Wettbewerbsteam:
"Zum Beispiel gibt es die Bug-Box."
Sehr chic in Altrosa und Cremeweiß. Und mit kleinen Luftlöchern.
"Ja, eine Brotbüchse mit Würmern drin, das ist eine Mischung aus Kompost und Brotbüchse. Es geht auch darum, Gewohnheiten zu hinterfragen. In manchen Ländern ist das schon üblich, Insekten zu essen. Also, Insekten leben in der Brotbüchse und vermehren sich, das ist eine kleine Vision von einer unerschöpflichen Nahrungsquelle. Auch um darauf hinzuweisen, dass wir 2050 schon drei Erden bräuchten, um alle Menschen zu ernähren, dass man da manches hinterfragen muss."
Insektenfrühstück statt Käsebrot. Nachdenken, umdenken, in Deutschlands Designszene gibt es einiges aufzuholen. Der Marianne Brandt Wettbewerb in Chemnitz gibt jungen Designern - und nun auch weltweit - eine Plattform für neue freie Denkräume. Mirko Hinrichs:
"Das ist halt wie so ein Kreativmarktplatz, in Deutschland ist das schon was Besonderes."
Die Männer vom Biest-Büro wissen das zu schätzen:
Silvio Scheller: "Ich glaub, es fehlt auch der große Raum für die Prototypen."
Mirko Hinrichs: "Das meine ich eben, dass es hier eben die Möglichkeit gibt, dass schon Ideen honoriert werden, Ideen hier überhaupt angeguckt werden."
Silvio Scheller: "Es darf weiter diskutiert werden, das bietet diese Plattform hier einfach und das ist toll."
Weitere Informationen
Das Chemnitzer Industriemuseum eröffnet am Samstag seine Sonderausstellung zum fünften Marianne Brandt Wettbewerb, der neben Fotografien und Produktdesign auch Arbeiten junger Designer zeigt. Der Wettbewerb, der die Erinnerung an die Chemnitzerin und legendäre Bauhaus-Designerin Marianne Brandt lebendig halten möchte, war in diesem Jahr erstmalig weltweit ausgeschrieben worden.
Eine hochkarätige internationale Jury hat 70 Arbeiten aus den 300 Einsendungen ausgewählt und sie wird 17 Preisträger im Chemnitzer Industriemuseum auszeichnen. Es geht um insgesamt 26.000 Euro Preisgelder, ausgelobt vor allem vom Sächsischen Staatsministerium für Kunst und Wissenschaft, und es geht um einen Ausstellungsmarathon, der auch nach Leipzig, Berlin, Moskau, Oslo und Tokio führt.
In der riesigen Chemnitzer Ausstellungshalle stehen die beiden vor einem mannshohen Pappturm. Schönste Industriearchitektur, 19. Jahrhundert, die Fotos sind noch nicht gehängt, die Kisten der Produktdesigner noch nicht ausgepackt, doch mittendrin ein Insektenhotel? Mirko Hinrichs:
"Und zwar ist das Material Wabenpappe, das werden wir in einer halben Stunde aufgebaut haben, das wird vier Meter lang sein, zwei Meter hoch, eine Art Denkraum, eine Zelle, die man überall mit hinnehmen kann und man kann so ungenutzte Räume erobern."
Auserwähltes Design aus 300 Teilnehmern und 20 Nationen. Und nominiert für den fünften Marianne Brandt Wettbewerb in Chemnitz. Ein intimer Ruheraum oder ein kreativer Spielplatz für Kleine und Große?
Dieses modulare Stecksystem regt explizit zum Mitdenken an, es ist das Ergebnis vieler Experimente und ganz im Einklang mit Marianne Brandts Prinzipien: Es ist nützlich und poetisch zugleich.
Mirko Hinrichs: "Wir kamen dann eben auf das Material der Wabenpappe, das ist unglaublich in der Stabilität, in der Leichtigkeit, im Herstellungsverfahren, es ist halt ein Altpapier und das kann man dann eben ..."
Silvio Scheller: "... auf den Müll werfen oder recyceln. Es ist keine Sache, die uns 800 Jahre beschäftigen wird auf der Welt."
Nützliches Design, das - im konsequentesten Fall - gar keinen Müll erzeugt und Ressourcen schont, das ist die Idee im Sonderwettbewerb mit dem englischen Namen "Cradle to Cradle". Design für morgen und übermorgen, so Stefan Hannig vom Team des Marianne Brandt Wettbewerbs, packt große globale Probleme an:
"Die Arbeiten in der Sonderkategorie 'Cradle to Cradle' beschäftigen sich mit allen relevanten Kernthemen, da geht es um energetische Effektivität, darum, dass Produkte ungiftig sind, auch kompostierbar so verarbeitet. Und es geht darum, auch komplexe Kreislaufsysteme mitzudenken."
Oder, so taten es auch Marianne Brandt und ihre Kollegen vom Bauhaus in Weimar und Dessau, Design radikal zu überdenken. Jetzt in Chemnitz kreisen viele der preiswürdigen Arbeiten um Kleidung: edel, raffiniert, unbedingt giftfrei, und ja, sogar essbar - ein ganz wichtiges Thema. Und überhaupt: Nahrung für alle. Linda Pense vom Wettbewerbsteam:
"Zum Beispiel gibt es die Bug-Box."
Sehr chic in Altrosa und Cremeweiß. Und mit kleinen Luftlöchern.
"Ja, eine Brotbüchse mit Würmern drin, das ist eine Mischung aus Kompost und Brotbüchse. Es geht auch darum, Gewohnheiten zu hinterfragen. In manchen Ländern ist das schon üblich, Insekten zu essen. Also, Insekten leben in der Brotbüchse und vermehren sich, das ist eine kleine Vision von einer unerschöpflichen Nahrungsquelle. Auch um darauf hinzuweisen, dass wir 2050 schon drei Erden bräuchten, um alle Menschen zu ernähren, dass man da manches hinterfragen muss."
Insektenfrühstück statt Käsebrot. Nachdenken, umdenken, in Deutschlands Designszene gibt es einiges aufzuholen. Der Marianne Brandt Wettbewerb in Chemnitz gibt jungen Designern - und nun auch weltweit - eine Plattform für neue freie Denkräume. Mirko Hinrichs:
"Das ist halt wie so ein Kreativmarktplatz, in Deutschland ist das schon was Besonderes."
Die Männer vom Biest-Büro wissen das zu schätzen:
Silvio Scheller: "Ich glaub, es fehlt auch der große Raum für die Prototypen."
Mirko Hinrichs: "Das meine ich eben, dass es hier eben die Möglichkeit gibt, dass schon Ideen honoriert werden, Ideen hier überhaupt angeguckt werden."
Silvio Scheller: "Es darf weiter diskutiert werden, das bietet diese Plattform hier einfach und das ist toll."
Weitere Informationen
Das Chemnitzer Industriemuseum eröffnet am Samstag seine Sonderausstellung zum fünften Marianne Brandt Wettbewerb, der neben Fotografien und Produktdesign auch Arbeiten junger Designer zeigt. Der Wettbewerb, der die Erinnerung an die Chemnitzerin und legendäre Bauhaus-Designerin Marianne Brandt lebendig halten möchte, war in diesem Jahr erstmalig weltweit ausgeschrieben worden.
Eine hochkarätige internationale Jury hat 70 Arbeiten aus den 300 Einsendungen ausgewählt und sie wird 17 Preisträger im Chemnitzer Industriemuseum auszeichnen. Es geht um insgesamt 26.000 Euro Preisgelder, ausgelobt vor allem vom Sächsischen Staatsministerium für Kunst und Wissenschaft, und es geht um einen Ausstellungsmarathon, der auch nach Leipzig, Berlin, Moskau, Oslo und Tokio führt.