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Online-Videothek
Netflix kommt nach Deutschland

Inzwischen gibt es in Deutschland zahlreiche Online-Videotheken, die per Einzelabruf oder Flatrate Serien und Filme auf den heimischen Fernseher bringen. Netflix ist in den USA der größte Anbieter. Nun will der Konzern den deutschen Markt erobern.

Von Panajotis Gavrilis | 21.05.2014
    Hauptsitz vom Online-Videothek-Anbieter Netflix im Silicon Valley (01.04.2008)
    Der Hauptsitz des Unternehmens Netflix ist im Silicon Valley. (picture-alliance/ dpa - Keystone USA c06)
    "Look at the Bigger Picture" – also frei übersetzt: "Das Große und Ganze sehen" ist das Motto der erfolgreichen US-Fernsehserie "House Of Cards" mit Kevin Spacey. Das große Ganze wollen nun auch die Macher der Serie, nämlich der Video-on-Demand Dienst Netflix aus den USA.
    Über Twitter gaben sie heute bekannt: "Es ist offiziell. Wir werden in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Belgien und Luxemburg Ende des Jahres starten."
    Bisher kennt man Netflix aus den USA, wo das Unternehmen mit dem Verleih von DVDs Ende der 1990er-Jahre anfing. 2007 fing der Konzern an, Videos über das Internet zu verbreiten. Heute ist es der größte Video-Anbieter in den USA mit mehr als 48 Millionen Kunden weltweit. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei über vier Milliarden US-Dollar.
    Auch einige Menschen in Deutschland dürfte die Ankündigung des Unternehmens gefreut haben, wie Volker Zota von der Computerzeitschrift "ct" weiß:
    "Dieser Ruhm, der schallt natürlich auch bis zu uns. Es gibt viele Leute, die Netflix jetzt schon versuchen, über die USA zu gucken. Da muss man immer rumtricksen. Es ist natürlich auch nur eine Grauzone, sag ich mal. Jetzt hoffen natürlich alle, es kommt hier rüber, obwohl es hierzulande natürlich auch diverse Angebote gibt."
    Dazu gehören unter anderem die Online-Videothek Maxdome von ProSiebenSat.1, Watchever, Snap vom Bezahlsender Sky oder auch Amazons Prime Instant Video.
    Zeitpunkt für den Start am deutschen Markt noch unklar
    Wann Netflix genau auf dem deutschen Markt seine Dienste anbieten wird, hat das Unternehmen noch nicht verraten. Auch auf welchen Geräten die Video-Streams laufen werden und wie viel der Dienst schlussendlich kosten wird, ist noch unklar. Die Konkurrenz dürfte es gegen den US-Anbieter aber nicht leicht haben, so Zota:
    "Die müssen sich sicherlich warm anziehen, weil es einen neuen Konkurrenten geben wird. Aber das heißt nicht, dass Netflix plötzlich ein viel viel besseres Angebot haben wird, weil die mit den gleichen Problemen eben dieser Rechteverwertung haben werden, wie die anderen Dienste hierzulande auch."
    Denn es ist noch unklar, welche Serien Netflix hierzulande anbieten wird und ob tatsächlich die Inhalte, die man in den USA sehen kann, auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern erhältlich sein werden. Der Grund: Verwertungsverträge und regionale Vertriebsrechte könnten das erschweren. Beispielsweise könnte die von Netflix selbstproduzierte Erfolgsserie "House Of Cards" womöglich nicht im eigenen Dienst zu sehen sein, da die Rechte schon zuvor an Fernsehsender verkauft wurden. Für Netflix-Chef Reed Hastings sind dies bekannte Probleme:
    "Wissen Sie, es ist frustrierend für die Menschen, weil es Exklusiv-Rechte gibt. Und so geht das immer hin und her. Es wird erst dann besser werden, wenn das Internet größer wird, wenn wir größer werden, weil wir dann mehr von den Inhalten selbst kaufen können."
    Und genau diese Expansionspolitik von Netflix macht Fernsehsendern hierzulande Angst. Große Fernsehsender kritisieren die deutschen Kartellwächter, nachdem die Öffentlich-Rechtlichen und privaten Sender selbst mit einer senderübrgreifenden Video-Plattform am Kartellamt gescheitert waren. Die Wettbewerbslage schade dem Medienstandort Deutschland, heißt es seitens der Sender. Doch das dürfte den meisten potenziellen Kunden von Netflix ziemlich egal sein, wenn es um ihre Lieblingsserien geht.