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Ortserkundungen
Wer braucht das Oderbruch?

Als sich im Sommer 1997 gewaltige Wassermassen die Oder entlang wälzten und die Deiche nur mit ungeheurer Kraftanstrengung gehalten wurden, war das Oderbruch gerade 250 Jahre alt. Im Juli 1747 hatte die Umgestaltung des einstigen Sumpfgebietes begonnen - ein Landschaftsprojekt, wie es bis dahin noch keines gegeben hatte.

Von Rosemarie Mieder und Gislinde Schwarz | 11.08.2017
    Blick am 06.08.2017 vom Oderbruchhang «Schöne Aussicht» im Landkreis Märkisch-Oderland nördlich von Lebus (Brandenburg) auf das Odervorland mit dem deutsch-polnischen Grenzfluss Oder.
    Blick vom Oderbruchhang "Schöne Aussicht" (dpa / picture alliance / Patrick Pleul)
    Am Ende floss die Oder in einem neuen Bett und 32500 Hektar fruchtbarer Boden konnten bestellt werden: ein riesiger Gemüsegarten für Berlin. Er habe friedlich eine Provinz erobert, erklärte Friedrich der Große stolz - wirklich befriedet jedoch war das Oderbruch nie. Denn auch nach seiner Trockenlegung blieb es, was es war: ein Land tief unterhalb des Flusses. Immer mehr Kraft und auch Geld mussten aufgewendet werden, um zu entwässern oder auch zu beregnen, damit das Bruch weiter bewohnt und bewirtschaftet werden konnte.

    Über Sinn und Nutzen wird heute heftig gestritten, leben hier doch pro Quadratkilometer kaum 70 Menschen. Und so werden immer wieder Fragen laut: Wer braucht das Oderbruch? Kann die friedlich eroberte Provinz gehalten werden? Und warum ist das "Konzept Oderbruch 2010" auch heute, 2017, vor allem eines: Papier?