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Ost-Ukraine
Familie Janukowitsch und die Unruhen

Die Polizei im Gebiet um Donezk wird immer mehr von pro-russischen Separatisten infiltriert. Nach Ansicht des früheren Innenministers aus der Regierung Timoschenko ist die Miliz gekauft: durch die Familie Janukowitsch und den russischen Geheimdienst FSB .

Von Sabine Adler | 15.04.2014

    Sicherheitskräfte schützen das Gebäude der Regionalverwaltung in Donezk, Ost-Ukraine
    Sicherheitskräfte schützen das Gebäude der Regionalverwaltung in Donezk, Ost-Ukraine (picture-alliance / dpa / Irina Gorbaseva)
    "Bis vor kurzem haben wir gedacht, dass etwa 30 Prozent der Polizisten im Donezker Gebiet loyal sind, und dementsprechend 70 Prozent die Arbeit sabotieren", schreibt Dmytro Tymchuk, Direktor des Forschungszentrums für Militär und Politik. Nun hat er sich öffentlich korrigiert: Der loyale Teil unter den Polizisten sei viel zu hoch angesetzt gewesen. Wie Recht er hat, zeigte sich gestern in der Stadt Gorliwka im Donezker Gebiet. Genau auf einem Hof des dortigen Polizeireviers.
    Rund zwei Dutzend Milizionäre waren in Zweierreihe angetreten, alle in blauen ukrainischen Polizeiuniformen. Vor ihnen stand ein Mann im Tarnanzug, der sich als russischer Offizier vorstellte und ihnen sogleich die Richtung diktierte.
    "Ihre Aufgabe ist die Sicherung der Ordnung, keine Plünderungen zuzulassen, keine nicht sanktionierten Besetzungen von Gebäuden. Sie müssen sich von den Polizisten unterscheiden, die noch nicht auf die Seite des Volkes gewechselt sind. Ich bitte sie, das Georgsband an ihre rechten Schulterstücke zu binden."
    Das orange-schwarze Sankt-Georgs-Band ist ein Tapferkeitszeichen des russischen Militärs, es flattert jetzt an ukrainischen Polizeiuniformen, kein einziger der Beamten hat sich gewehrt. Einer der Erzfeinde von Ex-Präsident Viktor Janukowitsch, der ehemalige Innenminister in der Regierung von Julia Timoschenko, erklärt den Grund für den reihenweisen Verrat im Polizeiapparat.
    "Seit 2010 hat die gesamte Leitung der Gebietspolizei und deren Stellvertreter von dem Sohn von Janukowitsch Umschläge mit Geld bekommen. Ständig. In den Gebieten von Donezk, Charkiw, Lugansk, Saporoschje und Dneprpetrowsk. Die gesamte Führung dieser Region war abhängig von dieser Mafia-Familie. Alle erhielten und erhalten bis zum heutigen Tag diese Zusatzzahlungen in den Umschlägen. Und sie sind jetzt sogar noch wesentlich höher als früher. Die Miliz im Donezker Gebiet ist gekauft und dient der Familie Janukowitsch. Hinter allen Aktionen der Separatisten stehen der russische Geheimdienst FSB, das Geld Janukowitschs, der Ex-Chef der Donezker Polizei Romanow und der ehemalige Vize-Innenminister Dubikow. Diese drei Figuren koordinieren die Separatisten im Osten."
    Janukowitsch, der sich heute im russischen Exil befindet, stammt aus Donezk. Sein Sohn und dessen Freund wurden innerhalb weniger Jahre Dollarmilliardäre. Die Familie will jetzt ihre Pfründe retten, ist Luzenko überzeugt. Aus seiner Zeit als Innenminister hat er klare Vorstellungen, wie er mit den illoyalen und korrupten Polizisten umgehen würde.
    "Angesichts der drohenden russischen Aggression und dieser fünften Kolonne, die für Moskau tätig ist, muss das Polizei-Personal in ein Rotationsverfahren geschickt werden. Das heißt, die Beamten aus dem Osten müssen in den Westen und umgekehrt."
    Ähnlich wie bei den Soldaten auf der Krim verhält es sich bei den ukrainischen Polizisten im Osten. Sie bekommen nur 300 Dollar im Monat, die russischen Kollegen gleich hinter der nahen Grenze 1200 Dollar. Da möchte so mancher lieber zu Russland zu gehören.