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Outdoor-Produkte
Deutschland ist draußen ein Schwergewicht

Ob Wanderstiefel, Rucksäcke oder Funktionskleidung – für Zubehör für Sport und die aktive Freizeitgestaltung wird viel Geld ausgegeben. Was auf diesem Markt alles angeboten wird und wie die Geschäfte laufen, zeigt die Fachmesse "Outdoor" in Friedrichshafen am Bodensee, der größten Messe dieser Art weltweit.

Von Thomas Wagner | 15.07.2015

    Camper sitzen an einem Tisch neben ihrem Zelt mit Blick auf den See auf einem Zeltplatz in Argeles-sur-mer in Südfrankreich.
    Neben Funktionskleidung, Schlafsäcken, Schuhen fürs Bergwandern sind es häufig solche skurril anmutenden, aber durchaus innovativen Innovationen, die den europäischen Outdoor-Markt leicht wachsen lassen. (Raymond Roig / AFP)
    Beispiel eins: Ein Kajak, zusammenfaltbar auf die Größe eines Rucksacks. Steffen Sator, Outdoor-hersteller aus Ulm:
    "Es ist ein Kajak, ein faltbares Kajak. Dann ist es so ein kleines Päckchen. Man hat eine Rucksacktasche. Die ist 90 auf 25 Zentimeter ungefähr groß. Wenn da Boot aufgebaut ist, hat es 4,20 Meter Länge."
    Beispiel zwei. Der Rucksack mit integrierter Waschmaschine. Ashley Newland, Outdoor-Tüftler aus Australien:
    "Es ist eins ehr funktionaler Tagesrucksack. Und am Ende des Tages kann man die Kleider darin waschen. Weil darin haben wir ein sehr flexibles Waschbrett."
    Neben Funktionskleidung, Schlafsäcken, Schuhen fürs Bergwandern sind es häufig solche skurril anmutenden, aber durchaus innovativen Innovationen, die den europäischen Outdoor-Markt leicht wachsen lassen. 4,83 Milliarden Euro setzten die europäischen Outdoor-Hersteller im vergangenen Jahr um, rund 1,4 Prozent mehr Jahr als ein Jahr zuvor. Auf den Handel bezogen, wurden europaweit Outdoor-Artikel im Wert von 10,2 Milliarden Euro verkauft; im Durchschnitt werden die Outdoor-Artikel also für das Doppelte der Herstellungskosten verkauft. Und europaweit liegt Deutschland, was Herstellung und Verkauf von Outdoor-Produkten angeht, ungeschlagen an erster Stelle. Der Niederländer Jon Jansen ist Präsident der europäischen Fachgruppe Outdoor:
    "Deutschland gilt europaweit hier als 'Big-Player'. 27 Prozent des europäischen Outdoor-Geschäftes entfällt auf Deutschland, schon alleine wegen seiner Größe."
    Produktionstrend geht zurück nach Deutschland
    Immer werden viele Outdoor-Produkte in Asien gefertigt. Allerdings zeichnet sich gerade bei kleineren, innovativen Unternehmen ein Trend zurück nach Deutschland ab. Steffen Sator, Kajak-Hersteller aus Ulm:
    "Bei dem Boot war es uns ganz wichtig, dass wir es von A bis Z in Deutschland und bei uns in de Region herstellen können."
    Und das trifft zunehmend nicht nur auf kleine Paddel- und Ruderboote, sondern auch auf Outdoor-Kleidung zu. Jon Jansen, Präsident der Europäischen Fachgruppe Outdoor:
    "Diese Entwicklung hat zwei Gründe: Der chinesische Markt beispielsweise ist nicht gerade einfach, vor allem, wenn es um die Versorgung mit den notwendigen Textilmaterialien geht. Da sind in letzter Zeit viele Fabriken geschlossen worden, weil die Herstellung elektronischer Teile im Gegensatz zu Textilien mehr Profit verspricht. Auf der anderen Seite schätzen europäische Outdoor-Verbraucher auch wieder zunehmend Produkte, die in Europa hergestellt werden."
    Matthias Gebhard, Geschäftsführer eines Outdoor-Onlinehandels in Tübingen, bestätigt das. Nicht zuletzt wegen der verheerenden Katastrophen in Textilfabriken in Bangladesch wollten immer mehr Outdoor-Kunden wissen, unter welchen Bedingungen eine Jacke, ein Schlafsack oder ein Rucksack hergestellt worden ist.
    "Ich behaupte, dass es sicherlich einen Anteil gibt von Kunden, ob das jetzt zehn, 20 oder 30 Prozent sind, der legt Wert auf Nachhaltigkeit. Der legt auch starken Wert auf lokale Produktion. Die anderen Kunden goutieren das ehrlicherweise nicht. Als Händler goutiere ich das aber sehr wohl. Denn jemand, der hier vor Ort produziert, also da kann man nachordern, da gibt es immer Verfügbarkeiten. Das ist durchaus positiv zu bewerten."