
Beobachter sprechen angesichts sinkender Umfragewerte von Kremlchef Putin dennoch von einem Stimmungstest. Es ist die erste Wahl der Staatsduma mit ihren 450 Abgeordneten seit Beginn des russischen Angriffskrieges im Frühjahr 2022. Insgesamt sind mehr als 110 Millionen Menschen zur Stimmabgabe für eine der zehn kremlnahen Parteien aufgerufen. Gegen den Protest der Ukraine findet die Wahl erstmals auch in den von Russland kontrollierten Teilen der völkerrechtswidrig annektierten ukrainischen Regionen Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson sowie erneut auf der Halbinsel Krim statt.
Putin spricht von Symbol für die Einheit des Landes
Putin stellt die Abstimmung als Symbol für die Einheit Russlands und als Votum für einen Sieg des Landes im Ukraine-Krieg dar. Die Partei „Jabloko“, die den Krieg ablehnt, wurde im August als letzte Oppositionskraft von der Wahl ausgeschlossen. Mit der Golos-Bewegung musste zudem die letzte unabhängige Wahlbeobachtungs-Organisation im vergangenen Jahr nach anhaltenden Repressionen schließen. Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa sind nicht eingeladen.
Russische Exil-Politologin Schulmann: Es wird genau beobachtet, wer wählen geht und wer nicht
Die russische Politologin Ekaterina Schulmann, die seit 2022 im deutschen Exil lebt, sagte dem Bayerischen Rundfunk vor einigen Tagen, sie gehe von einer Zwei-Drittel-Mehrheit für das „Geeinte Russland“ aus. Die Behörden beobachteten genau, wer wählen gehe. Zitat: "So weiß das System, wer bereit ist, mitzumachen, und wer vielleicht weniger bereit ist." Die Politologin Sabine Fischer sagte der "Zeit", mit der Wahl solle eine Art Normalität hergestellt und gezeigt werden, dass man die Situation unter Kontrolle habe.
Hardt (CDU): "Die Wahl ist eine Farce"
Der CDU-Außenpolitiker Hardt erklärte, die Wahl sei eine Farce, und echte Wahlfreiheit sei nicht gegeben. Angesichts der verschlechterten Umfragewerte für Putin sei davon auszugehen, Zitat, "dass die diktatorische Staatsführung noch stärker darauf dringen wird, ein Ergebnis für die Putin-Partei Einiges Russland sicherzustellen, das den Schein wahrt". Auch sei der Ausschluss von Jabloko ein Zeichen der Schwäche. Putin wisse, dass seine Beliebtheitswerte angesichts der steigenden Inflation, der hohen Zahl an Kriegsopfern und der zunehmend spürbaren ukrainischen Gegenangriffe auf russisches Territorium gesunken seien.
Duma-Wahl in Russland - Test für Putins Repressionsapparat
Diese Nachricht wurde am 18.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
