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Startseite@mediasresGratwanderung Journalismus25.07.2019

Perlen der Pressefreiheit: SüdafrikaGratwanderung Journalismus

Die Situation der Pressefreiheit in Südafrika gilt als vorbildlich. Doch Journalistinnen und Journalisten fürchten inzwischen um ihre Rechte – nehmen den Kampf aber auf.

Von Jana Genth

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2011 demonstrierten viele Menschen in Südafrika gegen die Verabschiedung eines neuen Informationsgesetzes zur Zensur der Presse. (picture alliance / dpa / Ralf Hirschberger)
2011 demonstrierten viele Menschen in Südafrika gegen die Verabschiedung eines neuen Informationsgesetzes zur Zensur der Presse. (picture alliance / dpa / Ralf Hirschberger)
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Südafrika hat eine Verfassung, die weltweit als vorbildlich gilt. Auch die Pressefreiheit ist geschützt. Nomazuku Moyo, eine freiberufliche Journalistin, sagt: "Ich kann meine Arbeit machen, ohne beeinflusst zu sein. In anderen Ländern werden Journalisten gefoltert und getötet, aber hier sind wir frei."

Ihr Kollege Tony Manyangadze kommt aus Simbabwe und arbeitet jetzt in Südafrika. Er sagt auch, im Vergleich zu anderen Ländern gehe es Reportern in Südafrika sehr gut. "Solange man alle Dokumente hat und sich ordentlich anmeldet, kann man in Südafrika frei arbeiten, vor allem, wenn ich das mit Simbabwe vergleiche, ist es hier weitaus besser. In Simbabwe sind die Medien polarisiert, hier sind sie frei. Solange man sauber arbeitet, glaube ich, hat man keine Probleme."

"Alles ist relativ"

Die Menschen sind tatsächlich gute Gesprächspartner und sie erzählen gern. Behörden aber sind vorsichtiger. Mitunter wartet man wochenlang auf Auskünfte. Seit sechs Jahren gilt überdies das Gesetz zum Schutz von Staatsinformationen. Also, nicht alles wird mehr Preis gegeben – Skandale aufzudecken, ist immer auch eine Gradwanderung. Deshalb sagt Zama Luthuli, alles sei relativ.

"Wir haben natürlich eine Verfassung, die behauptet, Medienfreiheit zu schützen. Wenn sie eingefordert wird, stimmt das aber nicht immer. Heute zum Beispiel wollte ich über die Untersuchungs-Kommission für Korruption berichten, aber die Sicherheitskräfte haben sich uns gegenüber bedrohlich verhalten. Auf dem Papier sieht es ganz gut aus, aber in der Realität sehe ich das nicht. Es wird gepredigt, aber nicht umgesetzt."

Nicht zu unterschätzen sind populistische Gruppierungen in der Politik. Black First Land First zum Beispiel ist eine Partei, die in keinem Parlament vertreten ist. Ihr Credo ist: Alles Land sei direkt von schwarzen Afrikanern gestohlen worden, die Enteignung ohne Entschädigung ist die zentrale Forderung. Führende Mitglieder der Partei haben investigative Journalisten schon mehrfach bedroht. Auch Peter Bruce hat das zu spüren bekommen, nachdem er einen Kommentar in der Zeitung "Business Day" veröffentlich hatte.

"Sie haben mich einfach beschimpft, mich als Rassist oder als Kapitalist bezeichnet, als jemand, der weißes Kapital schützt. Sie sagten, sie wollten mein Haus haben, dass ich das Grundstück gestohlen hätte. Ich habe mich nicht wirklich bedroht gefühlt, sorge mich aber um meine Nachbarn."

Pessimistischer Blick in die Zukunft

Begegnungen dieser Art hat es schon öfter gegeben, zum Beispiel wenn Journalisten über womöglich korrupte Machenschaften des früheren Präsidenten Zuma berichteten. Dass das überhaupt möglich ist und Journalisten zu Hause zur Rede gestellt werden, das beunruhigt Peter Bruce:

"Das ist schon gefährlich und beängstigend. Wenn es mir passiert ist, kann es auch anderen passieren. Das muss aufhören, aber ich weiß nicht, wie. Das Verzwickte ist doch: Wir berichten akkurat oder kommentieren auch fair und ausgewogen. Das hält Menschen, die das anders sehen, aber nicht davon ab, zu handeln."

Insgesamt ist die Zeitungslandschaft in Südafrika nicht entspannt – die Zahl der Leser sinkt seit langem, es gibt finanzielle Engpässe, die Nachfrage nach Online und sozialen Medien ist groß. Das heißt, Auflagen werden keiner, Personal wird weniger, die Vielfalt geringer, und der Druck größer, etwa bei der Sunday Times. Das ist die größte Sonntagszeitung Südafrikas, sie erscheint in englischer Sprache und wird landesweit vertrieben. Ende des vergangenen Jahres war aber eine hochoffizielle Entschuldigung fällig -  Titelgeschichten in den vergangenen Jahren waren mitunter falsch gewesen, von politischer Manipulation war die Rede. Das klingt Zama Luthuli inzwischen richtig pessimistisch.

"Wir können schon einiges machen, was Journalisten in anderen afrikanischen Ländern nicht können. Wir haben Rechte und sind in gewisser Weise privilegiert, aber gleichzeitig entgleitet uns das. Bevor wir es wissen, könnte es hier sein wie in anderen afrikanischen Ländern."

Zama Luthuli sagt das mit erhobenem Zeigefinger. Aber noch steht Südafrika mit seinem Medienrecht recht gut da.

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