Dienstag, 16. August 2022

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Peter Gülke
"Den Dirigenten in unserem Sinne hat es bis in die Beethoven-Zeit nicht gegeben"

Das Bild des Dirigenten habe sich vom 19. Jahrhundert bis heute gewandelt, sagte der Dirigent, Musikwissenschaftler und Autor Peter Gülke im DLF. Ob er mit seinem aktuellen Buch "Dirigenten" ein umfassendes Bild dieser Berufsgruppe anbieten könnte, müsse der Leser entscheiden.

Peter Gülke im Gespräch mit Christoph Vratz | 10.04.2017

    Die US-amerikanische Wissenschaftshistorikerin und Direktorin am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin, Lorraine Daston (l-r), der Dirigent und Musikwissenschaftler Peter Gülke und der Autor und Filmregisseur Edgar Reitz erhalten am 28.11.2016 im Antiquarium der Residenz in München (Bayern) vom bayerischen Ministerpräsidenten den Bayerischen Maximiliansorden.
    Peter Gülke, hier bei der Verleihung des Bayerischen Maximiliansordens im Antiquarium der Residenz in München im November 2016. (picture alliance / dpa - Andreas Gebert)
    In seinem Buch gebe es auch "eklatante Lücken", so Gülke, so habe er zum Beispiel Leonard Bernstein nicht mitaufgenommen. "Es lag mir daran, im Wesentlichen Leute zu behandeln, die ich selbst noch erlebt habe oder mit denen ich auch eine persönliche Beziehung gehabt habe", sagte der 1934 geborene Dirigent.
    Mit dem Wandel des Dirigenten-Bildes befürchtet er, "dass bestimmte Arten von Gewissenhaftigkeit in der Auseinandersetzung mit Partituren, die ich bei vielen Alten kennengelernt habe, unter die Räder kommen", so Gülke. Schließlich würde sich heute in der Opern- oder auch in der Schauspielregie vieles um Auffälliges, Neues und Originelles drehen. Das könne auch die Interpretation der Musiker beeinflussen. "Wir blöden Musiker sind ja eigentlich darauf angewiesen, möglichst erst einmal einen Wortlaut herzustellen und treu zu realisieren und wenn wir das Gefühl haben von einer Partitur vielleicht 85 Prozent halbwegs erwischt zu haben, dann sind wir ja glückliche Leute."
    Das gesamte Interview mit Peter Gülke können Sie sechs Monate in unserer Mediathek nachhören.