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StartseiteJazzVon Monk bis Minimal Music05.04.2021

Piano-SolitäreVon Monk bis Minimal Music

2020 starb der Pianist Frank Kimbrough. Seine letzte Großtat: eine Quartetteinspielung des Gesamtwerks von Thelonious Monk. Außerdem Thema: Der abenteuerliche Weg des Pianisten Harold Budd vom Free Jazz zu minimalistischem Ambient.

Am Mikrofon: Karl Lippegaus

Maria Schneider Jazz Orchestra beim Jazzfest im Haus der Kulturen der Welt Berlin: Frank Kimbrough Mary Schneider Jazz Orchestra the Jazz festival in House the Cultures the World Berlin Frank Kimbrough  (Imago/Brigani-Art)
Er war 25 Jahre lang Pianist des Maria Schneider Orchestra: Frank Kimbrough (Imago/Brigani-Art)
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Frank Kimbrough war ein "musician's musician": Ein exzellenter, bei Kollegen hochgeschätzter Musiker, der selten im Licht der Jazz-Öffentlichkeit stand. Er gilt als Post-Bop-Pianist, aber fand sich mühelos in praktisch jedem Jazz-Idiom zurecht. Anfang der 1990er-Jahre wurde er Mitglied des Jazz Composers Collective. Mit seinen Kollegen aus diesem Band-Projekt beschäftigte er sich ausführlich mit dem Werk des Jazzklavier-Außenseiters Herbie Nichols. 2018 nahm er sämtliche Kompositionen des großen Klavier-Individualisten Thelonious Monk mit seinem Quartett auf. Kimbroughs Trioplatte "Solstice" von 2016 wurde als meditatives Meisterwerk gefeiert. Er starb am 30. Dezember 2020 im Alter von 64 Jahren.

Harold Budds musikalischer Weg steht im Zeichen der Entschleunigung. Dass seine Alben wie "The Plateaux Of Mirror" oder "The Pearl" ein umfassendes Gefühl von Ruhe und innerer Balance vermitteln, wurde oft damit erklärt, dass der 1936 in Los Angeles geborene Pianist in Victorville unweit der riesigen Mojave-Wüste aufgewachsen war. Sein muskalischer Weg nahm einige abenteuerliche Wendungen. Während seiner Militärzeit war er als Schlagzeuger mit dem späteren Free Jazz-Pionier Albert Ayler aktiv gewesen. Stark interessiert an der Musik von John Cage und dem Minimalisten Terry Riley, ließ er sich gerne von der kontemplativen Malerei Mark Rothkos inspirieren. Der Durchbruch kam mit der 1978 von Brian Eno produzierten Platte "The Pavillon Of Dreams". Zusammenarbeiten mit Pop-Künstlern wie Daniel Lanois und den Cocteau-Twins folgten. Mond, Wind, Wolken und das Wechselspiel von Tages- und Nachtlicht tauchen in den Titeln seiner Werke ebenso häufig auf wie Bezüge auf musikalische Weggefährten. Mit "The Room" präsentierte der Klangarchitekt ein Album, auf dem er Musik für imaginäre Räume gestaltete. Gegen Ende seines Lebens schrieb er Streichquartette und schuf Filmmusik. Am 11. November 2020 starb er an den Folgen einer Covid-19-Infektion. 

Außerdem in der "Radionacht Jazz": Musik von Susan Alcorn, Jakob Bro, Naissam Jalal, Jean-Marie Machado u.a.

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