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Pilotenstreik
Lufthansa streicht 25 Flüge

Wegen eines neuen Pilotenstreiks bleiben am Dienstag Tausende Lufthansa-Passagiere am Boden. Betroffen sind Fernflüge, die vom wichtigsten Lufthansa-Drehkreuz Frankfurt starten. Von 57 Flügen fallen 25 aus.

Von Brigitte Scholtes | 29.09.2014

    Lufthansa-Maschinen am Frankfurter Flughafen
    Lufthansa streicht vorerst 50 Frankfurter Langstreckenflüge. (dpa / picture-alliance / Boris Roessler)
    Es ist eine komplexe Gemengelage. Vordergründig streiten die Lufthansa-Piloten für die Erhaltung ihrer Übergangsversorgung, aber es geht eigentlich um viel mehr. Seit Jahresanfang zahlt Lufthansa nicht mehr die Übergangsversorgung für die neu eingestellten Piloten. Die Pilotenvereinigung Cockpit aber möchte diese für alle 5.400 Lufthansa-Piloten erhalten. Ingolf Schumacher, Sprecher der Pilotengewerkschaft:
    "Wenn Lufthansa konkrete Angebote im Bereich der Übergangsversorgung macht, und Lufthansa weiß ganz genau, welches die Forderungen der Vereinigung Cockpit sind, dann kommen wir an den Verhandlungstisch und können sicherlich auch über ganz andere Themen sprechen. Aber in diesem Arbeitskampf geht es jetzt erst mal in der Tat um die Übergangsversorgung, und hier erwarten wir, dass Lufthansa endlich ablässt, ihre Pläne aufrechtzuerhalten, nach denen die Übergangsversorgung für das neu einzustellende Personal ganz wegfallen soll."
    Verhandlungen hat es nie gegeben
    Lufthansa aber vermisst wirkliche Verhandlungen, in denen sich die Tarifparteien aufeinander zubewegen, die habe es auch in der letzten Runde nicht gegeben. Lufthansa-Sprecherin Barbara Schädler:
    "Das würden wir gern tun, aber Verhandlungen hat es nie gegeben. Es wird von uns erwartet, dass wir unterschriftsreife Vorschläge machen. Das hat es, glaube ich, in der Tarifpolitik in Deutschland überhaupt noch nie gegeben. Von daher können wir nur weiter zum Gespräch einladen und zu Verhandlungen."
    Aber da sind eben auch noch andere Themen: Zum einen der Plan, einen Teil der Lufthansa-Langstreckenflugzeuge zu günstigeren Bedingungen für Privatreisende zu reservieren, das ist das sogenannte Projekt Jump. Barbara Schädler:
    "Kann die Lufthansa durch Zugeständnisse von allen Beteiligten für bestimmte Strecken, die mehr privatreise-orientiert sind, 20 Prozent Kosten insgesamt senken, aber unter Lufthansa weiterfliegen mit demselben Produkt und mit derselben Leistung, wie wir sie sonst auch haben, oder müssen wir diese Linien einstellen? Da haben alle Beteiligten außer der Vereinigung Cockpit ihre Beiträge geleistet. Mit der Vereinigung Cockpit konnten wir uns da leider in der vergangenen Woche nicht einigen. Und von daher müssen wir nun überlegen, wie wir im Rahmen der geltenden Verträge mit anderen Piloten aus der Lufthansa-Group diese Linien sicherstellen können."
    Lufthansa geht ihren eigenen Weg
    Die Piloten wiederum meinen, grundsätzlich sei das möglich, aber Lufthansa gehe etwas weit. Ingolf Schumacher:
    "Wir haben bestehende Regelungen, die durchaus den Einsatz von Fremdpersonal zulassen. Es ist allerdings so, dass diese sogenannte Web-lease-Klausel einen ganz anderen Hintergrund hatte. Es sollte nicht permanent externes Personal eingesetzt werden können, sondern nur zur Abdeckung von besonderen Spitzen. Und Lufthansa geht jetzt einen anderen Weg und verabschiedet sich damit auch vom Gedanken, der eigentlich dieser Tarifvereinbarung auch zugrunde gelegen hat."
    Und schließlich gibt es noch das Wings-Projekt, die Gründung einer eigenen Billigfluglinie für die Langstrecke. Die hat der Aufsichtsrat in der vergangenen Woche genehmigt.