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Platz-Patronen in Rio?

Die Verantwortlichen der bedeutenden Turniere im Profigolf planen normalerweise mit Bedacht. Doch die Rückkehr der Sportart ins Olympische Programm steht unter einem schlechten Stern. Es ist nicht klar, wem das Gelände gehört, auf dem 2016 die Wettbewerbe ausgetragen werden sollen. Nun muss die brasilianische Justiz entscheiden.

Von Jürgen Kalwa | 30.06.2012

Seine Großeltern kommen aus einem kleinen Ort in der Pfalz. Kallstadt an der Weinstraße. Er selbst hat es in den USA zu Ruhm und Geld gebracht. Donald Trump. Casino-Betreiber. Reality-TV-Star. Manchmal Präsidentschaftskandidat. Aber mit Haut und Knochen und jeder Faser seines Unternehmerdaseins vor allem eins: Selbstdarsteller mit einer Vorliebe für Wolkenkratzer und Golfplätze.

""I love investing in golf. I think it’s good for all of us. Certainly for me.”"
Nicht irgendwelche Golfplätze. Was Trump auf die Beine stellt und in großen Lettern mit seinem Namen drapiert, muss Eindruck machen. Es ist "special”, "amazing”. Einzigartig. Fabelhaft. Bestnote zehn.

""I only do tens. You understand that”."

Bislang stieß Trump mit solchen selbstverliebten Erklärungen in den arrivierteren Golfzirkeln auf wenig Respekt. Sein neureiches Hoppla-Jetzt-Komm-ich-Getue schien nicht so recht zu der traditionsbewussten Sportart zu passen. Doch die verändert sich. Man sah es während des Baubooms in den letzten 30 Jahren, der viele Golfplatz-Architekten bestens ernährt hat.

Mit verantwortlich für den Trend waren die Organisationen, die sich rund um den Globus um die Profis kümmern – die Tiger Woods’s und Martin Kaymers – und die so etwas wie eine Schaufensterfunktion haben. Ihre Turniere sind Events. Sie brauchen Parkplätze für zehntausende von Besuchern. Künstliche Buckellandschaften, die aussehen, wie von der Natur modelliert, von deren Hängen aus die Zuschauer das Geschehen verfolgen können. Und lange Bahnen für die Topspieler, die den Ball mehr als 300 Meter weit schlagen.

Der ehrgeizige Trump weiß, was es kostet, so etwas zu bauen. Aber auch, was für bringt, auf seinem Platz ein Turnier wie die US Open zu veranstalten. Und sei es die der Frauen. Das ist gut fürs Image. 2017 wird es soweit sein, wie der Unternehmer neulich auf einer Pressekonferenz stolz verkündete:

""It is a great honor for me. So USGA, I wanna thank you. Mike, I wanna thank you in particular. And Tom. Thank you. Very much. And enjoy it.”"

2017 – eine Planung fünf Jahre im voraus. Das ist im Profigolf Standard. Umso verwirrender sind die Nachrichten aus Rio de Janeiro, wo 2016, ein Jahr vorher, die Olympischen Spiele stattfinden werden. Zum ersten Mal seit mehr als hundert Jahren wieder mit Golf im Programm. In Brasilien jedoch braut sich ein langwieriger Rechtsstreit zusammen. Um das Gelände, auf dem nach dem Willen des Organisationskomitees und der Stadt der neue Golfplatz für die Spiele entstehen soll. Es ist nicht klar, wem die Immobilie eigentlich gehört. Und womöglich sind deshalb die Pläne des erst vor wenigen Wochen verpflichteten amerikanischen Architekten Gil Hanse bereits Makulatur.

Trotzdem ist man bei der für das Olympische Turnier zuständigen Internationalen Golf Föderation IGF in Lausanne nicht besorgt. Antony Scanlon, der Geschäftsführer:

""Man hat uns versichert, dass das Gelände bereit sein wird, um den Golfplatz zu bauen. Ich habe persönliche Erfahrungen mit dem Kauf von Immobilien in Brasilien. Deshalb weiß ich, dass das oft passiert, dass Opportunisten die Gelegenheit nutzen und die Eigentumsverhältnisse anfechten. Wir sind nicht glücklich darüber. Aber es hat uns nicht überrascht. Wir halten uns an die Versicherungen, die uns die Stadt Rio und das Organisationskomitee gemacht haben. Wir sollten also keine Probleme haben.”"

Golfplatzprojekte sind keine Petitessen. Gebraucht werden zusammenhängende Flächen von 20 Hektar und mehr. Die lassen sich nicht überall einfach aus dem Katasterteppich herausschnibbeln. Anspruchsvolle Spielfächen zu gestalten, kostet 2 Millionen Euro und mehr. Nicht eingerechnet der Preis für das Grundstück selbst und Gebäude wie das Clubhaus und die Schuppen und Garagen für die Menschen, die später das Gras mähen und die Anlage pflegen.

Weshalb die Idee, einen Platz zunächst nur für die Olympischen Spiele zu bauen, auch so verwegen ist. Immerhin hat die Vorgehensweise auch Vorteile. Denn das Wettbewerbskonzept für Olympia verlangt etwas Besonderes: Dass die Frauen, die den Ball nicht so weit schlagen können, und die Männer in zwei Turnieren gleich nacheinander auf demselben Parcours antreten. Der Plan von Gil Hanse soll das alles gewährleisten. Auch um die Details will er sich kümmern und während der Bauphase in Rio de Janeiro wohnen.

Vorher allerdings wird er noch herausfinden, wie es ist, mit Donald Trump zu arbeiten, ein zäher Geschäftsmann, der mitunter auch gegen den Willen der örtlichen Bevölkerung seine Projekte durchdrückt. Wie die "Trump International Golf Links” außerhalb von Aberdeen. Green-Fee: umgerechnet 185 Euro.

Trump, der für sein Golf-Resort Doral in Miami den Architekten mit der Überarbeitung beauftragte, beglückwünschte sich selbst neulich in dem für ihn typischen Stil:

""Erst habe ich Gil Hanse verpflichtet, dann wurde er für die Olympischen Spiele ausgewählt. Sein Marktwert ist enorm gestiegen. Ich sage ihm immer: Ohne mich hättest du den Job nicht bekommen.”"