Donnerstag, 29. September 2022

Preisverleihung in Köln
Mit den Themen Zuwanderung, Rechtsextremismus, Russland zum Grimme Online Award

Satiriker Jan Böhmermann ging leer aus, im Gegensatz zu Deutschlandradio Kultur oder einem Twitter-Account über rechte Demos. In Köln wurden die Grimme Online Awards vergeben.

24.06.2016

    Die Jury prämierte gut gemachte Informationsangebote, die zum Teil auf die Initiative von Einzelnen zurückgehen. Aber auch klassische Medien wurden ausgezeichnet - zum Beispiel Deutschlandradio Kultur. Der Schwestersender des Deutschlandfunks in Berlin erhielt die Auszeichnung für eine Multimedia-Reportage: "Trappeto-Solingen-Trappeto... und zurück" erzählt von Zuwanderern aus einem sizilianischen Fischerdorf, die in den 1960er-Jahren nach Solingen kamen. Die Produktion sei "ein hervorragendes Beispiel für multimediales Storytelling im Dienste einer vielschichtigen Sozialreportage", lobte die Jury.
    Zu den insgesamt acht Preisträgern gehörte auch der Twitter-Account "Straßengezwitscher", mit dem zwei Dresdner konsequent über rechte Demos und Angriffe auf Flüchtlingsheime berichten. Seit dem vergangenen Sommer gab es über 5.000 Tweets.
    Über unabhängige russische Medien
    Das Portal "dekoder", das ausgewählte Recherchen, Reportagen und Projekte aus unabhängigen russischen Medien ins Deutsche übersetzt, erhielt ebenfalls einen Grimme Online Award. Nach Meinung der Jury trägt das Portal damit dazu bei, "eine echte Aufmerksamkeits- und Wissenslücke in der hiesigen Öffentlichkeit zu schließen".
    ZDF-Mann Jan Böhmermann ging indes leer aus. Er war in der Kategorie "Spezial" nomiert. Zur Begründung der Nominierung hieß es, Böhmermann sei Fernsehmoderator und Satiriker und auf Twitter und Facebook aktiv. "Da allerdings ist er unvergleichlich, denn keiner bespielt das Netz so wie er und keiner spielt so mit dem Netz."
    Der undotierte Grimme Online Award zeichnet seit 2001 deutsche Online-Angebote aus. Er gilt als wichtigster deutscher Preis für qualitativ hochwertige Internetangebote. Für die insgesamt acht Preise waren diesmal 28 Webangebote in vier Kategorien nominiert.