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Privatuni EBSMit neuem Partner in die Zukunft

Die private European Business School im Rheingau galt einst als Eliteschmiede, doch dann schwand der gute Ruf. Es gab Untreuevorwürfe gegen einen ehemaligen Unipräsidenten, sinkende Einschreibezahlen und schließlich gar eine drohende Insolvenz. Nun wird die Privatuni vom Heidelberger Bildungskonzern SRH übernommen.

Von Ludger Fittkau | 03.08.2016

Studierende der Georg-August-Universität in Göttingen sitzen in einem Hörsaal.
Der neue Eigentümer der EBS bringt Fachhochschulerfahrung etwa in den Fächern Psychologie oder Gesundheitsmanagement mit. (dpa / picture alliance / Swen Pförtner)
Ein Hochschulcampus in Heidelberg mit Wohnheimen, Bibliothek und Mensa für Studierende von Fächern wie Recht, Psychologie oder auch Architektur.
"Unser Hauptcampus in Heidelberg hier ist unsere bisher größte Hochschule mit knapp dreieinhalbtausend Studenten."
Sagt Nils Birschmann, Kommunikationsdirektor der SRH-Holding, des Trägers der privaten Fachhochschule Heidelberg. Die Adresse Bonhoefferstraße 1 erinnert noch daran, dass diese Stiftung einst kirchliche Wurzeln hatte. SRH steht für Stiftung Rehabilitation Heidelberg.
Gegründet in den 50er-Jahren ging es damals um die Umschulung von Kriegsversehrten, heute ist die SRH Holding ein bundesweit aktiver Bildungs- und Gesundheitskonzern, der Krankenhäuser, Schulen und bisher auch neun private Fachhochschulen betreibt.
SRH blättert Millionen für die Privatuni hin
Nun kommt noch eine Universität dazu. Denn für 18 Millionen Euro hat SRH jetzt die European Business School – kurz EBS – im Rheingau gekauft. Ein mutiger Schritt, denn die private Universität mit Wirtschafts- und Jura-Fakultäten in Oestrich-Winkel im Rheingau sowie in Wiesbaden war in den letzten Jahren vor allem durch Untreuevorwürfe gegen einen ehemaligen Uni-Präsidenten sowie einer Beinahe-Insolvenz in die Schlagzeilen geraten. Nils Birschmann, Sprecher des neuen Eigentümers der EBS:
"Unternehmerisch zu handeln heißt immer, Risiken einzugehen. Aber kalkulierte Risiken. Wir haben uns die EBS sehr genau angesehen. Wenn sie eine so starke Marke haben, ein solches Commitment auch der Mitarbeiter und Alumni, dass sie solche Turbulenzen überstehen, das ist schon ein Wort für sich. Und wir haben festgestellt, da ist ein unglaubliches Potenzial drin, eine tolle Hochschule, 'ne tolle Universität. Und wenn man die jetzt aus diesen Turbulenzen raus bringt, weil sie ein solides Fundament hat, dann hat sie eine enorm gute Zukunft vor sich."
Das glaubt auch Professor Burghard Schwenker, der Vorsitzende der EBS Stiftung, die bisher die hessische Privatuni getragen hat. Die Stiftung will auch in Zukunft die Lehre und Forschung an der EBS unterstützen. In den vergangenen Jahren musste allerdings erst einmal 40 der 216 Arbeitsplätze abgebaut werden, um aus den roten Zahlen zu kommen. Burghard Schwenker hofft nun auf eine Wende, nämlich einen Ausbau insbesondere der wissenschaftlichen Stellen:
"Die Stellenstreichungen, die sie angesprochen haben, hingen damit zusammen, dass die EBS in den letzten zwei Jahren natürlich auch ihre Verwaltung verschlankt hat, verschlanken musste. Damit auch effizienter und professioneller gewesen ist und wenn wir jetzt über Ausbau reden, reden wir vor allem über einen Ausbau im Fakultätsbereich, das heißt, unter den Wissenschaftlern und den notwendigen Ressourcen, die für gute Forschung notwendig sind."
Gedankenspiele über möglichen Fachbereich Gesundheit
Sogar die Einrichtung einer dritten Fakultät neben Wirtschaft und Recht ist nun ein Thema. Der neue Eigentümer der EBS bringt Fachhochschulerfahrung etwa in den Fächern Psychologie oder Gesundheitsmanagement mit. Für Burghard Schwenker, den bisherigen Vorsitzenden der EBS-Stiftung wäre ein neuer Fachbereich mit dem Schwerpunkt Gesundheitsmanagement eine gute Ergänzung zu dem bisherigen Studienangebot an der EBS, für das die Studierenden rund 7.000 Euro pro Semester aufbringen müssen:
"Für beide Partner, für die SRH wie auch für die EBS spielt es eine Rolle, dass beide einen Wachstumskurs einschlagen wollen. Und deswegen macht es natürlich Sinn, über eine weitere Fakultät nachzudenken. Zumal ich auch glaube, dass das ein sehr gutes Beispiel für Synergien ist. Denn die EBS bringt betriebswirtschaftliche und juristische Kompetenzen ein, die SRH gesundheitswirtschaftliche – daraus sollte sich was machen lassen."
Statt Insolvenz also nun einigermaßen überraschend wieder Wachstum auf dem wunderschön gelegenen EBS-Campus Schloss Reichhartshausen in den Riesling-Weinbergen des Rheingaus? Nils Birschmann, der Sprecher des neuen Eigentümers der EBS, bestätigt die Gedankenspiele in Richtung eines neuen Fachbereichs Gesundheit. Ob damit die Studierendenzahlen wieder verändert werden können, die in den letzten Jahren aufgrund der Turbulenzen an der Universität rückläufig waren? Das hängt sicher auch mit den künftigen Studiengebühren zusammen. Nils Birschmann von der SRH-Holding will Stipendien auch für wirtschaftlich schwächere Studierende:
"In dem Moment, wo die EBS Universität aus diesen Turbulenzen raus ist und das ist sie jetzt, weil sie jetzt auf einer sehr, sehr soliden finanziellen Basis steht, werden sich wieder mehr begabte Menschen entscheiden, an der EBS zu studieren, da sind wir absolut zuversichtlich."