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StartseiteInterview"Die Zuversicht hat prinzipiell kein Alter"18.11.2018

Publizist über Vertrauen und Angst"Die Zuversicht hat prinzipiell kein Alter"

In jungen Jahren habe man einen Überschuss an Zuversicht, so der Publizist Ulrich Schnabel im Dlf. Mit dem Alter nehme diese Einstellung oft ab, man sehe nur die Schwierigkeiten. Wichtig sei es dann, sich auf Dinge zu fokussieren, die einem Freude machten - zum Beispiel die Familie oder die Kunst.

Ulrich Schnabel im Gespräch mit Michael Köhler

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Vier Senioren gehen im Herbst auf der Bodenseeinsel Mainau spazieren. (picture-alliance / dpa / Patrick Seeger)
Freunde und Familie seien die wichtigsten Unterstützer im Alter, so Ulrich Schnabel (picture-alliance / dpa / Patrick Seeger)
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Durch Globalisierung und Digitalisierung stünde unsere Gesellschaft vor enormen Herausforderungen, so Schnabel. Niemand könne sagen, wie unsere Welt in zehn oder zwanzig Jahren aussehe. "Diese Veränderung zusammen mit dem Gefühl 'Jetzt geht es uns noch gut, aber wird das halten? Kann es möglicherweise besser werden oder kann es nur schlechter werden?' - das erzeugt eine enorme Verunsicherung und auch eine Verängstigung gerade in Deutschland."

Auf den Feldern Humor und Zuversicht könnten die Deutschen etwas Nachhilfe gebrauchen, meinte Schnabel. "Um so etwas wie Zuversicht, gerade in der heutigen Zeit, entwickeln zu können, muss man seine innere Freiheit entdecken." Man soll dafür nicht nur auf die äußeren Veränderungen starren, sondern nach den Quellen suchen, "die einem innerlich Kraft geben." Jemand, der keine Zuversicht habe, sei deshalb nicht automatisch unfrei.

Unterschied zwischen Zuversicht und Optimismus

Zuversicht heiße, so Schnabel, trotz widriger Umstände den Mut zu behalten. Das unterscheide die Zuversicht vom Optimismus. "Der Optimist geht davon aus, dass am Ende alles gut geht. Und der Zuversichtliche betrachtet die Zukunft etwas nüchterner, realistischer. Er sieht sowohl die Chancen als die Schwierigkeiten."

"Die Zuversicht hat prinzipiell kein Alter, aber natürlich haben wir alle eigentlich in jungen Jahren eher einen Überschuss an Zuversicht, den brauchen wir auch. Meistens wird das im Alter ein bisschen schwächer, man ist ja auch desillusioniert und sieht die ganzen Schwierigkeiten. Aber das heißt nicht, dass man gegen Ende zwangsläufig pessimistisch werden muss." Man könne die Zuversicht behalten, etwa bei der Familie oder bei Dingen, die einem Freude machten, etwa der Kunst.

Wichtig sei auch der Zuspruch durch Dritte. "Verbündete zu haben oder Leute, die einen unterstützen, das ist unschätzbar wertvoll", so Ulricht Schnabel. Das Gefühl, von anderen abgekoppelt zu sein, sei gerade für Ältere das schwerste. Wenn man es schaffe, einen Kreis von Vertrauten um sich herum aufzubauen, sei das wertvoll.

Ulrich Schnabel: Zuversicht. Die Kraft der inneren Freiheit und warum sie heute wichtiger ist denn je
Karl Blessing Verlag, München 2018. 256 Seiten, 22 Euro.

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