Mittwoch, 30. November 2022

Britischer Sport trauert um die Queen
Nur der Fußball pausiert

Das Vereinigte Königreich trauert um Königin Elisabeth die Zweite - auch der Sport. Der Fußball hat als Reaktion auf den Tod der Queen den gesamten Spieltag abgesagt. Dafür gibt es jedoch auch Kritik. Mit seiner Entscheidung steht der Fußball in der britischen Sportlandschaft alleine da.

Von Hendrik Buchheister | 10.09.2022

Schweigeminute für die Queen beim Spiel in der Conference Leagzue zwischen West Ham United und FCSB im London Stadium.
Schweigeminute für die Queen beim Spiel in der Conference Leagzue zwischen West Ham United und FCSB im London Stadium. (IMAGO / Sebastian Frej / IMAGO / Sebastian Frej)
Old Trafford schweigt. Man hört ein Kind, dem die Bedeutung des Augenblicks nicht klar ist. Nicht klar sein kann. Man hört das Klicken der Kameras der Fotografen am Spielfeldrand. Man hört ein Husten hier und da. Ansonsten: Stille im Stadion von Manchester United vor dem Spiel gegen Real Sociedad am Donnerstag, nur wenige Stunden nach dem Tod von Königin Elisabeth der Zweiten. 
Die Partie in der Europa League fand statt. Zu nah lag der Anpfiff an der Nachricht, die das Vereinigte Königreich in Trauer versetzt hat. Als Buckingham Palace um 18.30 Uhr englischer Zeit den Tod der Queen im Alter von 96 Jahren bekannt gab, waren die Stadiontore schon geöffnet. Auch das Heimspiel von West Ham United in der Conference League gegen den FCSB aus Bukarest fand statt. Anstatt eine Schweigeminute abzuhalten, sang das Publikum die Nationalhymne.

Fußball in England pausiert

Am Wochenende pausiert der Fußball in England, als Zeichen der Trauer um die Queen. Der siebte Spieltag der Premier League wird verschoben, ebenso der Start der neuen Saison der Women’s Super League. Nach dem EM-Sieg von Englands Frauen sind die Erwartungen für die neue Spielzeit hoch. Einige Partien am ersten Spieltag waren in den größeren Stadien der Männer geplant.
Auch die übrigen englischen Profiligen und der Amateurfußball pausiert. Sogar der Kinder- und Jugendfußball wurde abgesagt. In Wales, Schottland und Nordirland, den anderen Ländern des Vereinigten Königreichs, kommt der Spielbetrieb ebenfalls zum Erliegen.
Die britische Regierung hatten den verschiedenen Sportarten und Ligen freigestellt, wie sie mit dem Tod der Königin umgehen. Eine Anordnung, das Programm am Wochenende abzusagen, gab es nicht. Die zuständigen Verbände mussten selbst entscheiden. Und der Fußball entschied konsequent auf Absage, als Zeichen des Respekts vor der Queen.

Geschäftsführer: Queen "eine Inspiration"

Richard Masters, der Geschäftsführer der Premier League, sagt über sie: “Als am längsten dienende Monarchin war sie eine Inspiration und hinterlässt ein unglaubliches Erbe nach einem Leben voller Hingabe. Dies ist eine unglaublich traurige Zeit, nicht nur für unsere Nation, sondern auch für die Millionen von Menschen auf der ganzen Welt, die sie bewundert haben. Wir schließen uns all denen an, die ihren Tod betrauern.”
Bei aller Erschütterung über den Verlust der Königin gibt es nicht nur Verständnis für die Absage des Fußballs am Wochenende. Englische Medien deuten den Schritt als verpasste Chance. Ihre Argumentation: Eine Schweigeminute vor den Partien wäre ein stärkerer Ausdruck der Trauer gewesen. Und ob die Queen gewollt hätte, dass das ganze Land in den Tagen nach ihrem Tod alleine zuhause sitzen würde, anstatt sich am Sport zu erfreuen?

Andere Sportarten machen weiter

Der Fußball steht mit seiner Radikalität fast alleine da im englischen Sport. Auch andere Sportarten sind zwar vom Tod der Königin betroffen, setzen am Wochenende aber den Betrieb fort. Die British Horse Racing Authority sagte alle Pferderennen für Freitag und Samstag ab. Allerdings soll am Sonntag das traditionsreiche Rennen St. Leger in Doncaster stattfinden. Im professionellen Rugby fielen die Freitagsspiele aus, nicht aber die Spiele am Samstag und Sonntag. Beim Rugby gehe es um Gemeinschaft und darum, Menschen zusammenzubringen, in guten und in traurigen Zeiten. So argumentierte die Rugby Football Union.
Ähnlich ist es im Cricket. Nach einem Tag Pause am Freitag finden ab Samstag alle Spiele wie geplant statt, auch das viertägige Testmatch zwischen England und Südafrika im traditionsreichen Londoner Cricket-Stadion The Oval. Natürlich hat das auch mit Geld zu tun. Laut der “Daily Mail” wären dem Cricket bei der Absage der Serie vier Millionen Pfund verloren gegangen, also umgerechnet rund 4,6 Millionen Euro.
Vor den Spielen gibt es eine Schweigeminute, die Nationalhymne wird gespielt. Spieler und Trainer tragen Trauerflor. Auf Werbeflächen sind Trauerbekundungen zu sehen. Für Englands Kapitän Ben Stokes ist es nach eigener Aussage eine Ehre, am Wochenende zu spielen – im Gedenken an die Queen.

PGA Championships gehen wie geplant zu Ende

Auch beim Golf geht es weiter. Die PGA Championship im Wentworth Club in Surrey westlich von London wurde am Donnerstag unterbrochen, als die Nachricht vom Tod der Königin bekannt wurde. Ab Samstag ging es weiter, mit einer Schweigeminute und in reduziertem Umfang, so dass die Veranstaltung am Sonntag beendet werden kann. Das erklären die Organisatoren: “Es ist nicht möglich, die vollen 72 Loch zu spielen und am Montag zu enden. Wegen der Pläne für ein Staatsbegräbnis können wir keine Garantie für die Mitarbeiter, die Örtlichkeiten und die Sicherheit der Spielstätte leisten.”
Rugby, Cricket und Golf machen dem Fußball in England vor, wie man um Elisabeth die Zweite trauern kann, ohne alle Spiele anzusagen.