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StartseiteSprechstundeRadiolexikon: Nagelerkrankungen29.05.2007

Radiolexikon: Nagelerkrankungen

Nagelerkrankungen machen sich unterschiedlich bemerkbar. Die Nägel können sich verfärben, verformen, sie können dicker werden, Risse bekommen, sich ablösen, oder ihr Wachstum kann gestört sein.

Von Renate Rutta

Fußnägel sollten gerade geschnitten werden. (Stock.XCHNG / Matthew Bowden)
Fußnägel sollten gerade geschnitten werden. (Stock.XCHNG / Matthew Bowden)
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"Ja, das juckte immer, und der Nagel war so unschön in der Farbe. Der kriegte sämtliche Farben. Naja, jetzt bin ich bei der Fußpflege, da haben wir schon sämtliche Experimente gemacht, naja, es heilte und heilte nicht ab."

Nagelerkrankungen machen sich auf vielfältige Weise bemerkbar. Die Nägel können sich verfärben, verformen, sie können dicker werden, Risse bekommen, sich ablösen, oder ihr Wachstum kann gestört sein. Die Nägel sind bei jedem Menschen individuell geformt. Auch die Dicke und Größe des Nagels ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Nägel sind dazu da, unsere Finger und Zehen zu schützen. Sie helfen beim Tasten, Greifen, Abstützen. Sie bestehen aus harten, verhornten Zellen der Oberhaut. Dr. Matthias Eilert von der Poliklinik für Dermatologie und Venerologie der Universität Köln.

"Also der Nagel ist eine sogenannte epidermale Struktur. Die Epidermis ist die sogenannte Oberhaut, und da, wo sich der Nagel bildet, ist die Epidermis einfach eingestülpt. Und aus dieser Einstülpung und aus der sogenannten Matrix heraus, das ist der Anfang des Nagelbettes, da wird der Nagel gebildet ,und der Nagel besteht aus Horn. Der Nagel wächst einen Millimeter in zehn Tagen. Das wird mit zunehmendem Alter etwas langsamer. Aber auch Medikamente und Durchblutungsstörungen können das Nagelwachstum verändern."

Anna Billerbeck leidet an Nagelpilz an den Fußnägeln, den sie schon seit längerer Zeit behandeln lässt:

"Ja, hab ich bestimmt schon paar Jahre. Ich habe daraufhin auf Anraten der Fußpflege Salben genommen und Nagellack, aber es hat alles nichts genutzt, bis dass ich jetzt zum Arzt bin und diese Tabletten nehme. Wir hoffen, dass es denn dazu beiträgt, dass es heilt."

Anna Billerbeck ist zur Behandlung in eine podologische Praxis in Köln gekommen. Wie beim Arzt liegen Instrumente zur Behandlung in hellen Metallschränken. Sie setzt sich auf einen Behandlungsstuhl ähnlich wie beim Zahnarzt und zieht Schuhe und Strümpfe aus. Ihre Füße werden desinfiziert. Dann beginnt die Fußspezialistin Marina Schwingeler-Hühne, möglichst viel vom erkrankten Nagelmaterial abzulösen.

"Das Problem ist oft, die Leute bei der Stange zu halten, dass man da nicht nachlässig wird. Also ich finde, es ist schon ganz schön geworden, ja, ja. Das Problem ist immer, normalerweise sollte man Strümpfe anziehen, die zum Kochen wären, Baumwolle, also keine Nylons, separate Handtücher, ja , jetzt habe ich soviel Buntwäsche."

Für heute ist die Behandlung bei der Fußspezialistin und Podologin Marina Schwingeler-Hühne beendet. Der Beruf des Podologen zählt zu den Medizinal-Fachberufen. Podologen arbeiten eng mit Hautärzten und Orthopäden zusammen. Sie sind auch für Nagelbehandlungen ausgebildet und können Tipps für die richtige Pflege der Füße geben zum Beispiel bei schmerzenden, eingewachsenen Nägeln.

"Der eingewachsene Nagel geht durch alle Altersgruppen hindurch. Es ist der falsch geschnittene Nagel, das Herausschneiden der Nagelecken. Also die Fußnägel werden generell grade geschnitten. Was Sie machen sollten, ist, die Ecken entschärfen, so einen Hauch abrunden. Die Fingernägel können Sie rund feilen aber die Fußnägel gerade und die Ecken abrunden."

Auch enge, drückende Schuhe können dazu führen, dass Nägel einwachsen. Dann haben Pilze und Bakterien leichtes Spiel, und es kann zu einer Nagelbettentzündung kommen. Häufig sind auch kleine Verletzungen Auslöser für solch eine Entzündung, beispielsweise wenn die Nagelhaut einreißt oder ein kleiner Holzsplitter unter den Nagel gelangt.

Besonders bei Diabetikern kann eine Nagelbettentzündung auch chronisch werden. Sie muss dann auf jeden Fall behandelt werden. Patienten mit Diabetes sind auch besonders anfällig für Nagelpilz. Dr. Matthias Eilert:

"Dieser Nagelpilz sucht sich eine günstige Eintrittspforte in das Hornmaterial des Nagels und wird dann, wenn er einmal in diesem Hornmaterial drin ist, sich von da aus auch gut ausbreiten können. Also es ist meistens von der Hornverletzung des Nagels, oder wenn sie ein bisschen brüchig geworden sind, wenn sie langsamer wachsen oder wenn wir Diabetes haben oder andere Stoffwechselerkrankungen, Durchblutungsstörungen, die eben auch das Nagelwachstum verlangsamen lassen."

Nagelpilz heilt nicht von alleine ab. Die Behandlung mit Tinkturen und Tabletten kann sich lange hinziehen. Verbreitet wird er durch Sporen von Mensch zu Mensch. Diese Sporen sind sehr widerstandsfähig und können auf Handtüchern und Badematten, Lattenrosten und Bodenbelägen wochenlang überleben und ansteckend bleiben.

Oft steckt man sich in Schwimmbädern, in der Sauna, in Duschen oder Umkleidekabinen an. Allerdings ist nicht jeder Mensch gleich anfällig für den Nagelpilz.

"Es gibt Menschen, die eine Immunsuppression haben, also dass das Immunsystem nicht mehr ganz so richtig arbeitet, da gibt es verschiedenen Ursachen. HIV-Infektion oder auch transplantierte Menschen haben sicher häufiger mit Nagelpilz zu tun als der Schnitt der Bevölkerung."

Enge Schuhe und Turnschuhe, in denen man leicht schwitzt, können eine Nagelpilzinfektion ebenfalls begünstigen.

Es gibt eine Vielzahl von Veränderungen des Nagels. Viele können harmlos sein. Brüchige Nägel beispielsweise, die oft durch häufigen Kontakt mit Nagellackentferner, Spülmittel oder Waschmitteln entstehen können. Doch oft weisen Nagelveränderungen auch auf eine Erkrankung hin.

"Also hier in der Poliklinik sehen wir sicher am häufigsten den Nagelpilz. Aber auch jede andere Nagelerkrankung sollte zumindest mit einer mykologischen Untersuchung konfrontiert werden. Es gibt Hauterkrankungen, die Nagelveränderungen mit sich bringen. Die Psoriasis ist da eine Möglichkeit. Der Lichen Ruber, die sogenannte Knötchenflechte, zeigt Nagelveränderungen. Das sind mögliche Ursachen für eine Veränderung des Nagelaussehens. Aber auch internistische Erkrankungen, Herz-Kreislauferkrankungen, chronische Darmerkrankungen können das Nagelwachstum aber auch die Struktur des Nagels beeinflussen und eben zu Nagelveränderungen führen."

Heute ist auch ein Patient mit Schuppenflechte, der Psoriasis, bei Dr. Eilert in der Sprechstunde.

"Herr Eckart, zeigen Sie mir bitte mal die Nägel. So, man sieht sogenannte Ölflecken. Diese Ölflecken sind ein typisches Zeichen der Nagelveränderungen bei einer bekannten Psoriasis. So, Herr Eckart, haben sich denn die Ölflecken, diese gelblichen, brüchigen Areale am Fingerende oder am Nagelende, haben die sich verändert? Die treten teilweise unterschiedlich auf, mal sind sie weg und dann sind sie an einer anderen Stelle wieder da, ist es jetzt besonders schlimm, oder ist es jetzt ein relativ guter Befund, was die Fingernägel betrifft? Das hier sieht ja schon recht schlimm aus."

"Also die Haut unter den Nägeln, die wächst immer weiter und vermehrt sich und dadurch hebt sich der Nagel ab und muss recht kurz geschnitten werden, sonst hebt er sich ab und wächst schräg in der Gegend rum. Noch schlimmer ist natürlich, ich hab es auch am dicken Zeh im Schuhbereich an den Füßen. Wenn das auftritt und der Nagel wölbt sich, dann passt der Schuh nicht mehr, und sie haben permanenten Druckschmerz."

Manchmal ändert sich die Nagelform. Rundliche, gewölbte Nägel, sogenannte Uhrglasnägel, sind typisch für Lungenerkrankungen. Ein dunkler Fleck unter dem Nagel kann von einer Stoßverletzung herrühren und damit harmlos sein. Er wächst mit dem Nagel heraus. Bei einem braunen Streifen kann es sich aber auch um ein Melanom, einen Hautkrebs, handeln. Das sollte ein Hautarzt begutachten.

Nicht selten können Nagelveränderungen auch Nebenwirkungen von Medikamenten sein, beispielsweise einer Chemotherapie.
Beim nächsten Patient ist das der Fall. Man sieht Verfärbungen an seinen Nägeln.

"Dass sie alle zehn ganz plötzlich von heute auf morgen alle schwarz wurden, das ist aufgefallen. Und da hat man sich unter Patienten unterhalten, waren noch andere Krebsbetroffene dabei, die sagten, sie hätten das auch. Ich wurde aber erst nervös, als sich ein Teil der Fingernägel auf einmal gelb verfärbte und eitrige Ausflüsse da waren. Dann dachte ich, es wäre ein ansteckende Sache, und um dem vorzubeugen, habe ich mich hier vorgestellt."

"Sie sagten, dass Sie eine Chemotherapie bekommen. In solchen Fällen kann dieses Medikament oder die Zusammensetzung dieser Chemotherapie wirklich solche Nagelveränderungen hervorrufen. Es ist für uns aber wichtig, dass wir trotzdem alle anderen Ursachen dafür ausschließen. Deshalb müssten wir weitere Untersuchungen an den Nägeln machen. Wir müssten eine Mykologie machen, also schauen, ob eventuell ein Pilz dafür verantwortlich ist."

"Wir haben folgende Behandlung festgelegt. Wir machen desinfizierende Bäder, und wir haben einen Nagellack rezeptiert, der den Nagelbefund stabilisieren soll. Und weitere Therapie würde dann aus der Mykologie und der Bakteriologie resultieren."

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