Samstag, 13. August 2022

Razzia in Hessen
Terrorverdächtiger in Frankfurt festgenommen

Mit einem Großeinsatz ist die Polizei in Hessen gegen ein mutmaßliches Salafisten-Netzwerk vorgegangen. Mehr als 50 Wohnungen, Geschäftsräume und Moscheen wurden durchsucht. Der Hauptverdächtige sitzt in Haft - weil er auch in seiner Heimat unter Terrorverdacht steht.

01.02.2017

    Polizisten stehen auf dem Gelände der Bilal Moschee in Frankfurt am Main an ihren Fahrzeugen. Die Polizei hat landesweit 54 Objekte durchsucht.
    Durchsuchungen wegen Terrorverdachts in ganz Hessen (dpa)
    Insgesamt wird gegen 16 Verdächtige ermittelt. Ihnen wird die Unterstützung einer ausländischen Terrorgruppe und Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vorgeworfen. Im Zentrum der Ermittlungen steht ein 36-jähriger Tunesier. Er wurde seit vergangener Woche per Haftbefehl gesucht - bei der Festnahme in den frühen Morgenstunden leistete er keinen Widerstand.
    Der Mann soll als Anwerber und Schleuser für das Terrornetzwerk IS aktiv gewesen sein und ein Netzwerk von Unterstützern aufgebaut haben, um einen Terroranschlag in Deutschland zu verüben. Ein konkretes Anschlagsziel gab es nach bisherigen Erkenntnissen nicht. Die Planung sei noch in einer frühen Phase gewesen, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt auf einer Pressekonferenz mit. Der Haftbefehl gegen ihn war bereits vergangene Woche erlassen worden. Der Mann wird von den Behörden seines Heimatlandes wegen Terrorverdachts gesucht. Er soll am Anschlag auf das Bardo-Museum beteiligt gewesen sein. Dabei waren im März 2015 in Tunesien 22 Menschen getötet worden. Außerdem soll er in einen Angriff auf die Grenzstadt Ben Guerdane ein Jahr später verwickelt sein. Dabei waren 20 Menschen getötet worden.
    Monatelange Ermittlungen
    Die Polizei ermittelt seit rund vier Monaten gegen die Verdächtigen. Bei dem Zugriff heute morgen wurden Geschäftsräume und Moscheen in Frankfurt, Offenbach, Darmstadt, Limburg und Wiesbaden sowie in den Kreisen Offenbach, Groß-Gerau, Marburg-Biedenkopf und Main-Taunus durchsucht. Insgesamt waren rund 1.100 Beamte im Einsatz.
    Hessens Innenminister Peter Beuth lobte die Arbeit der Polizei. Seinen Angaben zufolge wurde mit der Maßnahme "ein weitverzweigtes salafistisches Netzwerk zerschlagen. Von dem Einsatz gehe auch die klare Botschaft aus, dass die Behörden die radikale Islamisten-Szene im Blick hätten, so der CDU-Politiker.
    Es war der zweite Einsatz gegen mutmaßliche Terrorunterstüzer innerhalb von 24 Stunden. Er gestern Abend waren in Berlin drei Männer verhaftet worden. Laut Polizei es um den Verdacht auf Terror und Islamismus. Ob es auch eine Verbindung zum IS gibt, bestätigten die Ermittler bisher nicht.
    (rm/nin)