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Reaktionen auf den Tod von Shimon Peres
"Trotz Grausamkeiten den Deutschen die Hand gereicht"

Nach dem Tod des Friedensnobelpreisträgers und früheren israelischen Präsidenten Shimon Peres haben Politiker weltweit ihre Anerkennung für dessen Lebensleistung zum Ausdruck gebracht. Der deutsche Bundespräsident nennt Peres ein Vorbild für die junge Generation.

28.09.2016
    Der langjährige israelische Spitzenpolitiker Shimon Peres ist im Alter von 93 Jahren gestorben.
    Der langjährige israelische Spitzenpolitiker Shimon Peres ist im Alter von 93 Jahren gestorben. (picture alliance/dpa - Abir Sultan)
    Bundespräsident Joachim Gauck würdigte Peres für seinen "unermüdlichen Einsatz für Frieden und Verständigung". Deutschland werde besonders seine Bereitschaft zur Versöhnung nach dem Holocaust im Gedächtnis behalten, erklärte Gauck. Trotz der Grausamkeiten, die die Nationalsozialisten auch an seiner Familie verübt hätten, habe Peres den Deutschen die Hand gereicht. "Dafür sind wir ihm sehr dankbar", schrieb Gauck in einem Brief an seinen israelischen Amtskollegen Reuven Rivlin. "Sein Leben im Dienste des Friedens und der Versöhnung kann ein Beispiel für die Jungen sein", so Gauck weiter.
    Peres habe Israel wie wenig andere Politiker geprägt. Er habe seinem Land in verschiedenen Funktionen gedient, mit soliden Prinzipien, was die Sicherheit betrifft, und mit einem starken Willen, Fortschritte im Friedensprozess mit den Palästinensern zu erzielen, führte der Bundespräsident aus.
    Steinmeier: Peres wollte Konfrontation und Feindseligkeit überwinden
    Auch der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) würdigte Peres: "Aus der tiefen Überzeugung, dass es möglich ist, den Lauf der Geschichte zu verändern, stand Shimon Peres dafür ein, Konfrontation und Feindseligkeit zu überwinden." Er habe den Grundstein für einen israelisch-palästinensischen Ausgleich gelegt, sowie eine friedliche und gemeinsame Zukunft für Israel und seine Nachbarn – und sei diesem Ziel bis zuletzt treu geblieben.
    Israelisches Kabinett tritt zusammen
    Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu veröffentlichte eine Mitteilung, in der er "tiefe persönliche Trauer" zum Ausdruck brachte. Das israelische Kabinett wird am Vormittag zu Peres' Gedenken zusammen kommen.
    US-Präsident Obama bezeichnete Peres als die "Essenz Israels". Es gebe wenige Menschen, die Menschheitsgeschichte verändern, und zwar nicht nur durch ihre Rolle bei bestimmten Ereignissen, sondern indem sie die Moralvorstellungen prägen und "uns zwingen, höhere Erwartungen an uns selbst" zu haben.
    "Mein Freund Shimon war einer dieser Menschen", so Obama. Ein Licht sei erloschen, aber die Hoffnung, die er gab, brenne für immer.
    Clinton: Peres war Genie mit großen Herzen
    Der frühere US-Präsident Bill Clinton und die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, haben mitgeteilt, sie haben einen "echten und geschätzten Freund" verloren. Peres sei ein "Genie mit großem Herzen" gewesen. Bill Clinton, der die Unterzeichnung der Vereinbarung von Oslo zwischen Israelis und Palästinensern beobachtet hatte, würdigte Peres als leidenschaftlichen Anwalt des Friedens, der Versöhnung und einer besseren Zukunft.
    (vic/tgs)