
Wird es genug Trinkwasser geben, wenn sich der Klimawandel weiter verschärft? Auch dann noch, wenn Bevölkerung und Industrie das Grundwasser schneller verbrauchen, als es nachgebildet wird? In dem 4100-Einwohner-Städtchen Baruth in Brandenburg, eine Autostunde südlich von Berlin gelegen, fragen sich das derzeit viele.
Der Weltmarktführer für Energydrinks, Red Bull, hat hier zusammen mit dem Fruchtsafthersteller Rauch im Jahr 2023 eine alteingesessene Sprudelfabrik übernommen – und damit auch deren Nutzungsrechte für Grundwasser.
6500 Kubikmeter Wasser täglich dürfen die beiden österreichischen Konzerne für die Getränkeproduktion verwenden, und das über 25 Jahre. Das sind 92 Prozent der Gesamtmenge, die die Stadt Baruth an Grundwasser insgesamt entnehmen darf.
Dagegen hat sich eine Bürgerinitiative gebildet. Das Ressourcen-Bündnis Baruth kämpft auf dem Rechtsweg um Akteneinsicht. Der Wasserkonflikt in dem dürregeplagten Bundesland Brandenburg macht derzeit bundesweit Schlagzeilen.
Geschwärzte Akten: Keine Einsicht in den Wasservertrag von Baruth
Stadtvertreter von Baruth haben Interviewanfragen des Deutschlandfunk unbeantwortet gelassen. Im öffentlichen Teil der Stadtverordnetenversammlung am 17. September verwiesen sie auf die Gesetzeslage, die der Trinkwassernutzung der örtlichen Bevölkerung absoluten Vorrang vor allen anderen Nutzungsarten gebe.
Der städtische Wasserbetrieb WABAU hatte bereits im November 2025 auf dem Webportal der Stadt schriftlich Stellung genommen. Alle zwei Jahre werde ein Monitoring über die Veränderung der Grundwasserstände durchgeführt, hieß es. 2024 habe das Landesumweltamt bestätigt, dass es zu keiner Übernutzung des Grundwassers komme.
Die Daten allerdings, die zu dieser Einschätzung führten, sind nicht öffentlich: Die Tabellen, die das Umweltamt des Landes Brandenburg an die Bürgerinitiative schickte, wurden komplett geschwärzt. Die Stadt Baruth veröffentlicht auch den Wasservertrag nicht, den sie mit den beiden österreichischen Konzernen abgeschlossen hat, sie verweist auf Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse.
Klage vor dem VG Potsdam und das Wasserhaushaltsgesetz
Eine Wasseraktivistin der Bürgerinitiative hat zusammen mit der Nichtregierungsorganisation FragDenStaat beim Verwaltungsgericht Potsdam Klage eingereicht, um den Wasservertrag einsehen zu können. Die Klage läuft.
Dass die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung Vorrang hat vor anderen Nutzungsarten, bestätigt auch Brandenburgs Umweltministerin Hanka Mittelstädt (SPD). Das ergebe sich aus der Rechtslage und sei in allen wasserrechtlichen Genehmigungen niedergelegt.
Tatsächlich garantiert Artikel 2 des Grundgesetzes das Grundrecht auf Leben und Gesundheit, was die Trinkwasserversorgung zwangsläufig mit umfasst. Das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) definiert Trinkwasser als "Daseinsvorsorge", damit gehört es zu den Gütern, die der Staat der Bevölkerung zur Verfügung stellen muss. Die Bewilligung von Wassernutzungsrechten stellt das WHG ins pflichtgemäße Ermessen der Behörden.
Trinkwassermangel: Umweltjuristin sieht Politik in der Pflicht
Doch das deutsche Wasserrecht stammt aus einer Zeit, als ein möglicherweise bevorstehender Mangel an Grundwasser noch nicht das viel diskutierte Thema war, das es heute ist. Die Ausgestaltung von Wassernutzungsverträgen spiele damit eine große Rolle, sagt die Umweltjuristin Laura von Vittorelli: Denn hier kann vertraglich geregelt werden, welche Konditionen zum Beispiel in Dürrephasen für die Wasserentnahme gelten.
Die Umweltjuristin kann darum die Sorge der Aktiven im Ressourcen-Bündnis Baruth grundsätzlich nachvollziehen. In der Praxis könne es für eine kleine Stadt schwierig sein, die Nutzungsrechte eines großen Konzern bei akuter Dürre wieder zu beschränken. Von Vittorelli sieht Politik und Gesetzgeber in der Pflicht, Behörden eine bessere rechtliche Handhabe zu geben, damit diese die Interessen der Bevölkerung bei möglichem Trinkwassermangel wirksam vertreten können.
Wasserkonflikt verschärft sich: Neue Red-Bull-Dosenfabrik geplant
In Baruth verschärft sich der Wasserkonflikt derzeit weiter. Die Getränkehersteller Red Bull und Rauch wollen im Industriegebiet von Baruth eine Produktion für Getränkedosen aufbauen, die ebenfalls Wasser verbraucht. Einen ersten Bebauungsplan hatte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg im April 2026 aus Lärmschutzgründen vorübergehend außer Kraft gesetzt. Im September stimmten die Stadtverordneten einem neuen, angepassten Bebauungsplan zu.
Das Ressourcen-Bündnis Baruth befürchtet nun, dass der Bau der Produktionshalle zeitnah beginnt. Mit der Rodung des Kiefernwäldchens, das derzeit auf dem vorgesehenen Bauplatz steht, könnten Tatsachen geschaffen werden, noch bevor die Bürgerinitiative Rechtsmittel einlegen kann.


















