
Dürre in Deutschland: Pegelstände sinken rapide
Von der Elbe bis zum Bodensee: Die Pegelstände von Gewässern in Deutschland sinken derzeit auf Tiefstwerte. In Brandenburg zeigen nahezu alle Warnampeln der Gewässermessstellen auf Rot; der Elbe droht ein historisches Niedrigwasser.
Prognosen zufolge könnte der Wasserstand des Rheins nahe Koblenz in den kommenden Tagen auf unter 50 Zentimeter sinken. Als Ursachen für das Niedrigwasser gelten untere anderem die Hitze und die Trockenheit der vergangenen Wochen.
Und die Wasserknappheit kommt in diesem Jahr besonders früh, warnen Forscher. Der Hochsommer steht erst noch bevor.
Binnenschifffahrt leidet: Transportkosten steigen
Das Niedrigwasser belastet auch die deutsche Wirtschaft. Vor allem für die Binnenschifffahrt ist sie ein Problem. Bei den niedrigen Pegelständen müssen schwere Güterschiffe in den Häfen bleiben; sie haben auch ohne Fracht zu viel Tiefgang. Leichtere Schiffe können die Wasserstraßen zwar weiterhin befahren, doch nur noch mit einem Teil ihrer üblichen Ladung.
Für Unternehmen bedeutet das steigende Transportkosten. Denn für die gleiche Gütermenge sind mehr Schiffe bzw. mehr Fahrten nötig. Hält das Niedrigwasser lange an, können sogar Lieferengpässe entstehen, warnen Experten.
Niedrigwasser am Rhein: Angespannte Lage für die Wirtschaft
Wirtschaftliche Folgen hat vor allem das Niedrigwasser am Rhein. Der Fluss ist eine der meistbefahrenen Binnenwasserstraßen der Welt. Rund 80 Prozent der deutschen Binnenschifffahrt laufen über die Wasserstraße. Viele Unternehmen habe sich deshalb dort angesiedelt.
Die Lage am Rhein sei angespannt, erklärte Roberto Spranzi, Vorstand der Deutschen Transport-Genossenschaft Binnenschifffahrt. Der Pegelstand falle dort von Tag zu Tag. Bereits jetzt sind auf dem Fluss Güterschiffe mit weniger Last unterwegs.
Transportiert werden auf den Gewässern in Deutschland vor allem Mineralölprodukte, Eisenerz, Steine und Erden sowie Container. Diese Güter könnten per Schiff meist einfacher und kostengünstiger transportiert werden als per Lkw oder Bahn.
Thyssenkrupp Steel: Konzern drosselt Produktion
Das Rhein-Niedrigwasser trifft auch die Industrie. Thyssenkrupp Steel etwa hat bereits angekündigt, seine Produktion zu drosseln. Grund: Die konzerneigenen Schubschiffe können keine Rohstoffe mehr anliefern, da sie den Fluss nicht mehr befahren können. Sie liegen zu tief im Wasser.
Bislang kann das Unternehmen die Ausfälle durch externe Schiffe mit einem geringeren Tiefgang auffangen. Doch der Konzern hat bereits vorsorglich die Produktion an den Hochöfen verringert. Noch sei die Versorgung der Kunden nicht gefährdet, heißt es vom Unternehmen.
Die Auswirkungen der geringen Pegelstände spürt auch die chemische Industrie. Der Konzern Lanxess etwa hat bereits auf mehr Schiffe mit weniger Ladung umgestellt. Das Unternehmen überlegt zudem, Rohstoffe zu bevorraten. Ebenfalls betroffen ist Chemie-Riese BASF. Das Unternehmen hängt weitgehend davon ab, dass es über den Rhein versorgt wird und Waren an- und abtransportieren kann.
Die Baustoffindustrie wird ebenfalls über den Rhein beliefert, unter anderem mit Kies und Zement. Die Folgen des Niedrigwassers treffen sie genauso wie zahlreiche deutsche Häfen, darunter den Duisburger Hafen. Er ist der größte Binnenhafen der Welt.
Lehren aus dem Dürresommer 2018: Kosten der Wasserknappheit
Dass die wirtschaftlichen Folgen von geringen Pegelständen auf Wasserstraßen erheblich sein können, zeigt der Dürresommer 2018. Nach Berechnungen hatte das damalige Niedrigwasser zu einem Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent geführt. Die Industrieproduktion sank zeitweise um 1,5 Prozent. Der Pegel des Rheins war damals auf ein Rekordtief von 25 Zentimetern gesunken.
Die deutsche Wirtschaft hat sich zum Teil auf die Wasserknappheit eingestellt. Einige Firmen haben Frühwarnsysteme installiert. Abhilfe könnten auch Binnenschiffe mit weniger Tiefgang schaffen. Doch die sind teuer.
„Was wirklich helfen würde, wäre ein Fahrrinnenausbau. Den fordert die Industrie auch. Aber das wäre ein immenser Eingriff ins Ökosystem“, sagt DLF-Korrespondetin Vivian Leue. Umwelt- und Naturschutzverbände warnen bereits vor dem Schritt.
Onlinetext: Tobias Kurfer













