
In weiten Teilen Deutschlands liegen die Grundwasserstände aktuell unter dem für diese Jahreszeit üblichen Niveau. Das gilt auch für den Bodensee, der für die Trinkwassergewinnung wichtig ist. Die globale Erwärmung und zu hoher Verbrauch führen dazu, dass Wasser knapper wird. Experten sprechen von „Grundwasserstress“ und warnen vor Nutzungskonflikten um diese wertvolle Ressource.
Bereits jetzt rufen angesichts von Hitze und Trockenheit mehrere Kommunen dazu auf, Wasser zu sparen, und verbieten oder beschränken zudem die Wasserentnahme aus Flüssen und Seen. Wer dennoch seinen Rasen sprengt oder den Pool befüllt, muss teils mit empfindlichen Geldstrafen rechnen.
Werden solche "Wasserkonflikte" in Zukunft zunehmen?
Wasserverbrauch in Deutschland: Wer nutzt wie viel?
Rund 130 Liter Trinkwasser verbraucht jede Person in Deutschland durchschnittlich pro Tag. Es stammt zu etwa zwei Dritteln aus Grundwasser. Daneben dienen Talsperren und Gewässer als Wasserquellen. Der Bodensee etwa ist der größte Rohwasserspeicher für die Trinkwassergewinnung in Süddeutschland.

Knapp 18 Milliarden Kubikmeter Wasser wurden 2022 in Deutschland aus Oberflächengewässern und dem Grundwasser entnommen. Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor. Größter Wassernutzer war die Energiewirtschaft. Es folgten die öffentliche Wasserversorgung sowie Industrie und Bergbau. Die Landwirtschaft hatte den geringsten Anteil.
Grundwasserstress: Wo drohen Verteilungskonflikte?
Die Grundwasserstände sind derzeit fast überall in Deutschland „deutlich“ unter dem durchschnittlichen Niveau, sagt Andreas Marx, Leiter des Dürremonitors am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung.
Das hänge weniger mit dem „Blitz-Dürreeffekt“ der Hitzewelle im Juni zusammen. Vielmehr seien in den vergangenen acht Monaten insgesamt zu wenige Niederschläge gefallen. Die Folge: zu trockene Böden. Dadurch hätten sich die Grundwasserstände nicht so stark aufgefüllt wie üblich.
Eine 2025 veröffentlichte Studie des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE) stellte bei rund der Hälfte der Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland potenziellen „Grundwasserstress“ fest. Dort wird mehr Grundwasser entnommen als sich nachbilden kann. Die kritische Schwelle liegt demnach bei zwanzig Prozent.
„Stress“ bedeute dabei nicht, dass bei Überschreiten dieser Grenze „morgen der Wasserhahn trocken“ sei, so der Hydrobiologe Dietrich Borchardt. „Der Stress ist so zu verstehen, dass wir uns einer Situation nähern, wo das Wasserdangebot nicht mehr für alle reicht.“ Er warnt: Steigt die Nutzung weiter, drohen „in absehbarer Zeit“ Konkurrenzen oder sogar Konflikte um die Verteilung der knapper werdenden Ressource. Denn hier gehe es nicht nur um privaten Wasserverbrauch, sondern auch um Industrie und Bergbau, Energieunternehmen und Landwirtschaft.
Mangelhafte Datenlage: Das Problem mit analogen Wasserbüchern
Grundwasser ist gesetzlich geschütztes Allgemeingut. Die Industrie etwa braucht zur Entnahme eine Genehmigung. Das Problem: Bisher wird unzureichend erfasst, wer in einer bestimmten Region Wasser nutzt. Borchardt sieht darin eines der „großen Defizite“ in Deutschland, das „nicht akzeptabel“ sei. Die erteilten Erlaubnisse würden zum Teil noch in „analogen Wasserbüchern“ stehen. Keiner schaue genau hin, wie viel von den genehmigten Wassermengen tatsächlich genutzt werde.
Erst mit einer klaren Wasserbilanz könne man sagen, welche Nutzung genehmigungsfähig sei. Wie groß die Wassermenge sein kann, ist Borchardt zufolge abhängig von der Region. Denn Grundwasser ist in Deutschland ungleich verteilt, der tiefere Untergrund unterschiedlich beschaffen. So gibt es Gegenden ohne Grundwasser und andere mit ergiebigen Grundwasserquellen.
Virtuelles Wasser sparen: Konsum entscheidet über Wasserbilanz
Dass Kommunen es verbieten, Wasser aus Bächen zu entnehmen und dazu aufrufen, Wasser zu sparen, ist nach Borchardts Überzeugung eine sinnvolle Vorsorgemaßnahme. Keine Grünflächen zu sprengen oder weniger zu duschen – wofür Grundwasser genutzt wird – schützt die Ressourcen.
Appelle der Wasserversorger wie zuletzt bei der Hitzewelle im Juni zielen aber auch darauf ab, Spitzenverbräuche zu vermeiden. Die technische Infrastruktur kommt bei so heißem Wetter schlicht an ihre Grenzen, erklärt Klimaforscher Andreas Marx. Das Problem sei dann nicht, dass kein Wasser da sei, sondern dass es nicht schnell genug aus dem Grundwassser hochgepumpt werden könne.
Wasser privat zu sparen, ist das eine. Verbraucher können aber auch durch ihr Konsumverhalten Einfluss nehmen. Ob Kleidung, Auto, Halbleiter oder Lebensmittel: Alles enthält sogenanntes „virtuelles Wasser“.
Es kommt auf das richtige Produkt an, betont Hydrobiologe Dietrich Borchardt. Es mache einen Unterschied, ob man eine Tomate aus der Region kaufe – oder etwa aus Südwesteuropa. Dort gebe es Regionen, die ihre Wasserressourcen in kürzester Zeit durch eine nicht-nachhaltige Landwirtschaft übernutzt hätten.
Onlinetext: Beate Thomsen















