Freitag, 12. August 2022

Archiv

Ripoll in Katalonien
Heimat der Terrorzelle von Barcelona

Nach dem Terroranschlag von Barcelona sind die Ermittler sich inzwischen sicher, dass eine Terrorzelle dahinter steckte. Sie soll in Ripoll, einer Kleinstadt im Norden der spanischen Region Katalonien, beheimatet gewesen sein. Die Einwohner sind schockiert - davon gemerkt hatte niemand etwas.

Von Oliver Neuroth | 21.08.2017

    Ortseinfahrt in Ripoll, Katalonien.
    Bewachte Ortseinfahrt von Ripoll, Katalonien (AFP/ Pau Barrena)
    Ripoll ist ein malerisches Städtchen im Norden von Katalonien, am Fuße der Pyrenäen. Etwa 10.000 Menschen leben hier, darunter vergleichsweise wenige Muslime - gerade einmal 700. Die meisten sind gut integriert, sagen die Einheimischen. Bisher habe es keine Probleme gegeben.
    "Als ich im Fernsehen den Namen Ripoll hörte und die Bilder der Jungs sah, dachte ich nur: 'Das kann doch nicht wahr sein!' Ich kannte sie natürlich vom Sehen. Einer hat hier Fußball gespielt", erzählt der 75-jährige Antonio. Und Ramon meint:
    "Natürlich reden alle über dieses Thema, wie in ganz Europa. Ja, es bleibt schon Angst zurück."
    Alle bisher bekannten Mitglieder der Terrorzelle wuchsen in Ripoll auf. Die Polizei durchsuchte neun Häuser und Wohnungen. Darunter auch das Mehrfamilienaus, in dem die Brüder Mohamed und Omar wohnten. Mohamed wurde beim vereitelten Anschlag in Cambrils von der Polizei erschossen. Dass die beiden Terroristen gewesen sein sollen, kann dieser Nachbar nicht verstehen.
    "Wir haben uns immer gegrüßt. Aber es ist so, dass Mohamed und Omar in letzter Zeit sehr viel ernster waren als vorher. Wenn ich sie darauf ansprach, sagten sie immer: 'Wir sind müde von der Arbeit!' Das gehe ja allen so. Aber sonst ist mir nichts aufgefallen."
    Kopf der Terrorzelle könnte ein Imam gewesen sein
    Auch Pablo wohnt in der Nachbarschaft. Er kannte den mutmaßlichen Terroristen Mohamed gut, ist ihm zur Schule gegangen.
    "Er war sehr extrovertiert, hatte einen starken Charakter, aber hielt zu seinen Freunden. Er war eigentlich ein sehr guter Typ. Wenn Du ihn respektiert hast, hat er auch Dich respektiert. Aber man durfte sich nicht mit ihm anlegen."
    Aus Ermittlerkreisen heißt es: Der Kopf der Terrorzelle könnte ein Imam gewesen sein. Abdelbaki Es Satty predigte bis Juni in der Moschee von Ripoll. Die Polizei hält es für möglich, dass er bei der Explosion der Sprengstoffwerkstatt der Terrorgruppe ums Leben kam - im Süden Kataloniens. Abu Jassine ist Vorsitzender der muslimischen Gemeinde von Ripoll.
    "Wir wissen nicht, ob der Imam außerhalb der Moschee Kontakt zu diesen Männern hatte. Das wissen wir einfach nicht. Er hat nie etwas Seltsames gesagt oder getan. Nur das, was alle Imame tun: Gottesdienste halten."
    Für die Einwohner von Ripoll ist es schwer zu verstehen, dass sich in ihrer Kleinstadt eine Islamistengruppe radikalisieren konnte. Sie stellen sich die Frage, wie das unbemerkt passieren konnte - und auf diese Frage haben sie bisher keine Antwort.