Medienbericht
Russischer Geheimdienst soll belarussischen Dissidenten Anatol Kotau von Yacht im Schwarzen Meer entführt haben

Ein belarussischer Oppositionspolitiker könnte laut einer Recherche der Deutschen Welle von russischen Behörden im Schwarzen Meer entführt worden sein. Darauf deuteten Dokumente, Satellitenbilder und weitere Daten hin, die man ausgewertet habe, teilte der Sender mit.

    Bis zum Jahr 2020 arbeitet Kotau als Generalsekretär des Belarussischen Olympischen Komitees (Archivbild vom 19. Mai 2019).
    Der belarussische Oppositionspolitiker Anatol Kotau - hier im Mai 2019 als Generalsekretär des Belarussischen Olympischen Komitees. (imago images / GEPA pictures / GEPA pictures / Christian Walgram via www.imago-images.de)
    Es geht dabei um den belarussischen Oppositionspolitiker Anatol Kotau. Der 46-Jährige war im August 2025 in der Türkei spurlos verschwunden. Die Deutsche Welle geht davon aus, dass die russische Küstenwache Kotau von einer Yacht geholt hat, die er in der türkischen Hafenstadt Trabzon betreten haben soll. Laut Deutsche Welle brachte die russische Küstenwache Kotau wahrscheinlich in Abchasien an Land.
    Abchasien ist eine Region am Schwarzen Meer, die sich von Georgien abgespalten hat und deren Regierung enge Beziehungen zu Russland pflegt. Ob sich Kotau weiter dort befindet oder in ein anderes Land gebracht wurde, ist unklar. Anhand der Daten der Yacht seien zahlreiche Verbindungen zu belarussischen Personen und Unternehmen rekonstruiert worden, die dem Geheimdienst KGB nahestünden, führte der Sender aus.

    Kotau floh nach der Niederschlagung der Protest gegen Staatschef Lukaschenko 2020 nach Polen

    Anatol Kotau arbeitete zunächst für die Regierung des belarussischen Staatschefs Lukaschenko. Er war zuerst Diplomat an der belarussischen Botschaft in Polen, ab 2015 dann Generalsekretär des Belarussischen Olympischen Komitees. Anatol ging in die Opposition, nachdem Regierungstruppen Proteste gegen Fälschungen bei den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2020 niederschlugen. Er floh nach Polen, ließ sich dort als Flüchtling registrieren und begann von Warschau aus, sich für einen Wandel in Belarus einzusetzen.
    Die Deutsche Welle hat die Recherche eigenen Angaben zufolge zusammen mit dem Belarusian Investigative Center und dem Organized Crime and Corruption Reporting Project durchgeführt.
    Diese Nachricht wurde am 18.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.