
Die Präsidentin des Goethe-Instituts, Gesche Joost, sprach im Deutschlandfunk von einem historischen Einschnitt. Die Schließung markiere "das Ende einer Ära der deutsch-russischen Kulturbeziehungen". Diese Ära habe nach dem Fall der Berliner Mauer begonnen, als das Goethe-Institut in den 1990er-Jahren Standorte in St. Petersburg, Moskau und später Nowosibirsk eröffnen konnte. Ziel sei es gewesen, die Gesellschaften beider Länder miteinander in Beziehung zu setzen und über Sprache, Bibliotheken und kulturelle Projekte Verständnis zu fördern. "Wir konnten wirklich Menschen miteinander in Verbindung bringen, und das hat jetzt ein Ende gefunden", betonte Joost.
Nach Angaben von Joost waren zuletzt noch 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Goethe-Instituten in Russland beschäftigt. Diese hätten bereits in den vergangenen Jahren unter schwierigen Bedingungen arbeiten müssen. Nun stehe deren Sicherheit an erster Stelle. Man sei in engem Kontakt mit dem Generalkonsulat, der deutschen Botschaft und dem Auswärtigen Amt. "Das Wichtigste ist die Sicherheit der Mitarbeitenden vor Ort", sagte Joost. Die Lage werde derzeit fortlaufend bewertet.
Die Schließung des Kulturzentrums "Russisches Haus" war eine von mehreren deutschen Maßnahmen gegen Russland. Auch das russische Generalkonsulat in Bonn soll geschlossen werden. Die Bundesregierung macht Moskau für den versuchten Anschlag mit Drohnen am Flughafen Leipzig/Halle im vergangenen Monat verantwortlich.
Russischer Botschafter wird in Berlin belassen
Russland will ungeachtet der deutschen Sanktionen an den diplomatischen Beziehungen festhalten. Wie Kremlsprecher Peskow mitteilte, wird der russische Botschafter in Berlin belassen und nicht abgezogen. Dass Deutschland das russische Generalkonsulat in Bonn schließen wolle, sei absurd. Mit dem Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle habe man nichts zu tun.
Deutschlandfunk-Hauptstadtkorrespondent Vladimir Balzer erklärt, dass es noch keinerlei praktische Schritte von Seiten der russischen Behörden gibt, um die Schließungen umzusetzen. Das könne sich aber jederzeit ändern. Es könne sein, dass in einer Stunde die Polizei vor der Tür stehe. Es könne aber auch sein, dass erst einmal gar nichts geschehe, weil sich bei den Behörden niemand so recht zuständig fühle. Insofern sei auch denkbar, dass die Goethe-Institute sogar vorerst geöffnet bleiben könnten.
Bundesaußenminister Wadephul (CDU) kritisierte die russischen Schritte. "Das Goethe-Institut hat in Russland eine wichtige Funktion als Kulturbrücke übernommen, und wir wären bereit gewesen, das fortzusetzen", sagte Wadephul in Weimar. "Ich bedauere, dass Russland diesen Schritt gegangen ist."
Kulturrat: Letzte Türen schließen zwischen Russland und Deutschland
Für den Deutschen Kulturrat ist die Schließung ein bedauerlicher Schritt. "Jetzt werden die allerletzten Türen geschlossen", sagte Geschäftsführer Olaf Zimmermann der Katholischen Nachrichten-Agentur. Russlands Regierung übe seit Jahren Druck auf deutsche Kultureinrichtungen aus, so etwa auf die Deutsche Welle oder die Politischen Stiftungen. "Das Goethe-Institut ist eines der letzten Pflänzchen des Austausches gewesen", betonte Zimmermann. Diese weitere Eskalationsstufe sei besonders für Teile der russischen Bevölkerung sehr schlimm.
Nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung wurden inzwischen zwei Tatbeteiligte des Anschlagsversuchs identifiziert. Es soll sich um einen gebürtigen Russen mit lettischem Pass sowie um einen Mann aus Belarus mit russischem Pass handeln. Der Kreml bestreitet eine Verantwortung für den Anschlag.
Weitere Informationen:
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Diese Nachricht wurde am 04.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
