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Russlands Wirtschaft
Der Rubel auf Talfahrt

Der Rubel rollt - nach unten und zwar schnell. Annexion der Krim, Krieg in der Ostukraine, Sanktionen und sinkender Ölpreis: Die russische Wirtschaft und ihre Währung stehen unter Druck. Der Rubel hat seine vermeintliche Stabilität verloren - und ein Ende der Talfahrt scheint nicht in Sicht.

Von Thomas Franke | 10.10.2014

Eine Anzeigetafel in Moskau zeigt den aktuellen Wechselkurs des russischen Rubels. Zum ersten Mal muss man für einen Dollar mehr als 40 Rubel bezahlen.
Aktuell muss man für einen US-Dollar 40 Rubel auf den Tisch legen. Vor einem Jahr waren es nur 30. Schon längst sind russische Firmen gezwungen, Dollar zu kaufen. (picture-alliance / dpa / Ramil Sitdikov)
Eine Wechselstube im Zentrum Moskaus. Handwerker bauen einen neuen Schalter. Auf der Anzeigetafel blinkt der Wechselkurs. Ein Euro kostet hier 51 Rubel und 55 Kopeken, ein Dollar 40 Rubel 55. So schlecht stand der Rubel lange nicht. Die Leute in der Wechselstube reagieren unwirsch, keiner möchte über das Thema reden. Im Fernsehen erhalten die Russen seit Tagen Ratschläge, was sie tun sollen, unter anderem vom russischen Finanzminister Anton Siluanov:
"Einfachen Menschen sage ich immer, wenn man Ausgaben vor allen Dingen in Rubeln tätigt und seinen Lohn in Rubeln erhält, dann soll man auch beim Rubel bleiben. Wenn jemand aber Ausgaben in anderen Währungen plant oder Auslandsreisen oder für Ausgaben im Ausland spart, dann kann er natürlich einen Teil seiner Ersparnisse in Valuta aufbewahren. In jedem Fall sollte man es diversifizieren. Einen Teil in Valuta, den größeren Teil natürlich in Rubeln."
Sanktionen verhindern Zugang zu internationalen Finanzmärkten
Russische Firmen sind längst gezwungen, Dollar zu kaufen. Denn die Sanktionen verhindern den Zugang zu den internationalen Finanzmärkten. Die Notenbank reagiert auf den Rubel-Verfall mit Stützungskäufen. Gestern sollen es allein Rubel im Wert von mehr als einer Milliarde US-Dollar gewesen sein, heute wahrscheinlich noch einmal weitere 700 Millionen Dollar. Analysten gehen davon aus, dass ein Ende der Talfahrt nicht in Sicht ist. Die anhaltende Währungsschwäche verringert auch die Devisenreserven Russlands. Im letzten Jahr ist der Bestand um knapp 10 Prozent geschrumpft, von 500 Milliarden US-Dollar auf gut 454.
Man wolle den Verfall des Rubels abfedern, aber nicht vollständig bremsen, ist derzeit von der Zentralbank zu vernehmen. Damit soll die Exportwirtschaft gestärkt werden. Doch der russische Außenhandel besteht im wesentlichen aus Öl und Gas. Unter anderem, um den Rubel zu stützen, plant Russland nun, Rohstoffgeschäfte künftig in Rubeln abzuwickeln, statt in US-Dollar. Finanzminister Siluanow:
Beruhigung der Bevölkerung durch staatlich gelenkte Medien
"Das steigert das Vertrauen in den Rubel. Der Verkauf in Rubeln erlaubt, die Nachfrage nach unserer Währung zu erhöhen. Und das ist gut, denn wir sind einer der größten Energierohstofflieferanten der Welt. Es ist richtig, jetzt so viele Rubel wie möglich in den Umlauf zu bringen. Denn die Käufer kommen sowieso mit ihren Euro oder Dollar auf unseren Rubelmarkt, kaufen Rubel und werden in Rubel bezahlen."
Die staatlich gelenkten Medien berichten über den Verfall der Währung wenn, dann nur beruhigend. Heute Vormittag in der Wirtschaftssendung von Rossija 24 war die Moderatorin dann auch bemüht, die Bevölkerung weiter zu besänftigen:
"Einer der wichtigsten Faktoren, der auf den Rubel drückt, ist der sinkende Ölpreis. Experten sagen, dass der Preis vermutlich schon die Talsohle erreicht hat. Der Winter steht vor der Tür, und im Winter steigen die Energiepreise meist. Deswegen kann sich der Trend im Rubelkurs bald umkehren."