Dienstag, 17. Mai 2022

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Schockstarre in München

Wie Hohn musste den Münchnern das immer wiederkehrende Kompliment in den Ohren klingen, man habe eine großartige Olympia-Bewerbung 2018 präsentiert. Sie haben zunächst ganz andere Sorgen. Nach der Schockstarre vom Mittwochabend bewegt sie zunächst die Frage, wie sag ich's meinem Kinde. Also, wie will man gegenüber den Förderern, gegenüber der Wirtschaft, besonders gegenüber der Politik in München und Berlin erklären, dass man toll war und zugleich eine deprimierende 25:63-Klatsche bekommen hat?

Von Herbert Fischer-Solms | 07.07.2011

Dabei ist das nach IOC-Arithmetik gar kein Widerspruch, die IOC-Mitglieder wollten diesmal ganz sicher gehen, dass das wirtschaftlich sehr wichtige Südkorea nicht zum dritten Mal vor den Kopf gestoßen wird.

Wie geht es nun weiter? Am kommenden Donnerstag tagt der Aufsichtsrat und wird die Termine für die Liquidierung der Olympia-Bewerbungsgesellschaft München 2018 festlegen. Davor, Dienstag bis Mittwoch, kommt das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes zusammenkommen. Es könnte dann sehr schnell eine erneute Olympiabewerbung beschließen, bevor eine ausufernde öffentliche Debatte um sich greift.

Wahrscheinlicher ist aber die andere Variante, nämlich die Wahl des neuen IOC-Präsidenten in zwei Jahren abzuwarten. Bereits vor Durban hatte DOSB-Präsident Thomas Bach von seinen IOC-Kollegen vielfach zu hören bekommen, München können wir nicht wählen, aber in zwei Jahren bist Du unser Kandidat.

Im Augenblick ist IOC-Vize Bach in der Tat Favorit auf die Nachfolge von Jacques Rogge, auch wenn er derzeit gebetsmühlenhaft abwehrt:

"Ich habe zu dieser Frage immer gesagt, dass jetzt nicht die Zeit ist, darüber zu entscheiden und darüber nachzudenken, und das hat sich auch jetzt nicht geändert."

Aus der Position des IOC-Chefs würde Bach dann, aus dem Hintergrund heraus, eine deutsche Olympiabewerbung sehr viel effektiver forcieren können.

Ex-Präsident Samaranch hatte eine Schamfrist von fünf Jahren abgewartet, bevor er Barcelona 92 anschob - bekanntlich mit großem Erfolg. Dann könnte Deutschland auch eine Bewerbung für Sommerspiele wagen - Hamburg und Berlin scharren ja bereits wieder mit den Hufen, aber es gibt auch Zuspruch von außen wie vom Schweizer Eishockey-Weltpräsidenten Rene Fasel:

"Ich bin persönlich der Meinung, dass Deutschland mehr für Sommerspiele geeignet ist. Es ist ein großes Land, hat wunderschöne Städte und hat alles, was man haben muss, um Sommerspiele zu machen. Es gibt wenige Länder, die Sommerspiele machen können, und Deutschland ist eines."

Also, es bleibt spannend, Olympia in Deutschland wird sicher auf der Tagesordnung bleiben.