Moritz von Uslar hat Frank Wedekinds Lulu "bearbeitet", er würde wohl sagen: gerettet, die fünf Akte der Urfassung auf drei mit eigenen Szenen-Titeln verteilt - und trotzdem noch allerhand Helden der bunten Zeitungsseiten untergebracht. Vom Medizinalrat Dr. Goll, Lulus erstem Gatten, sah man dort lange kein Foto, weshalb er jetzt nicht mehr mitspielen darf. Wie so mancher Freier, der einst die Segnungen aus der "Büchse der Pandora" genoss. Mavie Hörbigers Lulu hat eine Spielkiste, auf der Pandora steht, wenn ihr Vater-Zuhälter Schigolch mal wieder vorbeischaut, um sie, die einen Geldsack nach dem anderen heiratet, ein bisschen anzupumpen, holt sie Hulahupp-Reifen und Kreisel hervor und zeigt Papa, was für ein braves Mädchen sie ist. Ist sie ja auch wirklich: ein Mäuschen mit nettem Einheitsgrinsen, leicht variiert, wenn sie dem Parkett stumm-verschwörerisch mitteilt, dass ihr die Kerle auf den Keks gehen. Vor-Freudianisch ihre Verzweiflungsperformance, zuckelt sie nicht, stakst sie in diversen Fähnchen über Alex Harbs mal-wieder-Steg-Bühne, das "Model" ist noch lange nicht auf Du und Du mit dem Stöckelschuh.
Sie lenkt nicht, sie denkt nicht, sie kann nichts dafür. So war das ja durchaus vom Verfasser vor gut hundert Jahren gedacht. Nur sollte es da einen "Mythos Weib" geben, an dem sich auch nach Freud Psychologen wie Philosophen gerieben und die Finger wund geschrieben haben. In Bochum hat Lulu sich aus dem "Big Brother"-Container hochgearbeitet, eine Talkshow-Entdeckung – und tausend wachsen täglich nach. In Uslars Fassung muss sie oft betonen, wie gern sie fickt, nur dass hier andererseits Sex "total over" ist, diese Lulu also schon deshalb keine Zukunft hat. Warum sich die Männer, hier ziemliche Machos und durchaus keine Witzfiguren wie gern in den jüngeren Lulu-Inszenierungen, reihenweise erschießen oder erschießen lassen, lange leiden, bis die Herztöne im Lautsprecher abbrechen, dann wie Müll über die Rampe gekippt werden, erklärt uns weder das "Luder" selbst, noch ihr Neu-Bearbeiter, noch die Regisseurin Christina Paulhofer. Die drei waren schon mal ein Team in Moritz von Uslars eigenem Stück namens "Freunde II", vor Jahren in Hannover und danach meines Wissens nicht mehr aufgeführt.
Weil der Journalist Uslar "seine" Lulu vor der Premiere nicht herausrückte, wäre der Eigenanteil der Regisseurin noch im Einzelnen zu prüfen, denn der Autor schrieb seinerseits Regieanweisungen von beträchtlichem Ausmaß. Paulhofer ließ ihm sein Alter-Ego im Stück, ein Volontär, der Lulu auch die in den einschlägigen Kreisen berühmten "Hundert Fragen" stellen darf. Die ebenfalls vorgesehene Atomexplosion – so ein Werk muss ja irgendwie enden – lässt sich gottlob noch nicht auf der Bühne realisieren. Paulhofer, die in Bochum schon bessere Arbeiten abgeliefert hat, erlag in letzter Zeit einer ausgedehnten Körperkampflust, man könnte es – wie in ihrem Berliner Macbeth - auch sinnlose Klopperei nennen. Ihre Lulu erduldet zwar im zweiten Teil – er spielt statt in Paris und London irgendwo am Strand – als heruntergekommene und schwer misshandelte Hure allerhand Wasserschlachten, im Großen aber wird verbal kommuniziert oder vom Lesbenchor die neue Bademode vorgeführt.
Ausgerechnet diese Göre Lulu bekommt von Uslar am Schluss nicht den Messermörder sondern einen schönen Monolog, eine Art Autoanalyse.
Allerdings ist die Geschichte da noch nicht ganz ausgestanden, Lulu transformiert sich zu Eva – wie sie bei Wedekind ja auch mal heißt -, die mit Adam – dem ewigen Volontär im Paradies den ersten Beischlaf nach Anleitung aus der "Bravo" – bespricht. Die zweite Chance aber, das bürgerliche Leben, wäre wohl ein Schrecken ohne Ende. Dann lieber ein Ende mit Schrecken: siehe Atomexplosion. In manchen Kreisen zieht man diese Lösung eben einer Bewältigung durch Nachdenken vor.
Sie lenkt nicht, sie denkt nicht, sie kann nichts dafür. So war das ja durchaus vom Verfasser vor gut hundert Jahren gedacht. Nur sollte es da einen "Mythos Weib" geben, an dem sich auch nach Freud Psychologen wie Philosophen gerieben und die Finger wund geschrieben haben. In Bochum hat Lulu sich aus dem "Big Brother"-Container hochgearbeitet, eine Talkshow-Entdeckung – und tausend wachsen täglich nach. In Uslars Fassung muss sie oft betonen, wie gern sie fickt, nur dass hier andererseits Sex "total over" ist, diese Lulu also schon deshalb keine Zukunft hat. Warum sich die Männer, hier ziemliche Machos und durchaus keine Witzfiguren wie gern in den jüngeren Lulu-Inszenierungen, reihenweise erschießen oder erschießen lassen, lange leiden, bis die Herztöne im Lautsprecher abbrechen, dann wie Müll über die Rampe gekippt werden, erklärt uns weder das "Luder" selbst, noch ihr Neu-Bearbeiter, noch die Regisseurin Christina Paulhofer. Die drei waren schon mal ein Team in Moritz von Uslars eigenem Stück namens "Freunde II", vor Jahren in Hannover und danach meines Wissens nicht mehr aufgeführt.
Weil der Journalist Uslar "seine" Lulu vor der Premiere nicht herausrückte, wäre der Eigenanteil der Regisseurin noch im Einzelnen zu prüfen, denn der Autor schrieb seinerseits Regieanweisungen von beträchtlichem Ausmaß. Paulhofer ließ ihm sein Alter-Ego im Stück, ein Volontär, der Lulu auch die in den einschlägigen Kreisen berühmten "Hundert Fragen" stellen darf. Die ebenfalls vorgesehene Atomexplosion – so ein Werk muss ja irgendwie enden – lässt sich gottlob noch nicht auf der Bühne realisieren. Paulhofer, die in Bochum schon bessere Arbeiten abgeliefert hat, erlag in letzter Zeit einer ausgedehnten Körperkampflust, man könnte es – wie in ihrem Berliner Macbeth - auch sinnlose Klopperei nennen. Ihre Lulu erduldet zwar im zweiten Teil – er spielt statt in Paris und London irgendwo am Strand – als heruntergekommene und schwer misshandelte Hure allerhand Wasserschlachten, im Großen aber wird verbal kommuniziert oder vom Lesbenchor die neue Bademode vorgeführt.
Ausgerechnet diese Göre Lulu bekommt von Uslar am Schluss nicht den Messermörder sondern einen schönen Monolog, eine Art Autoanalyse.
Allerdings ist die Geschichte da noch nicht ganz ausgestanden, Lulu transformiert sich zu Eva – wie sie bei Wedekind ja auch mal heißt -, die mit Adam – dem ewigen Volontär im Paradies den ersten Beischlaf nach Anleitung aus der "Bravo" – bespricht. Die zweite Chance aber, das bürgerliche Leben, wäre wohl ein Schrecken ohne Ende. Dann lieber ein Ende mit Schrecken: siehe Atomexplosion. In manchen Kreisen zieht man diese Lösung eben einer Bewältigung durch Nachdenken vor.