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Semesterferien ade!

Bis 2010 sollen alle Studiengänge vom bisher üblichen Diplom auf Bachelor und Master umgestellt sein. Die Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg beginnt im Herbstsemester mit einem Intensiv-Bachelor Schauspiel. Die Reform bedeutet in diesem Fall: Die Bühnenausbildung wird reduziert, der Zeitaufwand insgesamt aber steigt.

Von Claudia van Laak |
    Matthias Ransberger beim Chansonabend der Schauspielstudenten an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolff. Im nächsten Jahr hat der 26jährige sein Diplom in der Tasche. Diejenigen, die im Wintersemester starten, beenden künftig ihr Studium mit dem Bachelor. Keine gute Idee, findet Matthias Ransberger.

    "Ich steh dem Bachelor insgesamt, jetzt gar nicht an unserer Schule, sondern was das Bildungssystem insgesamt angeht, kritisch gegenüber, weil er Einsparungen bedeutet. Es werden weniger Lehrstunden bezahlt, und das will der Staat so. "

    Dieter Berner hat den neuen Bachelor konzipiert. Der Schauspielprofessor - selber Absolvent des renommierten Wiener Max-Reinhardt-Seminars – ist der Ansicht: Wir müssen sowieso umstellen, deshalb reformieren wir gleich den ganzen Studiengang.

    "Und deswegen war mir das ein willkommener Anlass, eine Ausbildung zu entwerfen, in der wir die Erfahrungen vor der Kamera und die Erfahrungen auf der Bühne gleichmäßig verteilen. "

    Die Reform bedeutet in diesem Fall: die Bühnenausbildung wird reduziert und die Anforderungen an die Studierenden werden größer. Semesterferien ade.

    "Das heißt, die Arbeitsleistung von vier Jahren wird auf drei Jahre zusammengezogen. Das bedeutet eine Arbeitszeit von 46 Wochen im Jahr a 48 bis 50 Stunden Arbeitszeit. Das ist sehr intensiv. "

    Ein Job neben dem Studium ist also kaum zu realisieren. Schlecht für diejenigen, die ihr Studium selber finanzieren müssen. Aber sinnvoll für die spätere Karriere, sagt Dieter Berner.

    "Bei der Medienbranche, das ist ja eine Industrie, da zählt der Marktwert des Namens, und je früher man damit beginnt, diesen Marktwert zu sammeln, umso größere Chancen hat man. "

    Das hat Jessica Richter bereits erfahren. Mit 18 trat sie in einem Videoclip der Kelly-Familie auf, es folgten die ersten Fernsehauftritte - Hauptrollen in einem Tatort und einer Rosamunde-Pilcher-Verfilmung. Jetzt studiert sie an der Potsdamer Hochschule für Film und Fernsehen Schauspiel. Die 21jährige findet es sinnvoll, so früh wie möglich einen Abschluss in der Tasche zu haben.

    "Dadurch, dass man sich jetzt mehr auf Film spezialisiert, hat man die Möglichkeit, ein Demoband zu haben. Und man hat die Möglichkeit, schneller draußen zu arbeiten, und das ist natürlich gut. "

    Kunst-, Musik- und Filmhochschulen, alle künstlerischen Ausbildungsstätten in Deutschland tun sich schwer mit der Umstellung ihrer Studiengänge. Die Hochschule für Film und Fernsehen HFF gehört zu den ersten staatlichen Schauspielschulen, an denen ab dem Wintersemester nur noch ein Bachelor-Abschluss möglich sein wird. Schauspielprofessor Dieter Berner:

    "Diese Diskussion darüber, ob es Sinn macht, im Schauspiel, oder überhaupt in der Kunst, eine gestufte Ausbildung anzubieten, die läuft sehr heiß. Die meisten wollen das nicht und sagen, was ist ein halbfertiger Schauspieler, ein halbfertiger Regisseur, ist das jemand, der in der Soap arbeitet. "

    Matthias Ransberger will kein halbfertiger Schauspieler werden, der später in einer Fernseh-Soap arbeitet. Deshalb freut er sich, im nächsten Jahr das Diplom in der Tasche zu haben.

    "Ich bin froh, dass ich noch Diplom machen kann. Aber ich bin sicher, dass unter den gegebenen Voraussetzungen, was das Schauspiel angeht, das Beste rausgeholt wird aus dem Intensiv-Bachelor."